Rund 230 Schüler strömen jeden Tag um die Mittagszeit bei der Tür der Mensa am Hechinger Schloßberg hinein. Hier wird alles frisch gekocht und zubereitet. Und so beginnt der Arbeitstag für die Köchinnen Susanne Münnich und Anita Bosch bereits um 8 Uhr. Dann stehen sie in der Küche, schnippeln Gemüse und bereiten Fleisch zu. An diesem Tag stehen Chilli con Carne und Käsespätzle mit Gurken-, Karotten-, oder Krautsalat und Schoko- sowie Sandkuchen auf der Speiseplan. 60 Kilogramm Essen, inklusive aller Beilagen und dem Fleisch, vertilgen die Schüler jeden Tag, so Walter Huber.

Er und seine Frau Anja betreiben die Mensa und freuen sich, dass die neue Einrichtung seit eineinhalb Jahren so gut angenommen wird. Anfänglich gab es ja Bedenken in der Bevölkerung, weil einige Anwohner den Geruch fürchteten. Aber: „Der Standard ist optimal“, betont Walter Huber. Und so gibt es seit der Eröffnung keine Probleme. Der regelmäßig einberufene Mensabeirat, der beispielsweise aus Schulleitern und Vertretern des Hauses Nazareth besteht, lobe in den höchsten Tönen. „Wir haben beste Noten“, sagt Walter Huber.

Der erste Ansturm erfolgt um 12 Uhr. Nach einer halben Stunde treten die Kinder den Rückweg zur Schule an und die Köchinnen bereiten die nächsten Speisen vor. Um 13 Uhr tritt eine neue Schar herein. Bis die Jugendlichen gegessen haben, ist es 13.30 Uhr. Dann wird es ruhiger, und die Köchinnen räumen auf. Der Spüldienst endet später noch um 16 Uhr. Die Mensabesucher der Werkrealschule, Realschule, Verlässlichen Grundschule und Grundschule helfen beim Saubermachen sogar mit – nach dem Sommer dann auch die Hechinger Gymnasiasten. Sie bringen ihr Geschirr zu einem Wagen, ordnen es in die Behälter ein und werden zur Selbstständigkeit erzogen, indem sie den Tisch decken oder sich das Getränk holen. Nikola aus der Grundschule Sickingen steht am Zapfhahn und lässt Wasser in die Kanne laufen. Ihr Lieblingsgericht ist Reis mit Gemüse und Fleisch. Danach nimmt die Neunjährige neben ihrer besten Freundin Platz, um sich das Neuste zu erzählen.

Nachschlag ist immer drin

„Ich find’s super, dass es hier ein geregeltes Essen gibt“, so Mareike Enmann, die als Aufpasserin von der Werkrealschule dabei ist. Wegen der Mensa kaufen sich die Kinder mittags keine Chipstüten im Supermarkt. Sie merke auch, dass sich die Kinder hier „mega wohl fühlen“, und die Mensa für sie ein Rückzugsort ist, wo sie „mal abschalten können, bis der Unterricht wieder losgeht.“

Wenn sie nicht satt geworden sind, dürfen sie gern Nachschlag holen. Das Gemüse kauft Walter Huber in Tübingen. Und in puncto gesunde Ernährung geht Huber und sein Team mit gutem Beispiel voran: Es gibt keine Pommes aus der Fritteuse, sondern nur Kartoffel-Ecken (Wedges). Natürlich wird nicht nur schwäbisch gekocht. Köfte – türkische Hackbällchen vom Rind – standen schon auf dem Speiseplan. Und für die internationale Woche im Herbst holten sich die Köche sogar ein Rezept von einem jungen Mensagänger für Pelmeni, die russischen Teigtaschen, ein.

Die soziale Herkunft der Kinder spielt auch beim Bezahlen keine Rolle. Jeder bezahlt mit seinem Chip. Wer nun tatsächlich nur einen Euro fürs Essen entrichtet, weil die Stadt Hechingen und das Jobcenter bezuschussen, ist an der „Kasse“ nicht erkennbar. „Hier soll jeder gleich sein und gleich behandelt werden“, begründet Anja Huber das Konzept. Im Übrigen subventioniert die Stadt jedes Essen mit 2,50 Euro.