Hechingen Bamba Zampa: Integration auf hohenzollerisch

Hechingen / Von Diana Maute 18.10.2018
Der Historiker Paul Münch referierte über Bamba Zampa, den schwarzen Herkules“, der vor über 100 Jahren in Sickingen lebte.

Auf den ersten Blick ist es die bewegte Lebensgeschichte eines „Negers“, der im 19. Jahrhundert im beschaulichen Dörflein Sickingen lebte und zu „Deutschlands stärksten Männern“ gezählt wurde. Auf den zweiten Blick ist es weit mehr: „Eine Emanzipations- und Integrationsgeschichte“, die sich mitten in der hohenzollerischen Provinz abspielte und an die der Historiker Prof. Dr. Paul Münch am Dienstag auf Einladung des Geschichtsvereins erinnerte.

Münch machte ein großes Publikum mit Bamba Zampa bekannt, einem Mann, der 1837 als Sklave auf Jamaika geboren wurde und der über vielerlei Umwege zum Sickinger Schaustellerbetrieb Schwenold gelangte. Dort war er nicht nur als „Athlet“ beschäftigt, sondern wurde schnell auch ein vollwertiges Mitglied der Familie.

Im Rahmen seiner Forschungen stieß Münch auf eine 1871 erschienene Erzählung mit dem Titel „Bamba Zampa, oder: Negerschicksale“, die der aus Owingen stammende Lehrer Franz Xaver Wannenmacher verfasst hat und die den Lebensweg des ehemaligen Sklaven beleuchtet. Auch haben sich Postkarten erhalten, die von den denkwürdigen Auftritten des „schwarzen Herkules“ auf dem Cannstatter Wasen zeugen, wo dieser als Gewichtheber seine eiserne Stange schwang – für das Publikum damals die Attraktion.

Bevor Bamba 1865 zu den Schwenolds nach Sickingen kam, sah sein Leben düster aus. Er wurde von einem Schaustellerbetrieb zum nächsten „verschachert“ und musste in der Rolle des „exotischen Wilden“ das Publikum in Angst und Schrecken versetzen. Nach der Vorstellung durfte sogar seine Haut berührt werden, zum Beweis, dass er ein „echter Neger“ war – eine entehrende Zurschaustellung des jungen Mannes.

Erst als Bamba Zampa zu den Schwenolds kam, ging es ihm besser. „Die Familie nahm ihn auf wie ein eigenes Kind“, betonte Münch. Er wurde eingekleidet, erhielt Sprachunterricht und sogar ein eigenes Bankkonto. „So etwas ist ja wohl nie dagewesen“, wurde damals gestaunt.

In seiner neuen Heimat Sickingen musste der dunkelhäutige Mann keine Kunststücke vollführen, um aufzufallen. Es genügte, wenn er sich ganz normal in der Öffentlichkeit bewegte. Durch sein „mildes Wesen“ wurde er schnell zum Liebling der Kinder im Dorf. Auch in Hechingen war der musikbegeisterte Bamba eine Sensation und die ganze Stadt strömte zusammen, um den „Mohren“ zu betrachten, als er mit Frau Schwenold ins „Sträßle“ kam.

Obwohl „Neger“ im 19. Jahrhundert als den Weißen geistig, psychisch und moralisch völlig unterlegen gegolten hätten und Vorurteile gegen dunkelhäutige Menschen sicher auch im Hohenzollerischen verbreitet gewesen seien, sei Bamba hier akzeptiert und respektiert worden, erklärte Münch. Auch Wannenmacher habe in seiner Erzählung keine Probleme damit gehabt, Bamba in gutem Licht darzustellen. „Das bedeutet nichts weniger als dessen Integration“, betonte Münch.

Ein Problem tat sich im christlich-katholischen Umfeld aber auf: Bamba galt als Heide. Am 28. April 1867, nicht zufällig der „Weiße Sonntag“, wurde er in der Pfarrkirche Stein feierlich getauft und zur Erstkommunion zugelassen. So wurde aus dem „Neger“ Bamba Zampa ein christkatholischer Franz Xaver. Der Gedanke dahinter: „Zwar bleibt ein schwarzer Mann immer schwarz, doch kann Gott durch die Taufe zumindest seine Seele weiß machen.“

Wie Rassismus im 19. Jahrhundert selbst unter den „großen Geistern“ Deutschlands gang und gäbe war, beleuchtete Münch ebenfalls. „Könnte es sein, dass man im katholischen Hohenzollern diesen Menschen wohlwollender begegnete als in den Städten, in denen die Rassenlehre verbreitet war?“, stellte er eine Frage in den Raum, die für ihn eindeutig mit ja beantwortet werden kann.

„Die Geschichte Bamba Zampas aus Sickingen soll zeigen, dass auch die kleine Welt der Dörfer der Erinnerung wert und manchmal hochaktuell ist“, betonte der Referent Paul Münch abschließend.

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