Hechingen Kabarettistische Fake-News in der Villa Eugenia

Balkenbieger im Doppelpack: Tina Häussermann und Fabian Schläper verbreiteten „Fake-News“ in der Villa Eugenia.
Balkenbieger im Doppelpack: Tina Häussermann und Fabian Schläper verbreiteten „Fake-News“ in der Villa Eugenia. © Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / Antonia Lezerkoss 15.06.2018
Tina Häussermann und Fabian Schläper waren mit ihrem neuen Programm „Fake-News“ in der Villa Eugenia.

Lügenpresse und Fake-News, aber auch die brennende Frage nach Donald Trumps Friseur und die AfD bieten neuerdings genug, um einen Abend zu füllen. Unerschöpflich schien die Wühlkiste mit Aufregern, Modevokabeln und alltäglichen Unwägbarkeiten aus der sich die Musikkabarettisten Tina Häussermann und Fabian Schläper lustvoll bedienten. Als gern gesehene Gäste des Kulturvereins übten sie sich im „Balkenbiegen“ und setzten damit den Schlusspunkt an die erste Spielzeithälfte der diesjährigen Reihe „Musik in der Villa“.

Mit loser Zunge und Scharfsinn

Spritzig, lässig, frech, doppeldeutig und frivol, aber immer geistreich, witzig und mit hoher Professionalität begeisterte das amüsant-eloquente Duo mit einer prickelnden Mischung aus Dialog und Chanson. Mit loser Zunge und Scharfsinn zog das Kabarett-Duo durch die Republik und lästerte über Politik und Gesellschaft, Ehe, Partnerschaft, digitalen Wandel, Konsum und das Gebaren des US-Präsidenten.

Der „Star im Balkenbiegen“ ist Donald Trump, der sich „durchs Amt kaspert“ und, weil er mit einer Wahrheit nicht zufrieden ist, „alternative Fakten“ schafft. Die Spielweise, die das Duo auszeichnet, beruht auf Tempo, überraschenden Wendungen, abrupten Rollenwechseln und hoher Dynamik.

Wie plötzlichen Einfällen folgend galoppierten die Szenen hinter- und nebeneinander her, verwirrten und entflochten sich, wurden unterbrochen und wieder aufgenommen. Menschliche Unzulänglichkeiten und Alltagssituationen „Blöckfloten-WhatsApp-Gruppe und „Urlaubsdepression“ wurden teilweise blödelnd eingereiht in die kurzweilige Programmfolge, die Ernst und Humor, Leichtigkeit und Tiefgang gekonnt in sich vereinte. Auf ansprechendem musikalischem Niveau, und mit sprachlicher Kunstfertigkeit „doppelt gemoppelt“, spielerisch heiter, witzig – „ältere Paare haben immer ausgefalleneren Sex: montags ausgefallen, dienstags ausgefallen, sonntags: Stromausfall“ –, aber auch nachdenklich-gefühlvoll wie in „Liebeserklärung an den Partner“, nutzten die beiden preisgekrönten Kabarettisten die ganze Bandbreite des Chanson-Kabaretts und ergänzten sich perfekt.

Frech, aber nie daneben

Tina Häussermann, die „den eigenen Mann mit DHL verschickte“, mit spitzbübisch keckem Kurzhaarschnitt und messerscharfer Zunge, stimmlich perfekt und souverän am Klavier, bezauberte das Publikum durch ihre verschmitzte Mimik und ihr komödiantisches Talent.

Fabian Schläper entpuppte sich als sportlicher Yogi und Schuhplattler, der auf alles einen Reim fand. Als Duo waren sie präsent, anspruchsvoll, haarscharf und frech, aber nie platt oder daneben.

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