Eine 500-Gramm-Packung des 3-fach-sortierten Frischwurstaufschnitts mit Bierschinken, Schinkenwurst und Jagdwurst aus einem Lebensmittelgroßmarkt im Zollernalbkreis ist der erste bislang bekannte Fund gesundheitsschädlicher Wurst der Firma Wilke und damit womöglich der Ursprung des Skandals. Mitte April haben Lebensmittelkontrolleure routinemäßig eine Probe in einem Großmarkt im Zollernalbkreis genommen. Das bestätigt das Landratsamt auf ZAK-Anfrage.

Labor meldet gesundheitsschädliche Wurst

Das Labor stellte daraufhin fest: Die beprobte Wurst der Firma Wilke ist gesundheitsschädlich. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt in Sigmaringen informierte laut Landratsamt das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz kurz nach der Probe.Verbraucherschutzminister Peter Hauk sagte dem SWR, dass das Listerien-Problem bei Wilke-Wurst, das erst vor kurzem ans Licht kam, bereits Mitte April in Balingen bekannt wurde.Wilke durfte laut Medienberichten daraufhin jedoch weiterproduzieren, da das Unternehmen angab, das Problem im Griff zu haben.

Korbach/Mainz/Ulm

Verbraucherschutzminister beklagt Fahrlässigkeit und mangelnde Transparenz

Hauk wirft den hessischen Behörden Fahrlässigkeit und mangelnde Transparenz vor. Wilke wurde erst Anfang Oktober nach mehreren Todesfällen durch Listerien geschlossen. Unklar ist jedoch, ob Keime auf Wilke-Wurst dafür ursächlich waren und noch weitere Menschen betroffen sind.

Doch zurück zu den Vorgängen im April: Sowohl der betroffene Großmarkt als auch die zuständige Behörde im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg, wo die Firma Wilke ihren Sitz hat, seien von den hiesigen Ämtern informiert worden.

Hiesige Behörde nimmt sich aus der Schusslinie

Als das schriftliche Gutachten vorlag, sei die zuständige Behörde in das formale Meldesystem – das Europäische Schnellwarnsystem RASFF – miteinbezogen worden, schreibt das Landratsamt.

In der derzeitigen Debatte darum, ob der Landkreis Waldeck-Frankenberg das Land Hessen und andere Verantwortlich zu spät informiert haben könnte, nehmen sich die hiesigen Behörden so aus der Schusslinie.

Ihren Angaben zufolge haben sie den Fund unverzüglich an die Betroffenen und Verantwortlichen gemeldet.

Hessische Ministerin räumt Probleme ein

Ob hessische Behörden daraufhin – auch im Zusammenhang mit Kontrollen im September – falsch oder zu spät reagierten und informierten, ist in Teilen noch unklar. Hessens Verbraucherschutzministerin Priska Hinz hat zuletzt jedoch Probleme bei der Überwachung des Unternehmens eingeräumt.

Stellungnahmen des mutmaßlich betroffenen Unternehmens in Balingen sowie des Verbraucherschutzministeriums auf eine ZAK-Anfrage vom Freitag liegen bislang noch nicht vor.

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