Was die Hechinger Stadtwerke für die Wärmeversorgung des neuen Stadtteiles „Killberg IV“ planen, hat deutschlandweit Modellcharakter – ist aber unter Fachleuten nicht unumstritten. Roland Huber, Freie-Wähler-Stadtrat und von Berufs wegen ein Experte auf dem Feld der erneuerbaren Energien, meldete jedenfalls größte Bedenken an. Außer ihm und seinem Fraktionskollegen Werner Beck, die sich beide der Stimme enthielten, befürwortete jedoch der komplette Betriebsausschuss des Gemeinderates die Vorschläge der Gutachter von den Büros Solites aus Stuttgart und Tewag aus Starzach.

Ein weitgehend CO2-neutraler Stadtteil

Dem Wunsch aus der Killberg-Bürgerwerkstatt folgend, auf der Höhe im Hechinger Norden ein möglichst CO2-neutrales Wohngebiet mit 465 Einheiten für 2000 Bewohner entstehen zu lassen, kamen die Autoren einer Machbarkeitsstudie zu folgendem Ergebnis: Eine 95-prozentige Deckung des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Energien wäre zu bekommen, wenn man eine 7000 Quadratmeter große Solarthermieanlage am Hang der nahen Erddeponie mit einem 18 000 Kubikmeter großen Erdbecken-Wärmespeicher kombiniert und mit einer Erdwärmesondenanlage mit zentraler Wärmepumpe ergänzt. Einen Gaskessel bräuchte man nur noch, um fünf Prozent Spitzenlast abzudecken.

Hahn: Ökologisch, ökonomisch, innovativ

Bürgermeister Philipp Hahn rühmte das Konzept als ökologisch, als ökonomisch, weil die künftigen Killberg-Bewohner mit einem „wirtschaftlich interessanten“ Wärmepreis von 15,7 Cent pro Kilowattstunde rechnen können, und als innovativ: Denn in ganz Deutschland gibt es noch keinen in der Erde vergrabenen Pufferspeicher dieser Größe.

Gutachter räumt Risiko ein

Just daran nahm aber Roland Huber Anstand. Er bezweifelte, dass ein Pufferspeicher in dieser Größenordnung funktioniert. Wenn nicht, so unkte er, müsse man das 68 Grad warme Wasser im Gaskessel herstellen. Gutachter Dirk Mangold teilte den Zweifel nicht, musste aber einräumen: „Innovation birgt immer ein gewisses Risiko.“ Begeistert äußerte sich Almut Petersen (Bunte Liste). Inzwischen, so die Fachfrau, funktionierten auch die sehr großen Anlagen sehr gut. Almut Petersen schwärmte: Wenn jetzt noch die Bauherren Photovoltaikanlagen auf ihre Dächer setzten, dann könne der Killberg „sogar ein Plus-Energie-Viertel“ werden, also ein Wohngebiet, das mehr Energie erzeugt als seine Bewohner verbrauchen.

Auch interessant: