Hechingen Kritik an geplantem Kreisel Nasswasen/L 410

Hechingen / Von Hardy Kromer 04.07.2018
Um die Ansiedlung der Spedition Barth am Hechinger Stadtrand zu ermöglichen, braucht es einen neuen Kreisverkehr.

Unsäglich nannte Freie-Wähler-Stadtrat Michael Tietz am Mittwochabend in der Hechinger Bauausschussitzung die Pläne für die Verkehrserschließung eines erweiterten Gewerbegebietes Nasswasen im Hechinger Norden. Sein Fraktionskollege Stefan Löffler beschwor gar eine „Katastrophe“ herauf, und auch CDU-Stadtrat Lutz Beck schüttelte den Kopf. Zielscheibe ihrer Kritik: die Forderung des Tübinger Regierungspräsidiums, die bestehende Kreuzung der L 410 mit der B 27-Abfahrtsrampe auf Höhe der Erddeponie zu einem Kreisverkehr umzubauen. Nur auf diese Weise, so meint die Landesbehörde, sei eine leistungsfähige Anbindung des Nasswasen-Gebietes möglich, wo sich bekanntlich die Burladinger Spedition Barth großflächig niederlassen will.

Stadtbaumeisterin Helga Monauni hatte darlegt, wie über einen neuen, vierarmigen Kreisverkehr an dieser Stelle sowohl eine neue Zufahrtsstraße zum Nasswasen (mit Speditionsgelände) als auch die Tübinger Straße, die zum künftigen Hechinger Groß-Stadtteil „Killberg“ führt, an Bundes- und Landesstraße angeschlossen werden soll. Das Regierungspräsidium, die Stadt Hechingen und das Verkehrsplanungsbüro Kölz hätten aus vier möglichen Anschlussvarianten die sinnvollste entwickelt und in die anstehende Änderung des Nasswasen-Bebauungsplans einfließen lassen. Damit der zu erwartende Lastwagenverkehr aufgenommen werden könne, soll der neue Kreisverkehr einen Durchmesser auf 35 bis 36 Meter erhalten.

Michael Tietz nannte diese Planung ein „Unding“. Da werde der Durchgangsverkehr auf einer Straße, auf der man 80 fahren könne, zum Anhalten gezwungen. Mit Feinstaubvermeidung habe das nichts zu tun. Außerdem sei der Kreisel viel zu klein geplant. „Die Straßenplaner“, empfahl Tietz, „sollten dringend mal mit einem Lkw fahren“. Der neue Kreisverkehr am Kaufland Richtung Sickingen habe sich schon als zu eng erwiesen.

Stefan Löffler empörte sich: „Ich habe noch nie einen Kreisverkehr an einer Bundesstraße gesehen.“ So etwas sei schon aus Sicherheitsgründen „hochbrisant“. Ihm tue jetzt schon die Feuerwehr leid, die zu den Unfällen ausrücken müsse. Sein Rat: „So etwas soll das Regierungspräsidium meinetwegen im Kreis Tübingen bauen, aber nicht im Altkreis Hechingen.“ Lutz Beck nannte es „paradox, dass die Lkws immer länger und die Kreisverkehre immer kleiner werden“. Man möge sich doch bitte ein Beispiel an Frankreich nehmen.

Die Kreiselkritik war der Grund dafür, warum Löffler den neuesten Bebauungsplanentwurf für den Nasswasen ablehnte, während sich Tietz und Beck der Stimme enthielten. Das übrige Gremium war dafür, auch weil noch gar nicht über die genaue Ausführung des Kreisverkehrs abzustimmen war. Helga Monauni versprach, die Stadtverwaltung werde prüfen lassen, welcher Durchmesser nötig sei.

Bauausschuss empfiehlt Barth Dachbegrünung

Die Barth-Ansiedlung soll durch die Änderung des Nasswasen-Bebauungsplanes ermöglicht werden. Die Verkehrserschließung ist dabei nicht das einzige Thema. Auch die erlaubte Gebäudehöhe wird geregelt. Stadtbaumeisterin Helga Monauni wies darauf hin, dass das geplante Hochregallager der Spedition 16 Meter hoch werden darf, die übrigen Gebäude maximal acht Meter.

Bunte-Liste-Stadträtin Almut Petersen erinnerte an die „schmerzliche Geschichte“ der Nasswasen-Überpanung und kritisierte, dass mühsam gefundene Kompromisse „scheibchenweise“ aufgegeben würden. Sie wunderte sich, warum die ursprünglich geforderte Dachbegrünung jetzt weggefallen sei. Helga Monauni sagte, für den Investor wäre eine Dachbegrünung auf dem Hochregalllager „extrem kritisch“. Auf Antrag von Almut Petersen beschloss der Bauausschuss (bei zwei Gegenstimmen) aber die Empfehlung, dass wenigstens die Dächer der niedrigeren Gebäude begrünt werden sollten. hy

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