Das Landgericht Hechingen beschäftigt sich seit Montag wieder mit einem bereits abgeschlossenen Prozess wegen der Verabredung zum Kauf von Kriegswaffen. Auf der Anklagebank sitzt ein 59-Jähriger aus dem Raum Burladingen, der gemeinsam mit einem jüngeren Mann versucht haben soll, im Jahr 2016 solche Waffen zu kaufen.

Jüngerer Angeklagter akzeptierte das Urteil

Der Ältere der beiden hatte Berufung eingelegt, der Jüngere das Urteil aus erster Instanz akzeptiert. Er wird nun in dieser Verhandlung als Zeuge aussagen, wie der Richter am Montag im Saal 181 des Hechinger Landgerichts mitteilte. Das Urteil des Amtsgerichts Hechingen für den jüngeren Angeklagten war eine Gefängnisstrafe von neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem soll er eine Geldauflage von 1800 Euro zahlen. Darin enthalten ist auch die Strafe für den Besitz eines nicht angemeldeten Repetiergewehres und mehreren Patronen, die das Landeskriminalamt bei dem Mann im Zuge einer Hausdurchsuchung fand. Er war nach Ansicht des Gerichtes „federführend“ beim Waffenkauf gewesen.

Der Angeklagte, der jetzt in Berufung ging, wurde zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie zur Zahlung einer Geldauflage von 1800 Euro verurteilt.

Ein Zeuge erscheint nicht vor Gericht

Sechs Zeugen waren geladen, einer erschien allerdings nicht. Er ist für die nächste Verhandlung am 22. Januar erneut vorgesehen und muss nun ein Ordnungsgeld für das unentschuldigte Fehlen in Höhe von 300 Euro entrichten.

Zeugen bleiben vage

Die Aussagen der Zeugen waren zum Teil sehr vage. Unklar blieben vor allem die Darlegungen des Mannes, der den beiden Angeklagten 2016 angeboten hatte, Waffen für 5500 Euro zu besorgen. Dabei hatte er das gar nie vor, behielt das Geld und brachte keine Ware bei.

Inzwischen sei aber, so hieß es, ein Täter-Opfer-Ausgleich erfolgt.

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Geklärt wird nun also die Rolle des Älteren, der Berufung eingelegt hat und in den Augen des Gerichts bei dem Waffenkauf der „Mitläufer“ war. Wie der 59-Jährige darlegte, habe er „nur“ Interesse an einer Wehrmachts-Kriegswaffe des Typs G 43 gehabt und dem jüngeren Komplizen dafür 2500 Euro übergeben. An einem vollautomatischen Maschinengewehr neueren Typs mit Munition habe er keinerlei Interesse bekundet, so der Angeklagte. Eben davon aber war das Amtsgericht Hechingen in der ersten Verhandlung im vergangenen Jahr überzeugt gewesen. Unter den Tarnbezeichnungen „Bohrmaschine“ und „Dübel“ hätten die beiden ernsthaft vorgehabt, das Kriegsgerät zu erwerben, seien dann aber hereingelegt worden.

Grund einer solchen Bewaffnung, so erklärten es Zeugen im Verlauf der Verhandlung, sei die Angst vor einer Flüchtlingswelle wie 2015 und die Sorge, dass der deutsche Staat damit überfordert sei und man sich schließlich bei einem Bürgerkrieg selbst und seine Lebensmittel verteidigen müsse. In diese Richtung hatte der jüngere der beiden Angeklagten im ersten Prozess ausführlich argumentiert und entsprechende Katastrophenszenarien ausgemalt. Der Ältere der beiden, hatte sich dazu nie geäußert.

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Nächste Verhandlung am 22. Januar um 9 Uhr

Der Fortsetzungstermin mit vier weiteren Zeugen findet am Mittwoch, 22. Januar, ab 9 Uhr vor dem Landgericht Hechingen, Heiligkreuzstraße 9, voraussichtlich im Sitzungssaal 181 weiter.

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