Karl Barth ist eine vielschichtige Persönlichkeit gewesen, das wird durch die 16 Schautafeln und die Eröffnungsrede bei der Vernissage am Sonntagvormittag im evangelischen Gemeindehaus Hechingen schnell klar. „Gottes fröhlichem Partisan“ wird dort bis zum Donnerstag, 2. April, eine ganze Wanderausstellung unter dem Motto „Karl Barth 2019. Gott trifft Mensch“ gewidmet. Anlass ist Barths 50. Todestag, der nun mit vielen Ausstellungen an verschiedenen Orten in Deutschland und in der Schweiz gewürdigt wird, und auch in Hechingen.

Mehr als 20 Besucher in lockerer Atmosphäre beisammen

Mehr als 20 Besucher fanden sich nun nach dem Gottesdienst im evangelischen Gemeindehaus ein. Während Privatdozent Dr. Paul Peterson die Eröffnungsrede hielt, tranken die Gäste Kaffee und aßen zum Teil den von der Kirchengemeinde offerierten Kuchen. Peterson forderte sie dazu sogar auf. Es sollte alle eine lockere Atmosphäre umgeben und Petersons Rede nur dazu anregen, die bunt gespickten Schautafeln hinterher selbst in Augenschein zu nehmen beziehungsweise die baldigen Vorträge zur Ausstellung zu besuchen. Paul Peterson wollte daher nicht zu viel vorwegnehmen.

Und schließlich gibt es in der Ausstellung auch noch den „weißen Wal des ‚Moby Dick’“, wie Paul Peterson betont. Der Referent aus Hart macht vor einem zwölfbändigen Werk halt, das zwischen den Roll-ups aufgereiht ist: Karl Barth hat die die Bücherreihe „Kirchliche Dogmatik“ ab 1935 bis zu seinem Tod 1968 verfasst. 

Thema in der „Kirchlichen Dogmatik“ ist die Bekenntnisorientierung in der NS-Zeit

„Karl Barth wollte, dass die Kirche stark bleibt“, erläutert Peterson. Barth, dessen Heimat die „reformierte Kirche“ war, wollte Impulse für die Bekenntnisorientierung der protestantischen Kirche geben, in jener Zeit, als es Überlegungen hab, die Kirche mit dem Nationalsozialismus gleichzuschalten. „Nein, das ist nicht der Weg, den Protestantismus gehen sollte“, habe Barth damals gedacht, so Peterson. Die Kirche müsse frei sein, sei Barths Ansicht gewesen.

Mehr als 10 000 Seiten und doch unvollendet

1935 war Karl Barth gerade aus seinem Dienst an der Universität Bonn entlassen worden und kam in Basel unter. In diesen Jahrzehnten wuchs die „Kirchliche Dogmatik“ zu einem Hauptwerk von nahezu 10 000 Seiten an und blieb 1968 doch unvollendet. Noch heute sei Barth der wichtigste Theologe des 20. Jahrhunderts der evangelischen Kirche und auch außerhalb des Protestantismus bekannt gewesen.

Sammelbände in Hechingen stammen vom Gerhard Thoni

Die zwölf Bände, die jetzt im Gemeindehaus Hechingen stehen, sind nicht etwa eine Leihgabe, sondern die Schenkung der Frau des verstorbenen Pfarrers a.D. Gerhard Thoni an die evangelische Kirchengemeinde. „Es freut mich sehr, dass es dieses Ausstellung in Hechingen gibt“, so Peterson. Alle Exponate sollen nicht nur ein Museum bilden, sondern auch zur Frage beitragen, was Barths Lehren heute noch „für uns als Bedeutung“ haben.

Drei Vorträge zum Thema bis Anfang April


Termine Die Ausstellung wird durch eine Vortragsreihe zu Karl Barth, dessen Leben sowie Wirken im evangelischen Gemeindehaus Hechingen, Schloßackerstraße 88, begleitet. Die Termine sind folgende:

„Karl Barths bleibende theologische Impulse“ am Donnerstag, 5. März, 19.30 Uhr: Es referiert Prof. Dr. Georg Plasger, Vorsitzender der Karl-Barth-Gesellschaft.

„Karl Barths erste theologische Positionierung“ am Donnerstag, 19. März, 19.30 Uhr: An diesem Abend spricht Dr. PD Dr. Paul S. Peterson, akademischer Mitarbeiter der Universität (Stuttgart-) Hohenheim und Tübingen.

„Karl Barths Wirken und dessen Bedeutung in der nationalsozialistischen Zeit“ am Donnerstag, 2. April, 19.30 Uhr: Darüber referiert Prof. Dr. Jürgen Kampmann, Professor für Kirchenordnung und neue Kirchengeschichte an der Universität Tübingen.