Hechingen Kitagebühren bleiben vorerst

Im katholischen Kinderhaus Fürstin Eugenie, das zum Familienzentrum werden soll,  ist das Projekt „Elternarbeit“ schon voll im Werden - auch beim Familienwandertag  mit anschließendem Festle.
Im katholischen Kinderhaus Fürstin Eugenie, das zum Familienzentrum werden soll, ist das Projekt „Elternarbeit“ schon voll im Werden - auch beim Familienwandertag mit anschließendem Festle. © Foto: privat
Hechingen / swp 06.07.2018

Jahr um Jahr stellt die SPD-Fraktion im Hechinger Gemeinderat bei den Haushaltsberatungen tapfer den Antrag, dass zumindest fürs letzte Kindergartenjahr keine Gebühren erhoben werden sollen. Auf diese Weise, so hofft man an der sozialdemokratischen Basis, sollen auch die Kinder in den Genuss einer ordentlichen Vorbereitung aufs Schulleben kommen, deren Familie das Geld dafür nicht investieren können oder wollen. Aber Jahr für Jahr fährt die SPD an die Wand. Am Donnerstagabend, beim Empfehlungsbeschluss des Verwaltungsausschusses an den Gemeinderat einmal mehr, und das wie in der Vergangenheit durch eine klare Mehrheitsentscheidung. Jürgen Fischer zürnte, weil Gebühren und Qualität gegeneinander ausgespielt würden.

Unter dem Stichpunkt „Kindertageseinrichtungen“ gab die Stadtverwaltung einen wahrhaft umfassenden Einblick ins aktuelle und das geplante Schaffen an der Betreuungsfront. Nicht gerüttelt wurde am Beschlussvorschlag Nummer 2: „Auf eine anteilige Gebührenreduzierung oder einen Gebührenerlass im Kindergartenjahr 2019/2020 wird verzichtet.“

Im neuen Kindergartenjahr 2018/2019 wäre es voraussichtlich um etwas über 160 Kinder zwischen vier und fünf Jahren, die sogenannten Vorschüler, gegangen. Entgangen wären der Stadt Gebühreneinnahmen von 41 000 Euro (Regelgruppen), 147 000 Euro (Regelgruppen und verlängerte Öffnungszeit) oder 233 000 Euro (alle Betreuungsformen). Doch am Geld allein will es das Team von Fachbereichsleiter Jürgen Rohleder nicht festmachen. Auch wenn als sicher gilt, dass das Land sofort reagiert und weniger Fördermittel aus dem Ausgleichsstock zur Verfügung stellt. Der ist gedacht für finanzschwache Gemeinden – wer auf Kindergartengebühren verzichtet, muss genug Geld haben, lautet die Stuttgarter Rechnung. Vor allem jedoch verweist die Stadt auf die Unterstützung von Familien mit knapper Kasse durch das Kreisjugendamt. Für annähernd zehn Prozent der Kinder käme dies in Frage. Allerdings wollen die Familien nicht die Hand aufhalten, oder sie wissen gar nichts von ihrem Glück. Deshalb will die Stadt nun auf noch mehr Information setzen, möglichst gemeinsam mit der Familienberatungsstelle am Schloßberg.

Niemand wird den Hauch eines Zweifels äußern wollen, dass Hechingen in den zurückliegenden Jahren die Kinderbetreuung enorm ausgebaut hat. Trotzdem ist noch immer genug zu tun. Die Nachfrage nach unterschiedlichsten Betreuungsformen steigt weiterhin, zuvorderst die nach Ganztagesplätzen, und auch deshalb plant die Stadt für den letzten weißen Fleck auf der Hechinger Landkarte (vom kleinen Beuren abgesehen), Bechtoldsweiler, nun ebenfalls eine Kindertagesstätte. Ebenfalls geplant sind ein bedarfsgerechter Ausbau in der Kernstadt sowie ein Familienzentrum im zukünftigen Baugebiet „Killberg“.

Für alle 14 Einrichtungen, auch die kirchlichen, und den Naturkindergarten schon mitgezählt, setzt die Stadt noch mehr auf Qualitätssicherung – die zur „Offensive“ werden soll. Dafür sollen im neuen Haushalt 25 000 Euro eingestellt werden. Das erscheint, so wurde im Verwaltungsausschuss betont, allen Verantwortlichen wichtiger als das beitragsfreie Kindergartenjahr.

Um die Personalgewinnung und -bindung zu verbessern, setzt die Verwaltung auf eine Verbesserung durch eine Angleichung der Bezahlung für Zweitkräfte auf das Niveau der Gruppenleitungen. Das würde im Haushalt Mehrkosten von knapp 180 000 Euro bedeuten. der Schritt scheint aber im Konkurrenzkamp mit den umliegenden Arbeitgebern unumgänglich. Ebenfalls auf der Agenda stehen unter anderem die Einstellung von sogenannten Springkräften, der Ausbau der Elternarbeit, Erhalt und Ausbau der Sprachförderung und mehr Zuschuss für die Tageseltern.

Total durchschnittlich bei den Quotenkindern

Statistik Hechingen weicht sonst zwar gern ab vom Mittelmaß, bei der Kinderbetreuung ist die Stadt aber ganz im Trend: Bundesweit besuchen laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung besuchen 98 Prozent der Fünfjährigen in Deutschland eine Kita, bei den Dreijährigen sind es 91 Prozent. Für Hechingen gilt (Stichtag 1. März): Bei den über Dreijährigen sind es 97,7 Prozent.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel