Gesellschaft Jung und Alt kommen im Mehrgenerationenhaus zusammen

Der Seniorentreff im Mehrgenerationenhaus in Rangendingen feiert Ende November bereits zehnjähriges Bestehen.
Der Seniorentreff im Mehrgenerationenhaus in Rangendingen feiert Ende November bereits zehnjähriges Bestehen. © Foto: Natascha Kübler
Natascha Kübler 15.11.2017

Am Eingang des Mehrgenerationenhauses in Rangendingen begrüßen einen Kinderwägen. Zwölf Mütter und ihre Kinder sind gerade in der Spielecke zugange. Auf einem bunten Teppich wird gekuschelt, gespielt, gelacht und auch geweint. Denn einige der Kinder bis zweieinhalb Jahre sind bereits müde, der Elterntreff neigt sich dem Ende zu.

Diese Woche wurde gebastelt: bunte Laternen aus Papier. Mit den farbenfrohen Eulen, Schnecken, Bären, Fröschen und Marienkäfern nimmt die Gruppe an einem Laternenlauf teil. Sozialpädagogin Madlen Eisele hatte eine einfache Bastelei vorbereitet. Schließlich müssen sich die Eltern bei der Laternenwerkstatt in Multitasking üben: Basteln, Kinder unterhalten, sich mit anderen Müttern austauschen.

Madlen Eisele bereitet jede Woche etwa Anderes für die Gruppe vor. Bis Weihnachten werden noch Geschenke für die Kinder-Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ hergerichtet, es wird eine Diskussion zum Thema „Ernährung, Bewegung, Entspannung und Regeln“ geben, auch wird die Gruppe gemeinsam Weihnachtliches basteln.

Der Elterntreff ist nicht das einzige Aufgabengebiet der Sozialpä­dagogin. Die 27-Jährige kümmert sich zudem an der Gemeinschaftsschule Rangendingen Hirrlingen um die Kinderbetreuung für die Grundschüler. Zudem leitet sie die Mädchengruppe des Jugendhauses. Diese drei Arbeitsfelder seien „super“, berich­tet Eisele. Die Balingerin freue sich, mit Kindern in verschiedenen Altersstufen zu tun zu haben.

Die Spielecke im Mehrgenerationenhaus wird von Eisele vor jedem Treffen auf und danach wieder abgebaut. Auch das Bastel­material, das bei so manchen Treffen benötigt wird, wird jedes Mal neu hergerichtet. Schließlich steht das frühere Gemeindehaus vielen Menschen zur Verfügung und muss den unterschiedlichen Bedürfnissen angepasst werden. So hat beispielsweise auch eine Übernachtung der Mädchengruppe vor Kurzem hier stattgefunden. Gerade weil in der Küche auch Kleinigkeiten zubereitet werden können, sei das Haus praktisch, so Eisele.

Zum Abschluss des Elterntreffs versammelt sich die Gruppe in der Spielecke. Gemeinsam mit den Kleinen wird zum Abschied gesungen und geklatscht.

Szenenwechsel: Am selben Tag, nur ein paar Stunden später, steht am Eingang eine kleine Parade von Rollatoren. Die bunte Spielecke ist einem Stuhl-Sitzkreis gewichen. „Beide Hände hoch, beide Hände hoch. Beide Hände klatschen, beide Hände hoch“, singen da fröhlich 18 Frauen. Entsprechend der Liedzeilen werden Bewegungen ausgeführt. Erst mit dem linken Arm, dann mit dem rechten, dann mit beiden. Gruppenleiterin Annette Koitka-Dieringer, unterstützt von drei weiteren Frauen, moderiert das Ganze.

Gruppe feiert Zehnjähriges

„Jetzt will ich wirklich von jedem die Bewegung sehen“, motiviert Koitka-Dieringer die Damen des Seniorentreffs. Sie drückt auf einen Knopf, und aus einem Lautsprecher erklingt eine Aufnahme des Bewegungslieds. Die Seniorinnen wackeln mit den Füße im Takt oder schunkeln zu der Musik. Nur die eigentlichen Bewegungen sind noch etwas zögerlich. „Wir sind nicht in der Schule. Wenn man danebenhaut, passiert nichts“, versucht die Leiterin die Damen anzuspornen. Nach zwei Runden ist Schluss mit Gymnastik, als nächstes wird ein Lied gesungen. Danach geht es für die Runde an den Kaffeetisch.

Seit zehn Jahren gibt es den Seniorentreff. 23 Mitglieder sind in dieser Zeit bereits verstorben. Koitka-Dieringer, gelernte Krankenschwester und Fachkraft für Gerontopsychiatrie, hat die Gruppe ins Leben gerufen. Ihre Idee war es, Kontaktmöglichkeiten für ältere Menschen zu schaffen, die sonst nicht mehr raus kommen.

„Ich bin sehr dankbar“, meint sie zu dem Erreichten: Denn aus den Treffen seien Freundschaften entstanden. „Wir reden hier sehr offen“, berichtet sie. Über ernste Themen wie Einsamkeit, den Tod, Krankheiten, Erfahrungen noch aus Kriegszeiten. Auf der anderen Seite gebe es aber auch Treffen, an denen nur gelacht und herumgealbert werde. „Das Treffen ist etwas Besonderes“, ist die 56-Jährige überzeugt.

Durchschnittlich 15 Frauen kommen zu den wöchentlichen Treffen, die von fünf Leiterinnen abwechselnd moderiert werden. Auf dem Programm stehen Gymnastikübungen und Gedächtnis­training, Wort oder Koordinationsspiele, Diskussionen zu Themen und zu Erfahrungen.

Am 27. November feiert die Gruppe nun das zehnjährige Bestehen, 50 bis 60 Gäste werden erwartet. Gründerin Koitka-Die­ringer freut sich darauf. Sie ist überzeugt: „Da haben wir etwas Gutes geschaffen.“

Mehrgenerationenhaus in Rangendingen

Zwischen 50 000 und 55 000 Euro investiert die Gemeinde Rangendingen jedes Jahr in das Mehrgenerationenhaus. Der Bund hat das Projekt zuletzt mit 30 000 Euro bezuschusst (jeweils für 2017 und 2018). Im Rahmen des Mehrgenerationenhauses gibt es eine Vielzahl an Angeboten für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren.