Sein Weg war vorgezeichnet: Der Großvater Johann Georg war Konditor, der Vater Albert ebenso. Natürlich, ist man versucht zu sagen, „musste“ Joachim Röcker in deren Fußstapfen treten. Nur: Er musste nicht – er wollte! Eine Entscheidung, die er nie bereut hat. Im Gegenteil: Joachim Röcker war – sagt seine Familie – Konditor mit Leib und Seele, sein Beruf war ihm Berufung!

Ehefrau und Sohn übernehmen

Am Montag hat der Hechinger Hofkonditor im Alter von 72 Jahren seine Augen für immer geschlossen. Die Zollernstädter werden ihn vermissen! Seine Kuchenkreationen, seine Pralinen – sie waren einfach wunderbar. Die Hofkonditorei aber wird es weiter geben: Sohn Thomas, der in Tübingen eine Röcker-Filiale unterhält, wird die Geschäfte am Stammsitz Hechingen gemeinsam mit seiner Mutter Christina weiterführen.

Joachim Röcker wurde am 4. Juli 1947 in Tübingen geboren. Gemeinsam mit den Geschwistern Herlinde (†) und Albert wuchs er in Hechingen auf. Und in den Beruf des Konditors hinein. Schon 1892 hatte der Großvater Johann Georg Röcker die Café-Konditorei Nerz am Marktplatz übernommen. 1909 wurde ihm der Titel des Hofkonditors verliehen. In zweiter Generation wurde die Konditorei ab 1948 von Albert Röcker geführt. Derweil wuchs Joachim Röcker heran – und absolvierte nach dem Schulbesuch eine Lehre in der Konditorei Reihle in Reutlingen.

Die Liebe kam in der Schweiz

Nach deren Abschluss zog es ihn in die Schweiz. Zunächst nach Leukerbad in einen Hotelbetrieb mit eigener Konditorei, danach nach Zürich. In der Confiserie Honold lernte er seine spätere Frau Christina, aus einer Bäckerfamilie stammend und zu der Zeit Konditorin in Ausbildung, kennen und lieben.

Trotzdem kehrte Joachim Röcker 1969 zurück in seine Heimatstadt und in den elterlichen Betrieb. Um in jeder freien Minute zu seiner Christina in die Schweiz zu reisen. Im August 1976 schließlich heirateten die beiden und erwählten die Zollernstadt zu ihrem gemeinsamen Lebensmittelpunkt.

Zwei Jahre später kam Sohn Thomas zur Welt, der jetzt in der vierten Röcker-Generation in der Verantwortung steht. Die Weichen dafür gestellt hatten die Röckers bereits 1979 mit der Übernahme des Familienbetriebs. Im Jahr darauf erblickte der zweite Sohn Benedikt das Licht der Welt. Er lebt und arbeitet (im Bereich Marketing) in der Schweiz.

Am liebsten in der Backstube

Nach größeren Umbauten präsentiert sich die Hofkonditorei Röcker seit 1982 so, wie man sie bis heute kennt und schätzt. Die Backstube war Joachim Röckers liebster Aufenthaltsort, die Konditorenjacke sein liebstes Kleidungsstück. Die Leidenschaft für sein Handwerk ließ ihn – selbst im Krankenstand – nie los. Noch wenige Tage vor seinem Tod kreierte er, die Corona-Krise klar im Blick, gemeinsam mit seinem Sohn Thomas eine „Klopapiertorte“. Ein Renner bei der Kundschaft.

Überhaupt: Die Entwicklung immer wieder neuer, süßer Kreationen trieb ihn an. Nicht nur als guter Geschäftsmann mit dem Anspruch, für seine Kundschaft stets das Beste geben zu wollen. Auch für seine Heimatstadt wollte er stark sein. Vor einigen Jahren sogar als Vorstandsmitglied im einstigen Handels- und Gewerbeverein. Engagiert und verantwortlich begleitete er außerdem heranwachsende Junghandwerker.

Die Familie über allem

Die wenige freie Zeit, die ihm da noch blieb, verbrachte Joachim Röcker gerne in der Natur – und vor allem mit seiner Familie. Sie ging ihm über alles. Sie war auch bei ihm, als er am Montag seinen letzten Weg antrat. Seine Frau, die Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder werden ihn vermissen. Ebenso die Belegschaft, die in den vergangenen Monaten mitgeholfen und unterstützt hat, wo sie konnte. Und die Hechinger, die Joachim Röcker nicht nur als begnadeten Konditor, sondern auch als liebenswürdigen, bescheidenen und humorvollen Menschen schätzten.

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