So überraschend Oliver Simmendingers Etappensieg im ersten Wahlgang gewirkt hat, so logisch mutet sein endgültiger Triumph im zweiten an. Denn mal ehrlich: Grundlegend neue Erkenntnisse, die einen entscheidenden Sinneswandel der Wählerschaft begründet hätten, haben die vier Wochen zwischen den beiden Urnengängen nicht gebracht. Was Michael Stehle angeht, haben die trotzigen Nadelstiche gegen die beiden Mitbewerber mehr ihn selbst getroffen als die Konkurrenz. Und Jürgen Kleinmann musste einsehen, dass er sein Potenzial eben doch schon am 15. Dezember ausgeschöpft hatte. Ausbaufähig war da nichts mehr, das Pulver bereits verschossen. Das Ergebnis zeigt ganz deutlich: Auch ein Rückzug Stehles nach dem ersten Wahlgang, den Kleinmann mehrfach eingefordert hat, hätte ihm nicht den Sieg gebracht.

Ob er auch Schultes kann?

Oliver Simmendinger wird nun also neues Gemeindeoberhaupt von Jungingen. So bekannt der 44-Jährige gebürtige Killermer als Leiter des Deutschen Peitschenmuseums und als leidenschaftlicher Partymusiker landauf, landab ist, so unbeschrieben ist sein Blatt als Kommunalpolitiker. Man muss sich wirklich überraschen lassen, ob der Diplom-Betriebswirt und Informatik-Spezialist auch Bürgermeister kann. Mit einem großen Vertrauensvorschuss haben ihn seine Mitbürgerinnen und Mitbürger jedenfalls ausgestattet.

Ein Mann mit vielen Talenten

Und das nicht von ungefähr. Denn einige seiner vielen Talente hat der Wahlsieger bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Will man ergründen, warum Simmendinger diese spannende Junginger Wahl in zwei Gängen gewonnen hat, dann hilft die Erinnerung ans HZ-Podium, das ganz am Anfang des Wahlkampfs stand. Damals hatte der Mann, der als Letzter und völlig unerwartet ins Kandidatenboot gesprungen war, allzu hartnäckige Fragen zur Sache immer mal wieder mit der Antwort pariert, er werde bei Bedarf „den Publikumsjoker ziehen“. Was an dem Abend wie ein koketter Running Gag wirkte, sollte sich im Laufe der Wochen als Erfolgsrezept herausstellen: Oliver Simmendinger tischte dem Wahlvolk keine vermeintlich fertigen Antworten auf, sondern präsentierte sich mit wachsender Glaubwürdigkeit als Mann des Zuhörens, als Moderator, der bereit ist, die Bürger mitzunehmen, vom Wissen des „Publikums“ zu profitieren. Während seine Mitbewerber sich mit wachsender Verzweiflung mühten, ihre Erfahrenheit in Politik und Verwaltung herauszukehren, glänzte der Novize auf diesem Feld immer wieder mit spürbarer sozialer Kompetenz und als eindeutig bester Kommunikator. Oliver Simmendingers Joker hat gestochen.

Keine Spur von Schlammschlacht - danke dafür!

Eines sollte abschließend nicht unerwähnt bleiben: Größten Respekt verdient haben auch die beiden Wahlverlierer. Es ist anerkennenswert, mit welcher Leidenschaft auch Jürgen Kleinmann und Michael Stehle über viele Wochen hinweg und bis zum letzten Tag um jede Stimme gekämpft haben. Und bemerkenswert ist auch die Fairness, in der das Rennen im Killertal über die Bühne ging. Von Schlammschlacht, wie man sie andernorts oft erlebt, keine Spur. In Jungingen hat auch die politische Kultur gesiegt.

Hier geht’s zum HZ-Liveticker und zur Bildergalerie:

Die Bürgermeisterwahl in Jungingen im Liveticker Oliver Simmendinger ist stolz auf die absolute Mehrheit (mit Video)

Jungingen