Wirr und zäh gestaltete sich am Mittwochabend die Beratung des Hechinger Bauausschusses über den Entwurf eines Lärmaktionsplanes für das Stadtgebiet. Das lag aber nicht etwa an eklatanten Meinungsverschiedenheiten (die es nicht gab), sondern mehr an der Ungewissheit darüber, was man jetzt eigentlich wie beschließen sollte. Letztlich winkte das Gremium den Maßnahmenkatalog, den der beauftragte Lärmschutzplaner Martin Reichert vorgelegt hatte, grundsätzlich durch – und verteilte für das Konkrete noch ein paar Prüfaufträge. Nägel mit Köpfen gemacht können dann voraussichtlich im Januar.

Vorschlag: Tempo-30-Achse durch die Unterstadt

Bis dahin wird sich an den geltenden Tempolimits nichts ändern. Danach könnten sie aber hie und da deutlich verschärft werden. Am greifbarsten scheint die Einführung einer nächtlichen (sprich zwischen 22 und 6 Uhr geltenden) „Tempo-30-Achse“ durch die Hechinger Unterstadt – und zwar durchgehend vom Kaufland-Kreisel an der Sigmaringer Straße über die Bahnhofstraße, die Hofgartenstraße, die Haigerlocher Straße und die Neue Rottenburger Straße bis hinaus zum zweiten Kaufland. An dieser Strecke, so haben die Berechnungen des Gutachters ergeben, leben nämlich mit Abstand die meisten lärmgeplagten Hechinger. In zahlreichen Unterstadt-Häusern ist der Schwellenwert der Gesundheitsgefährdung zumindest nachts überschritten. In machen sogar bei Tage. Deshalb ist vorgeschlagen, dass zumindest in der Bahnhofstraße auch tagsüber Tempo 30 gelten sollte.

Einen chaotischen „Flickenteppich“ mit ständig abwechselnden Geschwindigkeitsbeschränkungen wie auf der B 27 will am Ratstisch jedoch niemand. Deshalb warf der Freie Wähler Stefan Löffler ein: „Warum machen wir nicht Tempo 40 im gesamten Stadtgebiet?“ Einzige Ausnahme: die bereits bestehenden Tempo-30-Zonen, in denen natürlich nicht wieder schneller gefahren werden soll. Löffler: „Schluss mit dem Schilderwald. Hechingen wird 40er-Stadt. Fertig.“

Tempo 40 überall soll geprüft werden

Das hielt Planer Reichert für einen „schönen Einwand“, und auch etliche Ratskollegen, vorneweg Almut Petersen von der Bunten Liste, meinten, das sei erwägenswert. Und so erging an die Stadtverwaltung der Auftrag, prüfen zu lassen, ob sich mit maximal Tempo 40 tags und nachts und allüberall im Stadtgebiet die Lärmschutzziele nicht auch einhalten ließen.

Sollte sich Tempo 40 als zu pauschal und deshalb vielleicht rechtlich nicht haltbar erweisen (auch hier lässt der B.27-Rechtsstreit grüßen), soll auf jeden Fall das nächtliche Tempo 30 auf der genannten Unterstadt-Achse kommen. Genauso auf der unumstrittenen Liste: nächtliches Tempo 30 auf der Hechinger Straße nach Stetten rein und auf der B 32-Ortsdurchfahrt in Schlatt (und zwar vom Ortseingang aus Richtung Jungingen bis zur Straße „Am Stich“).

Tempo 80 auf der B 27 nachts beibehalten

Kein Widerspruch erhob sich am Ratstisch auch gegen den Plan, sich für eine Dauerhaftigkeit der derzeitig nur wegen des neuen Flüsterasphalts geltenden Tempo-80-Regelung auf der B 27 einzusetzen – auch wenn es dafür nur nachts eine Chance gibt und auch nur auf einem recht kurzen Streckenabschnitt bei der Ausfahrt „Hechingen-Mitte“.

Die Anschaffung eigener städtischer „Starenkästen“ zur Überwachung der Tempolimits schlug Almut Petersen vor, eine mobile Tempomessanlage empfahl ergänzend Susanne Blessing (SPD). Sollte dann noch die Polizei Mittel und Wege finden, etwas gegen die vielen „Autoposer“ zu unternehmen, über die sich Bürger bei der Anhörung zum Lärmaktionsplan beklagt haben, dann würde es sich in Hechingen wirklich ruhiger und damit gesünder leben.

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