„Wir haben heute ein Studium generale auf höchstem Niveau erlebt“, sagte Landtagskandidatin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) am Dienstagabend am Ende des Onlinegesprächs mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble.
Der 78-Jährige habe die Zuhörer nachdenklich machen können, Zusammenhänge des politischen Geschehens verständlich aufgezeigt, wie es kaum ein anderer kann, meinte Hoffmeister-Kraut.

User sind begeistert

Auch einige der Facebook-User, die den Online-Dialog verfolgten, waren den Kommentaren zufolge begeistert von den Ausführungen der beiden CDU-Politiker zur aktuellen Corona-Lage oder der Weltwirtschaftspolitik.
Die Landtagskandidatin wusste die Eloquenz und das Fachwissen des CDU-Politikers zu nutzen und sprach wie angekündigt auch aktuelle Politikthemen an und gab Zuschauerfragen weiter.

Schäuble mit gewohnt klaren Worten

Schäuble scheute während der knapp anderthalb Stunden dabei keine klaren Worte. So unterstütze er den Kurs von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), die die kleinen Menschen und die Öffnungen von Kitas und Schulen in den Mittelpunkt stellen würde.
Er plädierte, in der Coronapolitik mehr abzuwägen, solange die Infektionszahlen nicht wieder stark steigen oder Intensivstationen überlastet seien. Dafür sprächen auch die zunehmende Gewalt in Familien oder die erwarteten und bereits spürbaren psychischen Folgen.

Auch Maßnahmen haben schreckliche Wirkung

„Corona ist natürlich eine schreckliche Gefahr, aber gleichzeitig haben auch die Maßnahmen des Lockdowns eine schreckliche Wirkung“, sagte Schäuble.
Mit dem Stufenplan habe man ein Konzept, das auf den Einzelfall abgestimmt sei. So könne man den Menschen die Maßnahmen auch besser erklären. „Menschen muss man im freiheitlichen System überzeugen“, meinte Schäuble und verwies auch auf Vertrauen, das essenziell sei. Dass durch den derzeitigen Maskenskandal in seiner Bundestagsfraktion die ganze Politik diffamiert werde, findet er ärgerlich.

Hoffmeister-Kraut will Menschen dienen

Auch Nicole Hoffmeister-Kraut mahnte, nicht eine ganze Partei zu verurteilen wegen des Fehlverhaltens Einzelner. Sie habe durch ihre Arbeit in den vergangenen Jahren bewiesen, als Politikerin den Menschen zu dienen. Sie und ihre Arbeit seien verlässlich, loyal, korrekt und solidarisch, sagt sie.
Eine typisch deutsche Debatte sei die um Geimpfte, meinte Schäuble. Sobald feststehe, dass Geimpfte andere nicht mehr anstecken, wird man dies in die schrittweisen Abwägungen von Maßnahmen mit einbeziehen können.

Freiheiten für Geimpfte

Schäuble findet, man sollte Einzelnen Bescheinigungen geben. Dafür werde es offenbar eine europäische Lösung geben. Denn wenn die Ansteckungsgefahr nicht mehr gegeben ist, könne man vieles wieder zulassen, so Schäubles Meinung. Dennoch wolle er so keine Zwei-Klassen-Gesellschaft schaffen.
Überaus wichtig seien bei den Impfungen laut Schäuble die Hausärzte, trotz einer seiner Ansicht nach ohnehin hohen Impfbereitschaft. Das begründet er nicht damit, dass diese zusätzliche Impfdosen spritzen könnten. Die Hausärzte würden vielmehr ihre Patienten kennen und auch von einer Impfung überzeugen können.

Zeitungsabo empfohlen

Darauf angesprochen, welche Buchtipps er jungen Leuten mitgeben könne, empfahl Schäuble, die digitalen Angebote mehrerer Zeitungen zu nutzen.
So könne man sich eine Meinung bilden und darüber diskutieren, dank seriöser Argumente. „Man kann ja schnell erkennen, was ist seriös, was ist Fake News oder Schund“, sagte Schäuble.
Datenschutz mehr abwägen
Schon zuvor war er bemüht zu erklären, weshalb die Debatte ein wesentlicher Teil der Demokratie sei und das freiheitlich-demokratische System anderen Systemen überlegen sei – es sei effizienter, auch wenn es manchmal etwas komplizierter sei.

Einzelhändler brauchen kreative Modelle

Den Einzelhändlern, die zumindest im Zollernalbkreis wieder ihre Türen öffnen dürfen, empfiehlt Schäuble, kreative Modelle zu nutzen. Zudem müsse die Politik bei Konzepten unterstützen, um die Innenstädte unter den Veränderungen der Digitalisierung zu revitalisieren.
Nicht nur die Digitalisierung oder Schulden werden die Wirtschaft nach der Pandemie beschäftigen. Beim Klimaschutz ist es Schäuble ein Anliegen, den Unternehmen Anreize zu geben und nicht die Technologie vorzuschreiben oder Verbote auszusprechen.
Die Unternehmen würden dann Wege finden. Vor allem in einem Bundesland wie Baden-Württemberg, das für seinen innovativen Mittelstand berühmt ist. Spätestens mit diesen Aussagen traf der 78-jährige Parteikollege mitten ins Herz der 48-jährigen Wirtschaftsministerin.

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