Stein Keltenhochzeit auf der Villa rustica

Stein / Von Diana Maute 13.05.2018
Im Römischen Freilichtmuseum Stein wurde am Wochenende Beltane, das Frühlingsfest der Kelten, gefeiert.

Beim Teutates! So viele Kelten auf römischem Boden – dieser Anblick hätte wohl selbst den stärksten Legionär umgehauen. Zelt an Zelt reihte sich am Wochenende auf dem Gelände der Villa rustica in Stein, das zwei Tage lang fest in der Hand keltischer Stämme war.

Der Anlass hätte schöner nicht sein können: Gefeiert wurde Beltane, eines der bedeutendsten Feste der Kelten. Bereits zum zweiten Mal läutete die Gewandgruppe Tigurini-Keltoi vom Heidengraben die schönste Jahreszeit bei ihren römischen Freunden in Stein ein. Der Anführer der Kelten, Divico (alias Wolf-Dietrich Herder), hatte viele befreundete Stämme zusammengetrommelt, die aus allen Himmelsrichtungen zum großen Fest anreisten: Zu Gast waren insgesamt zwölf Gruppen aus Baden-Württemberg, Hessen, Franken, Tirol und sogar aus Frankreich. Und wie es sich für wackere Kelten gehört, brachten sie mächtig Leben ins Römische Freilichtmuseum.

Im großen Zeltlager mit Wohnbereichen, Werkstätten und den Ständen der Händler waren an beiden Tagen viele Besucher unterwegs, die es sichtlich genossen, in die faszinierende Kultur und Lebensart der Kelten einzutauchen. Schließlich bietet sich nicht alle Tage die Gelegenheit, keltischen Handwerkern beim Drechseln, Weben oder Schustern über die Schulter zu blicken. Dass viel Geduld und Geschick nötig ist, ein Kettenhemd oder ein Kleidungsstück aus Wolle und Leder anzufertigen, wurde den Zuschauern eindrücklich demonstriert. Welch hübsche und äußerst praktische Gewänder bei den Kelten „en vogue“ waren, konnten sie bei einer außergewöhnlichen Modenschau erleben. „Der Catwalk wird bei uns quasi zum Keltwalk“, scherzte Keltenführer Divico.

Ob es derlei Vergnügungen in der Eisenzeit auch schon gab? Das weiß wohl niemand. Fest steht dagegen, dass die Kelten in Sachen Musik bereits einiges zu bieten hatten. Oliver Mehler vom Stamm der Teutates entlockte seiner selbst gebauten keltischen Harfe, die es in dieser Form schon um das Jahr 100 vor Christus gab, wunderbar melodiöse Töne, die die Besucher magisch anzogen. So auch den kleinen Konstantin, der dem Instrumentenbauer gemeinsam mit seinem Papa beim Musizieren zuschaute und danach auch mal selbst in die Saiten griff.

Überhaupt konnten Kinder und Erwachsene viel ausprobieren, Bogenschießen, Schmuck herstellen oder auch mal eine keltische Waffe in die Hand nehmen. Wie diese einst bei kriegerischen Auseinandersetzungen eingesetzt wurden, zeigten Schaukämpfe.

Dass die Kelten in ihrer Übermacht in Stein auch einen römischen Gefangenen machten, war eigentlich nicht weiter verwunderlich. „Roma capta“ war da auf einem Schild großspurig zu lesen, als der bedauernswerte Römer unter dem Triumphgeschrei der Krieger seiner prächtigen Ausrüstung entledigt und ins Lager geführt wurde. Dort erwartete ihn eine nicht alltägliche Überraschung: Noch vom Kampf gezeichnet wurde er kurzerhand in die keltische Gemeinschaft aufgenommen. Wie das geschah? Ganz einfach: Es wurde ihm eine fesche Keltin zur Seite gestellt, der er im Beisein eines Druiden in einer mystischen Hochzeitszeremonie das Ja-Wort gab. Nach keltischem Brauch wurden dem Paar beim sogenannten Handfasting die Hände zusammengebunden, um die hoffentlich lebenslang haltende Verbindung zu besiegeln. „Merke es Dir, Römer, die Frauen sind bei uns gleichgestellt“, betonten die Kelten noch, bevor sie das Paar nach dem Hochzeitskuss in eine glückliche Zukunft entließen.

Zufrieden war auch Keltenführer Divico: „Wir fühlen uns bei den Römern in Stein sehr wohl und kommen gerne wieder.“

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