Die kritischen Anmerkungen der Ärzteschaft im Zollernalbkreis im Wortlaut:
„Immer wieder wird öffentlich angekündigt und gemeldet, dass die Impfkampagne nun verstärkt wird und sich immer mehr Menschen impfen lassen können. Dies soll dadurch ermöglicht werden, dass zuerst die Allgemeinärzte, dann die Fachärzte und nun auch die Betriebsärzte zusammen mit den Impfzentren die Bevölkerung impfen. Dadurch sollen nun auch die jüngeren, nicht priorisierten Menschen geimpft werden können.
Durch solche Ankündigungen wird die Erwartungshaltung der Bevölkerung immens gesteigert. Was aber (bewusst?) nicht beachtet und gesagt wird: Es fehlen die dafür benötigten Impfdosen!

„Plötzlich gab es für die Allgemeinpraxen weniger (beziehungsweise nicht mehr) Impfdosen“

Denn Realität ist: Als die Allgemeinärzte impfen durften beziehungsweise sollten, gab es in den ersten ein bis zwei Wochen max. 18 bis 30 Impfdosen (Comirnaty von BioNTech + Vaxzevria von AstraZeneca) für jede Praxis. Dies blieb in den folgenden zwei Wochen annähernd gleich. Als nun die Fachärzte ebenfalls impfen sollten, gab es plötzlich für die Allgemeinpraxen weniger (beziehungsweise nicht mehr) Impfdosen, obwohl diese die Zweitimpfung (bei Comirnaty) einplanen mussten.
Jetzt sollen auch die Betriebsärzte dazu kommen! So notwendig das auch ist, wenn man so rasch wie möglich „Herden-Immunität“ erreichen will, bedeutet dies jedoch, dass noch weniger oder zumindest nicht ausreichend Impfstoff an die impfenden Arztpraxen geliefert wird – wenn nicht gleichzeitig vom Bundesgesundheitsministerium mehr Impfstoffe zur Verfügung gestellt wird.

„Die verfügbare, zu geringe Menge an Impfstoff wird nur auf immer mehr Impfärzte verteilt“

Die verfügbare, zu geringe Menge an Impfstoff wird nur auf immer mehr Impfärzte verteilt; das heißt: jeder von ihnen bekommt weniger – bestenfalls gleichviel. Und das bei gleichzeitiger Lockerung der Priorisierung, wodurch die Zahl der Impfberechtigten rasch steigt.
Das von politischer Seite nicht deutlich genannte Hauptproblem ist also die unzureichende Menge an vorhandenem Impfstoff. Der Bevölkerung wird aber suggeriert, dass - wenn mehr Ärzte/Arztpraxen gegen Covid-19 impfen können – die Durchimpfung und damit der Schutz vor dieser Erkrankung rascher vorangehen.

Impfwillige häufig in den Arztpraxen abgewiesen oder zumindest vertröstet werden

Durch diese Maßnahme wird jedoch nur die zeitliche Verfügbarkeit und die Erreichbarkeit von Impfungen erleichtert, nicht jedoch die Zahl der effektiv (also zweimal) Geimpften wesentlich erhöht. Letzteres ist nur mit einer ausreichenden Zahl und Verfügbarkeit von Impfdosen möglich. Diese Tatsache wird aber durch die politischen Aktivisten verschwiegen, weil es das Bild des „Machers“ trüben würde und man ihnen dann die Verantwortung dafür zuschieben könnte.
Weil also nicht ausreichend Impfstoffe vorhanden sind, müssen Impfwillige häufig in den Arztpraxen abgewiesen oder zumindest vertröstet werden. Dies wiederum stößt sehr häufig auf Unverständnis, löst Verärgerung bei den Impfwilligen aus und führt zu langen Diskussionen in den Praxen, weil doch ,von der Politik/dem Gesundheitsminister und in den Medien gesagt wurde, dass…’.

„Dilettantischer Umgang mit der Zulassung“

Hinzu kommt auch noch der dilettantische Umgang mit der Zulassung und den Berichten über mögliche Nebenwirkungen der Impfstoffe! Beispiel Vaxzevria (Astrazeneca): Zuerst wird dieser Impfstoff nur für Personen unter 60 Jahren zugelassen, „weil für ältere Personen nicht ausreichend Daten zur Verträglichkeit vorlägen“.
Als dann bei einer sehr kleinen Gruppe dieses Personenkreises doch (zum Teil gravierende) Nebenwirkungen auftraten, galt oben gesagtes plötzlich nicht mehr und Vaxzevria wurde nur noch für Personen älter als 65 Jahre zugelassen (vielleicht, weil diese in Großbritannien ohne größere Nebenwirkungen damit geimpft worden waren?).
Dieses dem Impfstoffmangel geschuldete, inkonsequente und wenig nachvollziehbare Vorgehen der politisch Verantwortlichen führt dazu, dass die Bevölkerung kein Vertrauen in – und sogar Angst vor - diesem Wirkstoff hat! Deshalb verweigern sie die Impfung mit diesem Impfstoff, obwohl sie gerade noch die umgehende, von den politisch Verantwortlichen versprochene Covid-19- Impfung eingefordert hatten.

„Wie sollen die Menschen bei diesem Hin und Her Vertrauen in diesen Impfstoff bekommen?“

Weil deshalb nun eine größere Menge dieses Impfstoffes vorhanden ist und ein immer größerer Personenkreis impfberechtigt ist (und die Sommerferien nahen?!), wird Vaxzevria plötzlich wieder für alle Altersgruppen älter als 18 Jahre zugelassen. Und es wird sogar noch empfohlen, den Abstand zwischen den beiden Impfungen auf vier Wochen (zwölf Wochen nach Angaben des Herstellers!) zu verkürzen, obwohl dann die Sicherheit der Schutzwirkung verringert wird.“
„Wie sollen die Menschen bei diesem Hin und Her Vertrauen in diesen Impfstoff bekommen? Das sollen nun wieder wir Ärztinnen und Ärzte in den Praxen richten!“, schreibt Dr. Ullrich Mohr, und schließt mit dem Fazit: „Der Mangel an Impfstoffen und die Diskussion darüber, wird dorthin verlagert, wo man am wenigsten dafür kann: in die Arztpraxen! Nicht jedoch auf die, die ihn zu verantworten haben und wo er hingehört: ins Bundesgesundheitsministerium und in die Gesundheitsministerien der Länder!“

Kritik auch an ausufernder Bürokratie

Auf die Darstellung der mit den Covid-19-Impfungen verbundenen „zusätzlichen - typisch deutschen - Bürokratie für die Arztpraxen bei der Durchführung dieser Impfungen“ sei in diesen kritischen Anmerkungen „bewusst verzichtet“ worden. „Um das Ganze nicht ausufern zu lassen“, erklärt der Vorsitzende der Kreisärzteschaft.