Rangendingen Kurt Haug, Schöpfer knorriger Gestalten

Rangendingen / Hardy Kromer 05.05.2018
Dutzende von originellen Brutkästen hängen an den Rangendinger Wanderwegen. Geschaffen hat sie Kurt Haug.

Wenn Spechte, Kleiber, Waldkäuze und kleinere Eulen frühjahrs in den Wäldern rund um Rangendingen ganz besonders gute Brutbedingungen vorfinden, dann ist das nicht zuletzt einem Mann zu verdanken, der seit vielen, vielen Jahren mit Hohleisen und Knüpfel am Werk ist und dessen Leidenschaft es ist, kunstvolle Nistkästen für Halbhöhlenbrüter zu bauen: Kurt Haug, Holzschnitzer in Familientradition, der noch mit dem Werkzeug seines Urgroßvaters schafft.

Dutzende seiner originellen, durchweg handgefertigten Brutkästen hat Haug in den Wäldern auf Rangendinger Gemarkung schon aufgehängt. Im Wolfental hängen seine gleichermaßen ökologisch nützlichen wie kunsthandwerklich wertvollen Werke ebenso wie am Eichhörnchenweg, am Keltenweg, auf der Hochburg und am Brünnele.

Die Motive, die Kurt Haug in seine Baumstümpfe und -stämme aus Linden-, Eschen-, Kirschen- oder Erlenholz schnitzt, sind höchst vielfältig, verraten aber immer seinen eigenen Stil: Mal ist es das Rangendinger Ortswappen mit dem Bären, mal eine Auchterthexe, mal der knitze „Ähne mit der Pfeife“ und mal eine bärtige Fantasiefigur – oder wie der Mann aus der Lehmgrubenstraße es selbst ausdrückt: „Halt so g’sponnene Kerle.“

Und manchmal spricht auch ein Stück Kritik an politischen oder gesellschaftlichen Verhältnissen aus Kurt Haugs Schöpfungen: Ein Kasten, der in seinem Garten hängt, zeigt einen Rentner, der an einem trockenen Knochen nagt, „nachdem er 45 Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt hat“, so die Interpretation des Kunsthandwerkers.

Sein Hobby, das er schon seit vielen Jahrzehnten ausübt, hätte der 76-Jährige einst gar nicht so ungern zu seinem Beruf gemacht. „Ich war mal vorgesehen als Steinmetz oder Bildhauer“, erzählt Haug, denn er hatte bei seinem Onkel, einem Steinbildhauer, gelernt, das Werkzeug zu führen. Doch in seinen Jugendjahren nach dem Krieg „hat man Handwerker gebraucht, keine Spinner“. Und so verschrieb sich der Rangendinger dem Heizungsbau. Jetzt, im Rentenalter, hat er die Zeit, sich ganz seinem Hobby hinzugeben. Sehr zur Freude der Wanderer und sehr zum Nutzen der Wildvögel, aber auch der Fledermäuse und Insekten im Starzeltal, die in Kurt Haugs Nistkästen ein- und ausfliegen.

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