Wolkenloses Blau des Himmels lassen Felsketten, Firne und Eisabbrüche für Augenblicke oder während Stunden, Friede und Ruhe ausstrahlen. Zu anderen Zeiten verschwindet alles im heftigen undurchdringlichen Schneetreiben. Oft entsteigen Zinnen und Zacken einem wogenden Nebelmeer. Im Föhnsturm wird das rasende Wolkentreiben mit Durchblicken aufgelockert – und plötzlich liegt die ganze herrliche Alpenwelt wie reingefegt und näher gerückt vor den staunenden Augen des Betrachters. Unablässig nie wiederkehrend verändern sich Formen und Farben der Hochgebirgslandschaft.

All diese Eindrücke will Josef Haug im Sinne der Kunst festhalten, die gesehene und die innere in seinem Herzen. Nun gibt er diese Freude, die er beim Malen von Bergwelten und Bäumen empfindet, in einer neuen Ausstellung „Wanderung, Inspiration und Leidenschaft. Berge und Bäume“ weiter. Haugs Werke können vom 12. Januar bis 22. März in der Rehabilitationsklinik Bad Sebastiansweiler, Hechinger Straße 26, bewundert werden. Der Auftakt ist dort die Vernissage am morgigen Sonntag, 12. Januar, ab 11 Uhr.

Der weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Rangendinger Künstler Josef Haug wurde selbst schon drei Jahre in der Rehabilitationsklinik Bad Sebastiansweiler sehr gut betreut, wie er selbst erzählt. Der 76-Jährige unternimmt intensive Spaziergänge und Wanderungen, zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb am Raichberg, auf der Uracher Alb, im Schwarzwald und im Berner Oberland, denn nur dabei, findet er, „wird dem Auge die Natur sichtbar“.

Malen ist seine Passion

„Überall begegne ich imposanten bewunderungswerten alten Baumgestalten sowie herrlichen Bergwelten“, betont der Rangendinger Maler, „und diese dann zu malen, ist meine Passion“. Er nennt die Ergebnisse „Wanderungen mit dem Malblock“, wobei es vorkommen könne, dass dem Maler das Wasser auf dem Papier „gefriert“ oder er eine Baumruine malt und dann nach Jahren erfreut feststellt, dass sie noch lebt und neue Triebe hat.

Das schönste Gleichnis

Josef Haug ist als einziger Deutscher seit 19 Jahren Mitglied der Gilde Schweizer Bergmaler. So seien nicht nur Bilder entstanden, sondern auch Freundschaften, erzählt der 76-Jährige. „Es ist ein Aufenthalt in der herrlichen Bergwelt, teilweise in einer Berghütte eines Freundes ohne Strom, ohne Radio, nur Malen – und das vor einer traumhaften Kulisse“, so der Rangendinger Künstler über seinen Schaffensprozess. Der 76-Jährige sieht an den Bäumen das Gewordene, das Gewachsene, all die Risse und Überwallungen, die Beulen, die knorrige Rinde, die feinen Verästlungen, die Pracht der Blätter und den eigenwilligen Wuchs des Stamms.

Ein Baum ist für ihn ein Lebewesen, das vielleicht differenzierteste der Pflanzenwelt, wie er betont, mit allem, was dazugehört, mit Körper, Geist und Seele. „Im Baum findet der Mensch sein schönstes Gleichnis“, so der Maler.

Im Baum findet sich die Gesellschaft wieder

Auch in Sprichwörtern tauche wiederholt die Ahnung der Wesensgleichheit Mensch und Baum auf, so können Menschen baumstark und stämmig, verwurzelt, entwurzelt sowie aus gutem Holz geschnitzt sein. Und so findet Josef Haug: „Kurz – unter Bäumen finden wir so ziemlich alles, was wir in unserer Gesellschaft antreffen.“ Das können schrullige alte Tanten, grazile Jünglinge, knorrige Saufbrüder oder kalkulierende Nutzindividuen sein.

Faszination der Berge

Was den Rangendinger an den Gebirgslandschaften fasziniert, sind dynamische und statische Elemente. So kann die scheinbare Starrheit mächtiger, bizarrer Felsformationen plötzlich durch die wildeste Bewegung überfallen werden und als Lawine donnernd zu Tal stürzen. Alles bis dahin Festgefügte befindet sich in gefährlichem Aufruhr, doch bald verebbt das ganze Schauspiel und klingt in die ursprüngliche Ruhe und Stille dieser herrlichen Bergwelt aus. Dynamisch findet Josef Haug auch die Einflüsse von Klima-, Tages-, Monats- und Jahreszeiten. „Sie beleben die Skala der überaus reichen Farbpalette“, frohlockt der Rangendinger.

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Bodelshausen/Berlin