Hechingen Lärmaktionsplan: Anregungen sind gefragt

Hörten sich die Klagen der Lärm geplagten Anwohner an (v.l.): Stephan Reuss (Leiter des städtischen Ordnungsamtes), Helga Monauni (Stadtbaumeisterin), Dorothee Müllges (Erste Beigeordnete) sowie zwei Vertreter des Fachbüros Modus Consult.
Hörten sich die Klagen der Lärm geplagten Anwohner an (v.l.): Stephan Reuss (Leiter des städtischen Ordnungsamtes), Helga Monauni (Stadtbaumeisterin), Dorothee Müllges (Erste Beigeordnete) sowie zwei Vertreter des Fachbüros Modus Consult. © Foto: Stephanie Apelt
Hechingen / Stephanie Apelt 23.01.2019
Die Stadt lud am Dienstag zum Informationsabend über den Lärmaktionsplan für Hechingen. Noch bis 20. Februar sind Anregungen möglich.

Lärm macht krank. Gerade Straßenlärm trägt dabei einen nicht unerheblichen Teil zum alltäglichen Geräuschpegel bei. Auf Geheiß der EU müssen Städte und Gemeinden, die hohen Verkehrslärm aufweisen, einen sogenannten Lärm-­aktionsplan aufstellen.

Die Stadt Hechingen würde ja gerne etwas gegen Straßenlärm tun. Anwohner viel befahrener Straßen beschweren sich. Doch was lässt sich realistisch auch durchsetzen? Im Dezember hat  der Gemeinderat über mögliche Maßnahmen diskutiert. Was empfehlen die Experten des Büros Modus Consult? Tempolimits als raschen Schritt, Flüsterasphalt dann mittelfristig.

Die Öffentlichkeit soll mit eingebunden werden. Am Dienstag hatte die Stadt daher zu einem Informationsabend in den Konstantinsaal des Stadthalle eingeladen, bei dem das beauftragte Fachbüro Modus Consult sich und den Lärmaktionsplan für Hechingen vorstellte. Gut 40 Lärm geplagte Anwohner fanden sich ein.

Tempolimits sollen helfen

Konkret im Raum stehen: Tempo 30 in der Nacht für die Haigerlocher Straße zwischen Europakreisel und Max-Eyth-Straße, in einem Abschnitt der Neuen Rottenburger Straße, in der Hofgartenstraße zwischen Bahnhofstraße und Stutenhofstraße, im Stadtteil Stetten von der Klosterstraße bis zum Haldenweg, in Schlatt auf der ganzen Durchfahrtsstraße.

Auf der B 27 wird, zumindest auf Höhe Hechingens, zu Tempo 80 nachts geraten; momentan dürfen es 120 Stundenkilometer sein. Mittelfristig soll moderner Straßenbelag helfen, den Lärm zu mindern. Gleiches gilt für Schlatt.

Schlafen mit Kopfhörer

Was würde es, rein rechnerisch, bringen? Die Zahl der Anwohner, die nachts in einem „gesundheitsgefährdenden“ Bereich verzweifelt Ruhe suchen, von jetzt 110 auf 15 sinken.

Doch Lärm ist immer auch subjektiv. Reine Zahlenwerte helfen da nicht unbedingt weiter. Was sich auch in der Diskussionsrunde am Dienstagabend zeigte.Die Klagen sind verständlich. Da wird in der Neuen Rottenburger Straße mit Kopfhörer geschlafen, weil es anders nicht geht. Wer im Bereich Neustraße, Weilheimer Straße wohnt, weiß, dass diese gerne mal als „Rennstrecken“ benutzt werden. Ob Heiligkreuzstraße oder Gammertinger Straße: Die Anwohner haben genug vom Lärm, der vor allem von der B 27 herüber drängt.

Warum könne denn nicht endlich eine Lärmschutzwand kommen, wurde gefragt. Das sei, mussten die Fachvertreter erklären, eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Ein Tempo-30-Schild aufzustellen kostet 400 Euro, eine Lärmschutzwand über einen Kilometer gehe in die Millionen. „Und an der B 27 ist halt nicht die dichteste Wohnbebauung.“

Wobei es übrigens nicht nur der Verkehrslärm ist, der stört. Laute, Bass unterlegte Musik aus offenen Autofenstern oder anhaltendes Hupen bei Hochzeitsfeiern sind ebenso, zumindest für manchen, ein Ärgernis. Aber hier schafft der Lärmaktionsplan, wie die Vertreter des Fachbüros erklärten, nun mal keine Abhilfe.

Umsetzung noch 2019?

Wer am Dienstag keine Zeit hatte, bei der Infoveranstaltung dabei zu sein: Anregungen sind bis 20. Februar noch möglich, einfach in schriftlicher Form im Hechinger Rathaus abgeben. Voraussichtlich in seiner Sitzung am 4. April will sich der Gemeinderat dann wieder mit dem Thema Lärm­aktionsplan befassen, möglichst Beschlüsse fassen.

Eine Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen, sprich, wenn denn so gewollt, Tempolimits, halten die Vertreter der Fachbüros noch 2019 für möglich. Wenn die übergeordneten Verkehrsbehörden mitmachen.

Lärmaktionplan: Um was geht es genau?

EU Die EU will es, die Kommunen müssen es sogar umsetzen: Alle Städte und Gemeinden, die unter hohem Verkehrsaufkommen leiden, sind verpflichtet, einen sogenannten Lärmaktionsplan aufstellen lassen. Für Hechingen hat das das Karlsruher Büro Modus Consult übernommen. Ab 70 Dezibel tagsüber und 60 nachts gilt Verkehrslärm als gesundheitsgefährdend. Für Hechingen empfiehlt Diplom-Ingenieur Martin Reichert Tempolimits (als schnellen Schritt) und Flüster­asphalt.

Stadt Der Hechinger Gemeinderat hat in seiner Dezember-Sitzung darüber beraten. Konkrete Beschlüsse sollen in der Sitzung am 4. April gefasst werden.

Behörden Nur weil Hechingen (vielleicht) auf Geschwindigkeitrsreduzierung setzt, heißt das noch lange nicht, dass sie diese auch bekommt. Bei Kreis-, Landes- und Bundesstraßen müssen die zuständigen Verkehrsbehörden zustimmen.

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