Boll Lagerfeuer und Lippenstift

Boll / SAMIRA EISELE 05.08.2015
Schwarze Jurten und Kohten stehen auf einer Wiese am Bollemer Waldrand: Die Royal Rangers aus Stuttgart haben ihr Sommercamp aufgeschlagen. Rund 280 Kinder, Jugendliche und Leiter sind bis Freitag dort.

Ein pinkfarbener Schminktisch steht neben einer Jurte. Auf einem Ablagebrett, das wie der Rest des Tisches aus grobem Holz gezimmert ist, stehen rosafarbene Wattestäbchen und eine glitzernde Lotion bereit. Die Pfadfinder-Mädchen aus Waiblingen haben das rustikale Kosmetik-Tischchchen in ihr Lager gebaut. "Das haben sie sich selbst überlegt und auch die Farbe und die Kosmetik mitbebracht", sagt Betreuerin Lilly Heidenreich. "Aber es ist für uns auch ganz gut", ergänzt Sophia Beck. Die Leiterinnnen sind gerade allein im Lager. Die Pfadfinderstufe, also die 12- bis 14-jährigen Buben und Mädchen, sind auf einem "Team-Allein-Haik" unterwegs, haben in Kleingruppen von drei bis acht Jugendlichen außerhalb des Camps übernachtet. "Dafür holen wir natürlich das Einverständnis der Eltern", erklärt Campwart Ralf Weikum. Er ist für das Material des Lagers zuständig - von den beheizbaren Duschen bis zum Süßigkeiteneinkauf.

Neben dem Pfadfinderlager ist das Lager der Kundschafter. Das sind die Neun- bis Elfjährigen Nachwuchscamper. Hier herrscht Aufbruchstimmung: Es geht ins Freibad. Zirka 100 Kinder marschieren mit ihren Betreuern durch das rote Tor, das den Camp-Eingang markiert, vorbei an Autos mit den Kennzeichen LB, S und WN - denn hier zelten Stuttgarter Stämme aus Bad Cannstatt, Waiblingen und Vaihingen/Enz gemeinsam.

Auch die Pfadfinder treffen sich im Freibad wieder mit ihren Betreuern. Dort gibt es dann auch etwas zu essen. Ansonsten kochen die einzelnen Lager über eigenen Feuerstellen selbst. Davor müssen die Selbstversorger Prüfungen ablegen - im Holzhacken zum Beispiel.

Noch bis Freitag sind die Stuttgarter Stämme in Boll. Angekommen sind die Kinder und Jugendlichen vergangenen Freitag. Davor wurde schon eine ganze Woche aufgebaut, erzählt Ralf Weikum. Denn neben Versammlungsplätzen - eine Arena, die passend zum diesjährigen Motto im japanischen Stil dekoriert ist -, Spielgeräten - zum Beispiel einem Fliegenden Teppich -, und den einzelnen Lagerplätzen mussten auch praktische Wasch- und Duschbereiche, abgetrennte Bereiche für die Dixi-Toiletten und Kochbereiche für die Leiter entstehen.

Besonders beeindruckend: Ein großer Wassertank hoch oben in einem Baum sorgt für den Wasserdruck in den Duschen. Und davor fließt es aus den Schläuchen noch in holzbeheizte Boiler, die es erwärmen. "Wenn es zu heiß wird, kommen oben Flammen raus", sagt Campwart Ralf Weikum schmunzelnd.

Aber so kalt, dass man sich unter der heißen Dusche wärmen muss, war es zum Glück noch nicht. "Wir sind Gott dankbar für das Wetter", sagt Ralf Weikum. Er hofft, dass es sich auch für die restliche Campzeit hält und das Camp nicht - wie vor einigen Jahren - wegen Unwetters vorzeitig, sondern wie geplant am Freitag geräumt wird.