Hechingen Koch und Jäger aus Leidenschaft

Noch immer steht Franz Josef Hentsch täglich in seiner Küche – „wenn nichts dazwischen kommt“. So wie an diesem Sonntag sein 80. Geburtstag.
Noch immer steht Franz Josef Hentsch täglich in seiner Küche – „wenn nichts dazwischen kommt“. So wie an diesem Sonntag sein 80. Geburtstag. © Foto: Sabine Hegele
Hechingen / Von Sabine Hegele 23.06.2018
Franz Josef Hentsch, Senior des Hotels Brielhof in Hechingen, wird an diesem Sonntag 80 Jahre alt.

An diesem Wochenende „habe ich mir freigenommen“, obwohl er üblicherweise noch bis zum heutigen Tag an „sieben Tage die Woche“ in der Küche des Hotels Brielhof steht. Was kann der Grund dafür sein? Franz Josef Hentsch wird am Sonntag 80 Jahre alt! Nein, groß feiern wird er nicht, aber sich ein ruhiges Plätzchen suchen und die vergangenen acht Jahrzehnte Revue passieren lassen.

Da wird er eine ganze Weile beschäftigt sein, denn Franz Josef Hentsch hat viel erreicht und erlebt. In Hechingen als Sohn von Helene und Bruno Hentsch geboren, absolvierte er nach dem Schulabschluss eine Lehre als Koch im Hotel „Ochsen“ in Tuttlingen. Gerademal 24 Jahre war er alt, als er den Meisterbrief in der Hand hielt. „Ich war damals Deutschlands jüngster Küchenmeister“, erinnert sich der Jubilar.

Nur kurz arbeitete Franz Josef Hentsch nach dem Abschluss seiner Lehre im elterlichen Betrieb. Der war bereits 1897, damals noch eine Postkutschenstation, in die Hände der Großeltern Elise, geborene Zöhrlaut, und Wilhelm Hentsch übergegangen. Hentsch wollte außerhalb seiner Heimatstadt Berufserfahrung sammeln. Das tat er in Friedenweiler im Schwarzwald, wo er binnen weniger Monate zum stellvertretenden Küchenchef wurde.

Als seine Mutter Helene erkrankte, wurde der Sohn zurück in den Brielhof gerufen – und ist dem Familienunternehmen treu geblieben. Nach 1961, als Franz Josef Hentsch seine Frau Ludwina, geborene Leiter, gebürtig aus der Hechinger Stadtmühle und später auf dem Luisenhof zuhause, heiratete, übernahm er das Hotel seiner Eltern.

In all den vergangenen Jahrzehnten, erinnert sich Hentsch, habe er über 10 000 Rehe und über 1000 Wildschweine in seiner Küche verarbeitet. So manches Wild hat er selbst erlegt, denn Franz Josef Hentsch ist nicht nur ein leidenschaftlicher Koch, sondern ein ebenso begeisterter Jäger. Die Jagd hat ihn in die ganze Welt geführt: nach Russland und Alaska, in die Mongolei, nach Namibia… Ebenso wenig hat er es sich in seiner knapp bemessenen freien Zeit nehmen lassen, die Hirschbrunft mitzuerleben – in Litauen, Polen und Tschechien, in der Slowakei, in Ungarn, Bulgarien und in anderen Ländern mehr. Auf die Pirsch ging er aber natürlich auch in seiner Heimat – in der es in früheren Jahren noch Rebhühner und Fasane zuhauf zu erlegen gab.

Zu Beginn der Übernahme des elterlichen Betriebs beschäftigte Franz Josef Hentsch eine Küchenhilfe; schon zehn Jahre später waren es über ein Dutzend. Schließlich übernahm die Familie Hentsch 1978 für die folgenden 37 Jahre zum Hotelbetrieb noch die Gastronomie der Burg Hohenzollern. Gleich ins erste Jahr fiel die Ausrichtung der Hochzeit von Friedrich Wilhelm von Preußen.

120 Köche hat Hentsch ausgebildet – darunter der heutige Sternekoch Stefan Beiter aus der „Alten Post“ in Nagold. Darauf ist er stolz – zumal er, wie er zugibt, als junger Mann am liebsten Förster geworden wäre. Daraus wurde nichts, weil es der Vater nicht wollte. Heute sagt der Jubilar, dass er gerne Koch war und ist: „Sonst hätte ich den Beruf nicht so lange ausgeübt“. Und das bis heute, da der Brielhof 25 Beschäftigte zählt, davon acht in der Küche – neben dem Senior. An „vorderster Front“ allerdings steht er nicht mehr: Am 1. März 2008 haben Ludwina und Franz Josef Hentsch ihr Gastronomieunternehmen der Tochter Angelika übergeben. Doch wird gemeinsam an einem Strang gezogen, denn nicht nur der Senior arbeitet noch mit, sondern ebenso dessen Frau und die ältere Tochter Christine. Die Familie komplettieren die drei Enkel Wilhelm, Sophie-Louise und Victoria.

Wie lange er noch in der Küche am Herd stehen wird? „Das weiß nur der liebe Gott“, sagt  Hentsch, und hat zu seinem Geburtstag lediglich einen Wunsch: „dass ich noch eine Weile gesund bleibe“.

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