Bühne frei für „sweet sounds“ und „hot soups“: Im Weißen Häusle stand am Samstag der lukullische Genuss ebenso im Vordergrund wie der musikalische. Wie immer in der dunklen Jahreszeit lud der Kunstverein Hechingen auch heuer wieder zu „Suppe und Musik“, einer Veranstaltung, die sich seit jeher großer Beliebtheit erfreut. Das Erfolgsrezept ist so einfach wie genussreich: Für den Magen werden in der „besten Suppenküche Hechingens“, wie es eine Besucherin ausdrückte, leckere kulinarische Kreationen wie Kartoffel-, Champignon- oder Kürbiscremesuppe, Alblinsensuppe mit Würstchen oder Gerstsuppe mit Tiroler Rollgerste kredenzt. Wohlgemerkt alle zubereitet von Mitgliedern des Kunstvereins. Für das sprichwörtliche Salz in der Suppe, die Musik, sorgt dagegen jedes Jahr eine andere namhafte Band, die das Weiße Häusle zum Klingen bringt.

In diesem Jahr führte die musikalische Reise in die USA, und zwar ganz tief in den Süden. Denn wenn Jonathan Whitlock vom „Sweet Home Alabama“ singt, ist das bei ihm durchaus wörtlich zu nehmen. Der Bandleader von „Four’s a crowd“, einem Trio, das sich der Blues-, Folk- und Rockmusik verschrieben hat, stammt aus diesem US-Bundesstaat. Schon lange lebt er in Deutschland, war 13 Jahre lang Pastor in Nagold, seit vergangenem Jahr wirkt er in Heidenheim.

Der großartigen Musik seiner amerikanischen Heimat ist er aber stets treu geblieben und hat seine Liebe zu ihr auch an seinen Sohn Timothy weitergegeben. Während der Vater seine Musikalität an der Gitarre und – wie es sich für Blues- und Folkmusik gehört – an der Mundharmonika unter Beweis stellt und mit einer tollen Stimme begeistert, gibt der Sohn am Schlagzeug den Takt vor und stimmt in den Gesang mit ein. Thomas Vogel am Bass vervollständigt das Trio, das in Sachen musikalische Klassiker beim Konzert im Weißen Häusle gleich von Beginn an aus dem Vollen schöpfte.

Süße Klänge allerorten

Das Publikum, das dicht gedrängt im kleinen Galerieraum saß, durfte sich an der unglaublichen Vielseitigkeit der drei Musiker erfreuen, gebannt den Erzählungen von Jonathan Whitlock lauschen, der viel Wissenswertes zu den Liedern und ihrer jeweiligen Entstehungsgeschichte parat hatte, und natürlich nach Herzenslust mitrocken. In den Südstaaten der USA, weiß Whitlock, sind „sweet sounds“ an allen Ecken und Enden zu hören – den Bars, den Kirchen, den Landhäusern und den „dance halls“.

Doch nicht nur im fernen Amerika, auch in heimischen Gefilden haben Lieder wie „Long as I Can See the Light“ von Creedence Clearwater Revival oder das legendäre „The Boxer“ von Simon und Garfunkel einst einen wahren Siegeszug angetreten. So mancher Gast im Weißen Häusle dürfte bei ihrem Erklingen in Erinnerungen an alte Zeiten geschwelgt haben, die untrennbar mit den Liedern der 60er- und 70er-Jahre verbunden sind. Denn jeder trägt doch einen ganz persönlichen Soundtrack der eigenen Jugend in sich, der niemals aus der Mode kommt und von „Four’s a crowd“ im Weißen Häusle zum Leben erweckt wurde.

Unsterblich sind sie ohnehin, die Lieder, die wohl jeder kennt. „Don’t Let Me Be Misunderstood“ etwa, ein 1964 entstandener Bluessong, der zunächst von Nina Simone interpretiert wurde oder auch das berührende „The Night They Drove Old Dixie Down“, das vor allem Joan Baez weltberühmt gemacht hat. Wenn dann noch Neil-Young- Hits wie „Tell Me Why“ aus dem Album „After the Gold Rush“ oder „Heart of Gold“ erklingen, mit einem Glas Rotwein auf den gemütlichen Abend angestoßen wird und alle Suppentöpfe restlos leer sind, ist der Novemberblues endgültig passé.

Die neuen Arbeiten sind weiterhin zu sehen


Jahresausstellung Nachdem Magen und Ohren gestärkt sind, kann man sich wieder den neuen Arbeiten zuwenden: Die Jahresschau des Kunstvereins Hechingen ist bis zum 2. Dezember im Rathaus zu sehen. Und zwar montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr, donnerstags zusätzlich von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.