Hechingen / Ernst Klett Laut Rechnung der Stadt kommt man auch beim autofreien Obertorplatz klar mit dem Parkplatzproblem. Das stößt auf Skepsis.

Schon nach einer guten Stunde machten sich Petra und Matthias Linckersdorff wieder auf den Heimweg und schenkten sich die Mitbeteiligung. Schwer enttäuscht gingen sie davon. Denn ihre Hoffnung, dass es bei der Bürgerwerkstatt zum Obertorplatz vor allem um die zukünftigen Parkplätze gehen würde, sahen sie bitter enttäuscht. Zumindest bis zum frühzeitigen Abgang des Ehepaares hatte es zu dieser Frage allein die Sicht der Stadtverwaltung gegeben. Und die war eindeutig: Es wird schon reichen, auch ohne Tiefgarage.

Dorothee Müllges, die Erste Beigeordnete, hatte auch im Namen des in der französischen Partnerstadt Joué weilenden Bürgermeisters versichert, dass die Stadt „gründlich und gewissenhaft“ planen werde und die Erwartungen der Geschäfte und Ärzte ernst nehme. Allerdings gehe es heute vor allem um die Gestaltung des Platzes selbst.

Und die wird, daran wollte Stadtbaumeisterin Helga Monauni anschließend nun wirklich keinen Zweifel aufkommen lassen, ohne Tiefgarage vonstatten gehen. Kein Wort verlor sie zu einem erneut vorgeschlagenen Bürgerentscheid – dieses Mal pro Tiefgarage. Der Baubeschluss für das seit Jahren heftig umstrittene Bauvorhaben, so erinnerte die städtische Fachbereichsleiterin, sei im Oktober aufgehoben worden, gerade weil es Alternativen gebe.

Die proklamierte Helga Monauni im Sauseschritt, wobei sie etliche Fragezeichen einfach mal so stehen ließ. So geht die Rechnung: Annähernd 80 Parkplätze fallen auf dem Obertorplatz weg und noch einmal so viele, wenn der Firstparkplatz überbaut ist. Macht 160, also keine 200, wie es die Initiatoren der Unterschriftenliste errechnet haben. Diese Zahl will die Stadt nicht nur ausgleichen, sondern sogar übertreffen.

Und zwar so: Da sind 75 Plätze, die als „Reserve“ irgendwo zwischen Zollernstraße und Rabengasse schlummern sollen – bei insgesamt 420 gezählten Plätzen und trotz der exakt 177 Dauerparker, die auch das Parkhaus zu 80 Prozent belegen. Da sind weitere 75 Plätze für die Öffentlichkeit, die es unter der First-Bebauung geben soll. Da sind 24 neue Stellflächen, die es hinterm „Museum“ zur Orangerie hin geben soll. Obertorplatz-Planer Johann Senner erteilte diesem Projekt anschließend eine Absage: Es treffen den Fürstengarten zu sehr ab.

Dann die Fragezeichen: Beim Parkdeck Münzgasse wird noch untersucht, wie aufgestockt werden kann. Beim Obertorplatz ist offen, wie viel Kurzzeitplätze entstehen können. Und beim privaten EJL-Projekt auf dem HZ-Areal, wo bis zu 170 Tiefgaragenplätze gehandelt werden, soll die Öffentlichkeit ebenfalls etwas abbekommen.

Sicher ist, das wurde am Montag erstmals verkündet, dass das Parkhaus in der Neustraße nicht aufgestockt werden kann. Das lässt die Statik nicht zu. Es soll zum wiederholten Mal benutzerfreundlicher gemacht werden. Einen Steg vom Parkhaus zum Obertorplatz bemühte Helga Monauni trotz der kurz zuvor verkündeten Nachricht, dass in der Großgarage nur 38 Plätze frei verfügbar sind. Und sie erinnerte daran, dass der Gemeinderat „nicht so begeistert“ war von Philipp Hahns Vorschlag, dem neuen Obertorplatz doch 28 Parkplätze anzufügen – jeweils 14 an der Frauengartenstraße und gegenüber der Zollerschule. Autofrei soll autofrei sein, lautete damals der Mehrheitskommentar.

Das Fazit der Stadtbaumeisterin: „ Wir könnten durch Kompensation gut klarkommen und müssen nicht unter die Erde.“ Damit war das Füllhorn aber noch immer nicht leer. Weitere Vorschläge: Dauerparker raus aus der Innenstadt und das eigene Verhalten ändern. Also nicht das Auto, sondern den Bus oder das Rad nehmen. Da waren Petra und Matthias Linckersdorff in Gedanken schon in den Mänteln.

Die hätten sie vielleicht doch länger in der Garderobe lassen sollen. Denn je später der Abend wurde, desto mehr wurden die Stimmen laut, die bis zu 24 Parkplätze an der Frauengartenstraße verlangten. Die Erste Beigeordnete reagierte souverän: „Dann nehmen wir das so mit.“ In den Arbeitsgruppen wurden mindestens zwei weitere Möglichkeiten genannt: Das alte Vermessungsamt an der Fürstin-Eugenie-Straße kaufen, abreißen und zum Parkhaus machen und, besonders spannend und wagemutig: die Straße nicht links oder rechts über den Obertorplatz führen, sondern mittendurch – und links und rechts davon haufenweise Stellplätze.