Hechingen Jotec-Hilfe für Marfan-Kranke

Auf Besuch bei Jotec: Mitglieder der Landesgruppe Baden-Württemberg der Marfan-Hilfe.
Auf Besuch bei Jotec: Mitglieder der Landesgruppe Baden-Württemberg der Marfan-Hilfe. © Foto: privat
Hechingen / HZ 03.08.2018
Patienten, die unter einer sehr seltenen Herzerkrankung leiden, erfuhren bei Jotec, wo ihre Gefäßprothesen herkommen,

Die Hechinger Jotec GmbH, namhafter Hersteller von Gefäßprothesen und seit ein paar Monaten Tochtergesellschaft der US-amerikanischen CryoLife Inc., hatte kürzlich Besuch von einer Delegation der Marfan Hilfe (Deutschland) e..V. Die Marfan Hilfe ist ein gemeinnütziger Patientenverein, der 1991 in Stuttgart gegründet wurde. Der Verein hat mehr als 1200 Mitglieder, die in regionalen Gruppen zusammentreffen. Er bietet Hilfe zur Selbsthilfe und einen informativen Austausch für Marfan-Erkrankte.

Das Marfan-Syndrom zählt der Schwere der Symptome wegen zu den seltenen Herzerkrankungen und ist genetischen Ursprungs. Betroffene leiden unter anderem an einer stark ausgeprägten Bindegewebsschwäche, die bereits in jungen Jahren die Blutgefäße im Körper betreffen kann. Eine Heilungsmöglichkeit gibt es bislang nicht, jedoch kann den Symptomen, die an den Blutgefäßen auftreten, mit Stentgrafts oder konventionellen Gefäßprothesen, wie sie die Firma Jotec fertigt, entgegengewirkt werden.

Jotec arbeitet eng mit Ärzten zusammen, um mit innovativen Technologien mitzuhelfen, die Gesundheit von Patienten wiederherzustellen.

Während ihres Firmenbesuches in Hechingen konnten elf Marfan-Erkrankte die Gefäßprothesen, die sie teilweise bereits in sich tragen, sehen und erfahren, in welchem Teil des Körpers welche Prothese zum Einsatz kommt.

Nach einer Begrüßung und Firmenvorstellung durch Marketingleiterin Katharina Bader-Schütz  führte Frank Brecht, der Leiter der Nitinolproduktion, die Besucher durch die Firma. Diese hatten Gelegenheit, den Näherinnen in der Spätschicht zuzuschauen und zu sehen, wie filigran deren Tätigkeit ist.

Anhand eines Auftrages werden die Prothesen je nach Aufwand zwischen fünf bis sechs Stunden für Standard-Fertigungen und anderthalb bis zweieinhalb Tagen für aufwendigere Prothesen in Handarbeit gefertigt. Sonderanfertigungen werden in Zusammenarbeit mit dem Design-Team in bis zu 18 Werktagen gefertigt. 80 Prozent der Produktpalette werden in Handarbeit hergestellt.

Auch einen Einblick in die Jotec-Weberei erhielten die Gäste. Sie erfuhren: Es gibt gewebte und gewirkte Ware. Eine Spule kann zwischen 176 und 236 Fäden haben, je nach Durchmesser der Prothese. Um sich vorstellen zu können, wie dünn das Garn ist, aus der die Prothese gefertigt ist: Zehn Kilometer Garn wiegen 40 Gramm. Die Gefäßprothesen werden aus 18 Meter langen Polyester-Schläuchen hergestellt. Danach werden die Prothesen noch beschichtet.

In einer weiteren Abteilung werden Gefäßprothesen aus Teflon (PTFE) für die chirurgische Behandlung peripherer Gefäße hergestellt. Hierzu wird Teflon-Pulver zu Pellets und dann zu Röhren gepresst und anschließend beschichtet.

Nach der Fertigung kommen die Produkte in die Endkontrolle, werden verpackt und anschließend sterilisiert. In der Qualitätskontrolle wird das Endprodukt geprüft, bevor die Endverpackung im Reinraum erfolgt.

Im Anschluss an die Firmenführung schloss eine angeregte Diskussion den Besuch ab

Info Kontakt mit dem Patientenverein können Marfan-Betroffene in Baden-Württemberg mit Ulrike Süß unter der E-Mail stuttgart@marfan.de aufnehmen.

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Kilometer des Garnes, aus denen Näherinnen bei Jotec Gefäßprothesen fertigen, wiegen gerade mal 40 Gramm. So extrem dünn ist das
verarbeitete Material.

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