Hechingen Kein Stadtpark wie jeder andere

Mit wenig Abfall und Buch über Fürst Pückler-Muskau: Fürstengartenputzer Michael Hakenmüller und Mitstreiterin.
Mit wenig Abfall und Buch über Fürst Pückler-Muskau: Fürstengartenputzer Michael Hakenmüller und Mitstreiterin.
SWP 30.10.2014
Die Frage, ob zehn alte Bäume wirklich gefällt werden müssen, hat den Fürstengarten wieder in den Fokus gerügt - auch bei einem kleinen Arbeitskreis.

Es war bereits geputzt: Der Arbeitskreis Ökologie/Energie im Bürgerforum Hechingen hatte den Fürstengarten schon am Vortag vom Unrat gesäubert, weil vorauszusehen war, dass sich nicht viele Hechinger Mitbürger zur angekündigten Fürstengarten-Tour einfinden würden. Umso mehr blieb Zeit für die Teilnehmer, um sich eingehend Gedanken über den gegenwärtigen Zustand sowie die Möglichkeiten und Grenzen der ukünftigen Gestaltung des Hechinger Stadtparks zu machen.

Den Teilnehmern fiel auf, wie besonders entlang des sogenannten Schattengangs sich viele alte Bäume im Wurzelbett nach vorne gesenkt haben oder begonnen haben von dort her zu faulen. Wertvollen Jungbäumen, so stellte der Arbeitskreis ebenfalls fest, fehlt oft das Sonnenlicht von oben, weil die Baumkronen in der unmittelbaren Umgebung nicht freigeschnitten oder gekappt werden.

Der Artenbestand an Bäumen im Fürstengarten hat sich auf ein Minimum reduziert, nachdem der frühere Hechinger Hofmarschall Friedrich Wilhelm von Steuben dafür 1779 einst über 100 verschiedene Sorten von Amerika in die Zollernstadt versandt hatte.

Freilich fehlte den im Vergleich zu ihren adligen Standesgenossen in Deutschland armen Fürsten von Hohenzollern oft das Geld, um für eine wertvolle Nachbepflanzung zu sorgen. So wurden zum Beispiel häufig anstatt der besser haltbaren Schwarzpappeln die sturm- und fäulnisanfälligen Silberpappeln in Reihe gepflanzt.

"Ist der Fürstengarten ein Garten wie jeder andere für den städtischen Betriebshof?", fragten sich die Teilnehmer bei ihrem Rundgang. Zwischen die Streuobstbäume der sogenannten Fürstenwiese im Norden des Parkes bei der Stadthalle "Museum" sind jetzt Blumenrondelle vorbereitet worden. Gut gemeint, meint der Arbeitskreis, aber nicht am rechten Ort: Denn laut dem ersten Importeur der Idee von englischen Landschaftsgärten nach Deutschland, Fürst Pückler-Muskau, müssen solche Pleasure-Grounds gesondert und in der Nähe von Wohnhäusern angelegt werden.

Die von Fürstin Eugenie von Hohenzollern-Hechingen gleich vor ihrer Residenz gepflegten und in Aquarell portraitierten Kornelkirschenbüsche würden regelmäßig mit rasch aufwachsenden Nussbaum- und Eschensämlingen ums Überleben kämpfen, klagt der Arbeitskreis. Ein gesunder Kompromiss wäre es demnach, das freiwachsende Unterholz für den im Fürstengarten wichtigen Vogelschutz in den weiteren Umkreis der Villa Eugenia zu verlegen. Dann könnten von diesem Gebäude aus wieder die einstigen Sichtachsen freigeschnitten werden und die Gebüschformationen wieder klar als Kraut-Strauch-Baumschicht erkennbar werden. Diese Formation der Bepflanzung, so der Arbeitskreis, sei eine geniale Strategie Pückler-Muskaus, mit der er auch wie im vorliegenden Fall nur fünf Hektar große Englische Gärten größer erscheinen lasse als sie wirklich sind.