Wenn schon der Straßenverkehr nicht weniger wird, lässt sich dann nicht wenigstens der Verkehrslärm reduzieren? Schon 2014 hat sich Bisingen daran gemacht, einer Forderung der EU nachzukommen und einen sogenannten Lärmaktionsplan aufzustellen. Als Fachberater hat sich die Gemeinde dabei das Planungsbüro BS Ingenieure an die Seite geholt.

Zwischenzeitlich musste einiges noch einmal neu berechnet werden. Dann wechselte der Gemeinderat. Jetzt aber liegt der Plan dem neuen Gremium vor – und es soll endlich weitergehen.

Straßenlärm kann krank machen. Gefährlich wird es, so sieht es das Verkehrsministerium, wenn Werte von 70 Dezibel tagsüber oder 60 Dezibel nachts dauerhaft überschritten werden. Aus Sicht vieler Forscher sind bereits Pegel von mehr als 65 Dezibel tags und 55 Dezibel nachts zu hoch. Zu laut ist es demnach an zahlreichen Gebäuden in Steinhofen, Thanheim und an der B 27 sowie durchweg entlang der Bisinger Ortsdurchfahrt. Wenn sich generell nichts tun lässt: Für Lärmschutz am Gebäude selbst kann es Zuschuss geben.

Wenn laut zu laut ist

Was schlagen die Verkehrsplaner vor? Zwischen dem Kreisverkehr Heidelbergstraße/Steinhofener Straße und der Thanheimer Straße auf Höhe Einmündung Angelstraße Tempo 30 einzuführen – und zwar ganztags. Als Regel gilt: Fährt ein Auto 30 statt 50, reduziert sich der Lärmpegel um zwei bis drei Dezibel. Klingt nicht viel, „ist aber gefühlt die Hälfte des Verkehrs“, so der Experte. Und natürlich: Wenn eine Straße saniert wird, sollte sogenannter Flüsterasphalt eingebaut werden.

Doch das reicht den Bisinger Gemeinderäten nicht. Lange wurde darüber in der Sitzung am Dienstagabend diskutiert. Die Gemeinderäte wollen mehr als rund 650 Meter zwischen Brunnen-Kreisel und Blumen Fischer beruhigen. Vor allem nachts sollen die Bisinger besser schlafen können.

Bürgermeister Roman Waizenegger warnte allerdings davor, Luftschlösser zu bauen. „Die können ganz schnell einstürzen.“ Denn Bisingen kann nun mal nicht alleine entscheiden. Und Behörden, betonte der Vertreter des Planungsbüros BS Ingenieure, halten sich nun mal an Zahlen.

Klar ist aber auch: Lärm kann ganz verschieden empfunden werden. Und so sprach Alexander Mayer (CDU) aus, was am Ratstisch alle so empfinden: „Sie als Planer messen und rechnen, aber fragen Sie doch mal die Leute, die an den Straßen wohnen.“

Thema Ortsumgehung

Volker Büschgen (Freie Wähler) fand es merkwürdig, dass bei den Verkehrszahlen auf der Ortsdurchfahrt zwischen den wenigen Metern zwischen den Einmündungen Gutenbergstraße und Unterlauenweg einfach 2400 Fahrzeuge „verschwinden“. Wohin bloß? Oliver Wolf (CDU) gab zu bedenken, dass in keiner der vielen schönen Rechnungen der oft schlechte Zustand der Straßen berücksichtigt werde. Gisela Birr (SPD) setzte sich dafür ein, die Tempo-30-Strecke vom Brunnen-Kreisel über die Einmündung Angelstraße, wie vom Planer vorgeschlagen, zumindest bis auf Höhe des Unterlauenweges, bei der Avia-Tankstelle, auszuweiten.

Thanheim meldete sich zu Wort. Ortsvorsteher Rudolf Buckenmaier fand es „enttäuschend“, dass der Ortsteil nicht mit Tempo 30 bedacht werden soll. Für die Planer ist es in dem Ortsteil nicht laut genug – rein rechnerisch. Wilfried Pflumm (Freie Wähler) fand dagegen: „Seit der Lochen gesperrt ist, fahren auf dem Stich auch noch die Motorräder rauf und runter.“ Buckenmaiers Kollege aus Wessingen, Joachim Breimesser, drängte erneut auf eine bessere Lärmschutzwand entlang der B 27.

„Vor 17 Jahren haben wir den eigentlichen Kardinalfehler gemacht und die Ortsumfahrung abgelehnt“, meinte Klaus Ertl (Freie Wähler). Er warb dafür, die Sache doch noch einmal anzugehen, „auch wenn da ganz dicke Bretter gebohrt werden müssen“.

Es gab an diesem Abend viele gute Ansätze, doch Wünschenswertes muss auch umsetzbar sein. „Alles, was wir jetzt beschließen“, so Bürgermeister Waizenegger, „ist besser als der ist-Zustand. Es ist zumindest einmal ein Anfang.“

Fünf Maßnahmen

Und so soll dieser, geht es nach dem Bisinger Gemeinderat, aussehen:

Für die Bisinger Ortsdurchfahrt soll von der Einmündung Schelmengasse, hinter Grohmann, bis zur Avia-Tanke nachts Tempo 30 gelten.

Auch in Steinhofen soll nachts Tempo 30 kommen, und zwar von der Kreuzung Hechinger Straße/Lenaustraße, Maler Fecker, bis rein nach Bisingen zum Brunnen-Kreisel.

In Wessingen soll die Lärmschutzwand verbessert werden.

Für Thanheim soll nachts ebenfalls Tempo 30 gelten.

Kaum hatten sich die Gemeinderäte darauf geeinigt, brachte Konrad Flegr (Alternative Liste) einen weitergehenden Antrag: Tempo 30 nachts wie vorgeschlagen plus

Tempo 30 auch tagsüber für die von den Planern bevorzugte Strecke zwischen Brunnen-Kreisel und Blumen Fischer. Alle waren dafür. Zumal Tempo 30 ja nicht nur weniger Lärm, sondern mehr Sicherheit, so Dieter Fecker (CDU), für Fußgänger und Radfahrer bringe. Kontrolle ist dabei alles.

Nächster Schritt: Der Bisinger Entwurf, mehr ist es ja noch nicht, wird öffentlich zur Diskussion gestellt und geht an alle Behörden und alle, die in irgendeiner Weise von dem Plan betroffen sein könnten. Die Gemeinde will zudem zu einer großen Informationsveranstaltung einladen. Was Bisingen schließlich gegen den Lärm tun darf, wird sich zeigen.

Info Nachts heißt im Verkehrsrecht: zwischen 22 und 6 Uhr.

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