Boll Kleine Flunkerei, Riesenglück

Erika und Mathias Wilhelm haben heute Goldene Hochzeit. Foto: Badura
Erika und Mathias Wilhelm haben heute Goldene Hochzeit. Foto: Badura
Boll / MATTHIAS BADURA 25.08.2012
Andere ihrer Generation lernten sich beim Tanztee kennen. Für Erika und Mathias Wilhelm begann das große Glück einst nach einem Fast-Unfall.

Der junge Mann, der mit seiner BMW 1957 bei Endingen um ein Haar auf den Borgward-Lloyd gekracht wäre, in dem Erika Wolf mit ihrer Freundin fuhr, stellte sich als "Kulissenschieber aus Bayreuth" vor. Wenn das auch geflunkert war, so hat es dem Motorradfahrer doch geholfen, sich bei der Beifahrerin interessant zu machen. Ansonsten wirkte der Bursch mit seiner Opa-Sturmhaube auf dem Kopf in dem Moment nämlich nicht gerade - heute würde man sagen - "sexy".

Irgendwie muss sein Charme dennoch gewirkt haben. Auf der Weiterfahrt nach Hechingen machte man noch zwei weitere Male gemeinsam Halt und plauderte. Dann sagten sich die Reisenden Lebewohl, Erika Wolf kehrte nach Boll zurück, Matthias Wilhelm nach Asperg, wo er damals arbeitete. Und damit ist die Geschichte aus? Natürlich nicht.

Der Motorradfahrer hatte aus den Unterhaltungen genug heraus gehört, um sich später nach der jungen Frau erkundigen zu können. Seine Ermittlungen (unter anderem im "Zollerblick") führten ihn schließlich zu einer Telefonnummer in Boll, Anschluss Gärtnerei Wolf. Beherzt rief er an.

Es dauerte noch drei Jahre, zahlreiche Anrufe und "Schubkarren" voller Briefe, bis sich die beiden verlobten. Nach weiteren zwei Jahren gaben sie einander das Ja-Wort. "Es war eine Liebesheirat", stellt Erika Wilhelm, Jahrgang 1935, fest. Gründe nicht zu heiraten hätte es aus landläufiger Sicht gegeben, etwa den, dass Mathias, Jahrgang 1927, ursprünglich aus dem rumänischen Banat stammte, ein "Flüchtling" war, der mit so gut wie überhaupt nichts im Kriege nach Deutschland gekommen war.

Erika dürfte indessen erkannt haben, was in ihrem Verehrer steckte: Trotz der Kriegswirren hatte er es geschafft, seine unterbrochene Schreiner-Lehre zu beenden, obendrein arbeitete er zielstrebig auf die Meisterprüfung zu.

Als sie fast verunfallt wären, kam der junge Mann soeben aus Möhringen. Dort half er Wochenende für Wochenende seinen Eltern beim Bau ihres Eigenheimes. Die Strecke von Asperg und zurück war ihm dafür nicht zu weit. Das zeugte von Fleiß und Tatkraft - Eigenschaften, die auch auf die gelernte Floristin Erika Wilhelm zutreffen. Gemeinsam war das Paar wirtschaftlich äußerst erfolgreich. Er gründete 1965 in Boll eine eigene Schreinerei mit einem teils illustren Kundenkreis. (Zahlreiche Aufträge kamen aus München, einige aus der sogenannten High Society.) Sie eröffnete 1979 in Hechingen "Wohnen mit Stil". Während die Jubilarin ihr Geschäft altershalber 2005 aufgab, werkelt ihr Gatte noch immer in seiner Werkstatt, wenn auch inzwischen im Alleingang, ohne Angestellte und Lehrlinge. "Ohne Holz kann er nicht sein", weiß seine Frau.

Beide sind wohlauf, leben in ihrem Boller Eigenheim und sind sich immer noch in Liebe zugetan. Das Geheimnis ihrer langen Ehe? Viel Arbeit und Zusammenhalt. So gefestigt könne dann auch ruhig einmal ein Gewitter dazwischen fahren. Das gehöre in einer Ehe dazu.

Feiern werden sie im kleinen Kreis: im September geht es mit der Familie an den Bodensee. Die Familie, das sind zunächst die drei Töchter Christine, geboren 1964, Barbara, 1966, und Susanne, 1969. (Alle drei mit Studienabschluss, wie die Eltern stolz vermerkt wissen wollen.) Hinzu kommen fünf Enkelkinder. Die HZ gratuliert an dieser Stelle ganz herzlich und wünscht noch viele gemeinsame Jahre.

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