Wehmut war in der voll besetzten Junginger Turn- und Festhalle zu spüren, als am Sonntagnachmittag das Abschiedskonzert der äußerst beliebten Dirigentin des Junginger Musikvereins, Tamara Flad, über die Bühne ging. Seit 2015 leitete die Killermerin das 40-köpfige Orchester und baute parallel dazu kontinuierlich die Jugendkapelle Unteres Killertal auf. Ein höchst erfolgreiches Wirken neigte sich dem Ende entgegen.

Motto: „Für immer im Herzen“

Herzerwärmende Stücke spielte zu Beginn des Nachmittages eben die Jugendkapelle. Alle drei hervorragend dargebotenen Werke hatte Tamara Flad eigenhändig ausgewählt. Dem Motto des Jahreskonzerts wurden sie mehr als gerecht: „You’ll be in my Heart – Für immer im Herzen“. Jugendleiter Oliver Simmendinger war die Freude darüber anzumerken, wie konzentriert seine Schützlinge zu Werke gingen.

Die Frau der goldenen Mitte – so könnte man Tamara Flad auch bezeichnen – hatte inzwischen mit ihrem Orchester auf der Bühne Platz genommen. Mit ihrem Charme setzte die Dirigentin schon zu Beginn eine Duftnote bei „Journey to Celebration“ – ein Stück, das die Vollblutmusikerin bewusst ausgewählt hatte, wie Moderatorin Hannah Buntz den Zuhörern erläuterte.

„Man soll für alles, was man im Leben macht, brennen.“

Es folgte: „Candle in the Wind“. Wer kennt sie nicht, die Ballade aus den 70er-Jahren, die Elton John in den 90er-Jahren zu Ehren der verstorbenen Lady Di noch einmal neu auflegte? Tamara Flad interpretierte es so: „Man soll für alles, was man im Leben macht, brennen.“

Das letzte Stück vor der Pause war ein funken- und freudesprühendes Stück. Es war eine anspruchsvolle und technisch sehr schwierige Komposition, die schon in den vorausgegangenen Proben dem Orchester alles abverlangt hatte. Die Junginger Musiker überwanden aber alle Hürden bravourös, so dass die „Funken des Feuers“ auch an diesem Nachmittag zündeten und viel Beifall hervorriefen.

Zur Advents- und Weihnachtszeit passte gleich nach der Pause das Stück „Imagine“ von der Beatles-Legende John Lennon. Das Lied ist ein Aufruf zum Frieden und gilt nicht von ungefähr als eine Hymne der Friedensbewegung. Auch Tamara Flad ging auf diese Bedeutung ein, als sie sagte: „Sollten wir uns nicht viel öfters fragen: Was bewirkt mein Handeln, was bewirken meine Worte?“ Die positive Spannung hielt bis zum Schluss dieses Werkes.

Mit „Der tollkühne Held kehrt zurück“ führte das Orchester sein Publikum in die Welt der Computeranimationen – und gewann auch damit viele Sympathien. Das fulminant vorgetragene „We are the World“ war dann ein würdiges Schluss- und Abschiedslied für Tamara Flad.

Die Taschentücher werden gezückt

Ob das nun aber wirklich der Schlusspunkt war? Natürlich nicht! Die scheidende Dirigentin selbst hatte das letzte Wort, nachdem Alice Feck und Daniela Endress vom Musikvereins-Vorstand ihr alles Gute für die Zukunft gewünscht, sie mit Präsenten und einer Blumenfülle bedacht und Küsschen verteilt hatten. Zu Abschiedstränen gerührte ergriff Tamara Flad das Wort: „Damals…, ich weiß es noch, als wäre es erst gestern gewesen“, skizzierte sie ihren Einstieg beim Musikverein Jungingen. Um dann fortzufahren: „Ich möchte gar nicht mehr reden, sondern mich nur bescheiden verabschieden und bedanken mit dem, was ich so leidenschaftlich gerne mache, was mein Herz erfüllt, was ich so gerne teile…“. Weiter kam sie nicht, ihre Stimme geriet ins Stocken, und bei den Musikern und bei Tamara Flad selbst wurden die Taschentücher gezückt. Dann verabschiedete sie sich von jedem Musiker und jeder Musikerin mit Handschlag.

Und auch das war noch nicht das Ende. Noch einmal hörte man schönste Musik, mit Gitarrenklängen von Oliver Simmendinger untermalt, schwungvoll und leicht: „Musik drückt das aus, was man nicht aussprechen kann und worüber Schweigen unmöglich ist…“. Dem war nichts hinzuzufügen. Und Tamara Flad ging unter „Bravo“-Rufen.

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