Dieses Haus atmet Hechinger Stadtgeschichte. Gebaut hatte das als „Kleines Stadtpalais“ bezeichnete Gebäude Obertorplatz 14 einst der fürstliche Hofforstmeister Rudolf Gfrörer von Ehrenberg (1820-1899) anlässlich seiner Heirat anno 1842 mit Ludovika Sophia, einer außerehelichen Tochter des regierenden Fürsten Friedrich Wilhelm Konstantin. (Dessen Ehe mit Fürstin Eugenie de Beauharnais war bekanntlich kinderlos geblieben.) Hundert Jahre später wuchs in dem Schmuckkästchen der spätere Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik, Klaus Kinkel auf, dessen Vater im Erdgeschoss seine Arztpraxis betrieb (die HZ berichtete).

Nach einer Zeit des Leerstandes tritt jetzt ein Schwabe, den es nach München verschlagen hat, an, dem ebenso repräsentativen wie zentral gelegenen Haus neues Leben einzuhauchen: Dominik Aumer, gebürtiger Heilbronner und Unternehmensberater in der bayerischen Landeshauptstadt, ist seit wenigen Tagen offiziell neuer Eigentümer des Palästchens. Mit der Hohenzollerischen Zeitung sprach der neue Nachbar am Obertorplatz exklusiv über seine Pläne.

„Ich habe ein Faible für solche Objekte“, schildert Dominik Aumer seine Motivation, sich das Haus zu sichern, das für eine knappe halbe Million Euro zum Kauf ausgeschrieben war. „Schon die Geschichte mit der außerehelichen Tochter hat mich fasziniert“, bekennt der neue Eigentümer. „Der Fürst hat den Bau wohl finanziert und seiner Tochter damit einen gesellschaftlichen Status verschafft, der ihr sonst nicht zugekommen wäre.“ Dass hundert Jahre später Klaus Kinkel bewegte Kindheits- und Jugendtage in dem Haus erlebt hat, habe ihm dann die bisherige Eigentümerin erzählt – und auch, dass der berühmte Politiker wohl eine Zeitlang damit geliebäugelt hat, das Gebäude selbst zu kaufen, um seinen Lebensabend in der alten Heimat zu verbringen. Wozu es freilich dann doch nie kam.

Was der Mann aus München mit dem Objekt vorhat, ist schnell erzählt: Etliche Mitarbeiter seiner Unternehmensberatung, die vor allem in der Pharmazie und der Medizintechnik aktiv ist, sind regelmäßig und immer wieder im Medical Valley Hechingen tätig. Speziell mit einer großen Firma, die künstliche Lungen herstellt, ist Aumer gut im Geschäft. Bisher sind diese Fachleute in Ferien- oder Einliegerwohnungen untergebracht. Künftig sollen sie im Haus Obertorplatz 14 ein wenig fürstlicher logieren – und im Home-Office arbeiten. Der neue Eigentümer will auf knapp 400 Quadratmetern Fläche mehrere möblierte Wohnungen für die Mitarbeiter seiner Projektteams einrichten. „Ich gehe davon aus, dass im Medical Valley Hechingen immer Bedarf für Experten ist, die für längere Zeit in der Stadt sind“, sagt Aumer.

Dabei begreift er es als „tolle Herausforderung, den alten Charakter des Gebäudes zu bewahren und doch eine zeitgemäße Verwendung zu schaffen“. Weil das Gebäude mit seinen charakteristischen Rundbogenfenstern unter Denkmalschutz steht, versteht es sich von selbst, dass der 43-Jährige „alles weitestmöglich erhalten“ will, „wie es aktuell ist“. Das gilt für die Außenfassade („die ist komplett gut in Schuss“) ebenso wie für die Parkettböden und Türen der Beletage, die noch weitgehend original aus dem 19. Jahrhundert sind.

Bezugsfertig haben will Dominik Aumer die Wohnungen spätestens zu Beginn des kommenden Jahres. Bis dahin möchte er einiges renovieren, „aufhübschen“ – die Böden aufpolieren, Fenster und Türen neu streichen – und selbstredend die Haus­elektrik so erneuern, dass seine Projektmitarbeiter in dem Haus ihre anspruchsvollen Computerarbeiten verrichten können. Eine größere Sanierung ist dann erst in drei Jahren geplant.

Bis dahin sollte sich – wenn der Teufel sich nicht weiter als Eichhörnchen verkleidet – auch der Obertorplatz draußen vor der Tür in neuem Gesicht zeigen. Dominik Aumer verfolgt die Entwicklung mit Spannung und Vorfreude. „Veränderung“, sagt er, „motiviert mich extrem. Ich finde es sehr schön, wenn es hier grün wird, die Autos verlagert werden und die Menschen sich bewegen können.“