Da kommt einiges zusammen: offenkundig hohe Ausgaben am Schloßberg, ungenutzte Räume am Kirchplatz und das Vorhaben „Kirche 2030“. Das sind schon mal drei gewichtige Gründe, die für ein ökumenisches Gemeindehaus in Hechingen sprechen. Und dann ist da auch noch die Strahlkraft dieses Projektes, die weit über das Hohenzollerische hinaus reichen würde. Aber nur die Ruhe. Die katholischen und die evangelischen Schäfchen unter einem Hechinger Dach, das ist derzeit noch Zukunftsmusik – wenn auch eine gar nicht so unkonkrete. Zwar ist die Finanzierung des Vorhabens bislang überhaupt kein Thema, und am Geld sind schon ganz andere Dinge gescheitert, aber diskutiert wird in den kirchlichen Gremien bereits eifrig über dieses historisch bedeutende Zusammengehen.

Brandschutz wird teuer

Öffentlich gemacht hat die Überlegungen am Donnerstag der geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Herbert Würth (die HZ berichtete). Die Protestanten stehen vor wohl ziemlich hohen Ausgaben für den Brandschutz bei ihrem Gemeindehaus am Schloßberg. Bei der Katholischen Kirchengemeinde wird seit geraumer Zeit generell debattiert, was mit den Immobilien im Kirchenbesitz geschehen soll. Beim Gemeindehaus am Kirchplatz handelt es sich laut Michael Knaus momentan um einen „sehr gut verwalteten Lehrstand“. Der leitende St.-Luzius-Pfarrer sieht diese Einschätzung sehr wohl auch selbstkritisch. Und er nimmt wie immer kaum ein Blatt vor den Mund: Über Jahre hinweg sei das Gemeindehaus beinahe hermetisch abgeschottet worden. Fast habe sich die Kirche zu einer Gegenwelt entwickelt.

Da also hohe Kosten, dort jede Menge Platz. Wenn man noch die finanziell düsteren Perspektiven beider Kirchen hinzunimmt, dann können zwei Pfarrer schnell ins Grübeln kommen, wie man die Probleme gemeinsam lösen könnte. Die Idee erntet, so räumt es Michael Knaus ein, nicht überall Hurra-Rufe. Sein Kommentar dazu: „In meinem Leben gibt es keine Denkverbote.“ Und dies gelte genauso fürs Kirchenleben. Seit einem halben Jahr wird übers ökumenische Gemeindehaus insgesamt aber sehr euphorisch beraten. Freilich gab es schon Ernüchterung. So ist es am Kirchplatz mit der energetischen Ertüchtigung nicht weit her. Es muss ebenfalls investiert werden. Für eine andere Nutzung braucht es wohl größere Eingriffe.

Zuversichtlich bleiben!

Davon will sich das Duo Knaus/Würth aber nicht entmutigen lassen. Über allem schwebt nämlich die große Kirchenreform in der Erzdiözese Freiburg: „Kirche 2030“ bringt wie berichtet in den nächsten Jahren noch mehr Zusammenschlüsse von Gemeinden und Seelsorgeeinheiten. Gar nicht undenkbar ist in diesem Zusammenhang eine einzige Pfarrei von Burladingen bis Empfingen, also eine „Dekanatsgemeinde“. Damit aber, so rechnet Pfarrer Knaus vor, stellt sich wiederum die Frage, was mit den vielen Liegenschaften geschieht, die dann zu großen Teilen nicht mehr gebraucht würden. Die könne man ja nicht einfach alle abreißen. Just an diesem Punkt kam dann vor einigen Monaten der katholische Pfarrherr auf den evangelischen Kollegen zu.

Die protestantische Seite zeigt sich äußerst aufgeschlossen gegenüber den Plänen, hat Herbert Würth bekräftigt. Das freut Michael Knaus („Ich bin nicht für Stagnation“). Denn dem kommt so ein zumindest derzeit nicht alltägliches Vorhaben gerade recht im Rahmen seiner Bemühungen, das Gemeindeleben neu aufzustellen. Die Kernfrage dabei: Welche Aufgabe hat Kirche heute? Eine Antwort darauf: Menschen, die nach dem Sinn suchen, kommen dort zusammen. Knaus: „Und dafür braucht’s Platz.“

Die Wahlen stehen an

In beiden Kirchengemeinden werden in den nächsten Monaten neue Ratsgremien gewählt: Bei den Protestanten schon Ende des Jahres, bei den Katholiken im März 2020. Das ökumenische Gemeindehaus soll eine der großen Aufgaben für die zukünftigen Hechinger Kirchen- und Pfarrgemeinderäte werden. Sie könnten damit Geschichte schreiben: Das Gemeindezentrum für die eine Großpfarrei ab 2030 soll in Hechingen sein. Das ist schließlich zentral. Hinzu holt man die älteste evangelische Gemeinde im Hohenzollerischen, also die Hechinger. Und beides zusammen ist ganz ohne Frage vermerkenswert für die Nachwelt.

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