Das war eine Premiere: Die Jahresauftaktveranstaltung des Zollern- Alb-Klinikums fand am Mittwochabend zum ersten Mal im krankenhausfreien Hechingen statt. Eine Charmeoffensive Richtung Hohenzollern?

Zur Ankündigung von Günther-Martin Pauli, „die Menschen im Bürgerdialog mitzunehmen“, würde es jedenfalls passen. Wobei der Landrat auch betonte, die Patientenzahlen würden zeigen, dass das Zollern-Alb-Klinikum schon jetzt „an Akzeptanz gewinnt“.

Stuttgart akzeptiert Pläne für Zentralklinikum

In einem kurzen Jahresrückblick vor Hunderten von Beschäftigten des Klinikums, die sich im Europasaal der Stadthalle versammelt hatten, sagte Pauli, dass sich 2019 viel getan habe. Mit das Wichtigste aus seiner Sicht: Der Landeskrankenhausausschuss hat die Pläne für ein Zentralklinikum befürwortet, und auch im Sozialministerium hat man erkennbar ein offenes Ohr für die Zukunftsvisionen von der Zollernalb.

Pauli machte zugleich deutlich, dass auch der Landkreis dabei ist, seine Hausaufgaben zu machen: Die Grundstücksverhandlungen für den Wunsch-Standort zwischen Balingen und Albstadt seien „weit vorangeschritten“, und auch wenn man nicht alle eigentlich benötigten Flächen bekomme, so werde es doch „für mehr als für die Mindestvoraussetzungen reichen“, um mit dem Neubau in Modulbauweise starten zu können – und das vermutlich früher als geplant.

Schon jetzt ein Mehr an Medizin

Unabhängig von den Zentralklinikum-Plänen gab der Landrat den Beschäftigten das Versprechen, „bis zum Neubau nicht am falschen Platz zu sparen“. Wenn der Kreistag in seiner Sondersitzung am kommenden Montag, 3. Februar, sein Okay gebe, „dann wollen wir jetzt schon ein mehr an Medizin schaffen“, sagte Pauli in Anspielung auf die angekündigte „strukturelle Qualitätsoffensive“. Der Zollernalbkreis nehme dafür „fast 20 Millionen Euro“ in die Hand, sagte Pauli. Allein acht Millionen (statt der ursprünglich kalkulierten 6,5 Millionen) entfallen dabei auf den bereits laufenden Bau einer Zentralen Notaufnahme am Ebinger Krankenhaus.

Drei Millionen Euro will sich der Landkreis den Aufbau einer kleinen Kinderklinik, einer pädriatrischen Abteilung mit zwölf bis 18 Betten am Balinger Krankenhaus, kosten lassen. 2,7 Millionen Euro sind für die Eröffnung einer Palliativstation mit acht Betten in Balingen (zur Behandlung schwerstkranker Menschen) vorgesehen. Und 2,3 Millionen Euro werden benötigt, um eine funktionsfähige Endoskopie im Albstädter Krankenhaus zu erhalten. Dieses Gesamtpaket liegt dem Kreistag am Montag zur Beschlussfassung vor.

Finanzielle Rückendeckung des Landkreises „nicht selbstverständlich“

Dr. Gerhard Hinger, der Vorsitzende Geschäftsführer des Zollern-Alb-Klinikums, dankte dem Landkreis in seiner Hechinger Rede für dessen finanzielle Rückendeckung. Ein Blick in die unmittelbare Nachbarschaft und in die bundesweite Krankenhauslandschaft zeigte, dass diese Rückendeckung alles andere als selbstverständlich sei. Sie sei dem Klinikum „Privileg und Verpflichtung zugleich“, betonte Hinger.

Noch ausführlicher als zuvor Pauli ging auch Hinger auf die medizinischen Bausteine ein, die dem Klinikum die Zukunftsfähigkeit sichern sollen. Dazu zählte er die Entwicklung einer eigenständigen Abteilung Gefäßmedizin in Albstadt ebenso wie die Etablierung eines notfallmedizinischen Konzeptes, das beide Standorte umfasst. In diesem Zusammenhang stellte der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Michael Bitzer den neuen Chefarzt für die Zentrale Notaufnahme, Privatdozent Dr. Otto Tschritter, vor.

Als „großes Zukunftskonzept“ benannte Gerhard Hinger die Einrichtung einer Pädiatrie in Balingen. 45 Prozent aller Schwangeren im Zollernalbkreis ließen nicht am Zollern-Alb-Klinikum entbinden, „vor allem auch weil hier eine Kinderklinik fehlt“, benannte der Geschäftsführer das Problem. Die Hoffnung ist: Wenn eine kinderklinische Abteilung vor Ort ist, dann haben die werdenden Eltern mehr Vertrauen in das Balinger Krankenhaus.

Lungenmedizin am Horizont

„Dringend geboten“ ist auch nach Hingers Ansicht die Einrichtung einer Palliativstation. Und weil man im Blick haben sollte, welche Patienten auch in Zukunft noch stationär behandelt werden müssen, gebe es die Überlegung, das Fachgebiet Lungenmedizin am Klinikum zu etablieren.

Zum Stichwort Digitalisierung verwies Gerhard Hinger auf ein Alleinstellungsmerkmal des Zollern- Alb-Klinikums: Es sei – dank der Tele-Anbindung an das Tübinger Universitätsklinikum – die erste nichtuniversitäre Klinik mit telemedizinischen Intensivstationen.

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Prozent aller Schwangeren im Zollern­albkreis lassen auswärts entbinden. Diese Quote soll sinken, wenn es in Balingen neben der Geburtshilfe eine kinderklinische Abteilung gibt.