Stein In der Römervilla wird geheiratet

Stein / SWP 17.08.2012
"Hochzeit in der Römervilla" - unter diesem im süddeutschen Raum noch nie dagewesenen Motto finden im Freilichtmuseum in Stein am Wochenende die Römerspiele statt.

Über 200 Akteure lassen an diesem Wochenende, 18./19. August, auf der Vila rustica in Stein die Geschehnisse einer ehelichen Verbindung gegen Ende der Römerherrschaft in Süddeutschland zwischen der Gutsverwalterin der Staatsdomäne und einem alemannischen Sippenführer hautnah wieder aufleben.

Man schreibt die Jahre um 233 n.Chr.Geb.: Germanische Alemannen ziehen vermehrt mordend und plündernd in das römische Hinterland hinter den Limes ein. Auch die römische Staatsdomäne in Stein bleibt nicht verschont. Die Alemannensippe der Tagolfinge verschonen zunächst die Villa, zumal deren Verwalterin eine schöne und reiche Römerin namens Aurelia ist. Diese ist bereit, einen Sippenführer zu heiraten. Die Wahl fällt auf Tagolf . Ebo und Truchtolf ziehen den Kürzeren. Dies führt unweigerlich zu Streitigkeiten und Kämpfen. In der Region verweilende römische Soldateneinheiten werden zur Sicherheit des Ablaufs der Hochzeit in die Villa abberufen. Inzwischen sind auch Einheiten der LEG I Italica aus Venetien eingetroffen. Die Hochzeitsvorbereitungen sind in vollem Gange. Kaum überschaubar ist der Tross der Alemannen, die sich im Nordteil der über vier Hektar großen Anlage niedergelassen haben, direkt vor dem Westeingang der römischen Eliteeinheiten. Rege gewerkelt wird in den Töpferei, bei der Färberin, bei der Filzerin, beim Peitschenmacher, dem Schmied, dem Steinmetz, beim Schumacher. In den Ständen der Verkäufer von Schmuck und Waffen, der Kräuterfrau und anderen können Geschenke für die Braut erworben werden. Der Duft römischer und "neuzeitlicher" Speisen und Getränke dringt durch die Anlage. Weingott Bacchus preist edle Weine an.

Der Programmablauf sieht an beiden Tagen in etwa gleich und wie folgt aus: Gegen 10.30 Uhr Einmarsch aller Akteure in die Villa mit der LEG I Italica, Venetien, der populäres vindelicenses, Augsburg, der numerus brittonum aus Welzheim, der Auxilia XIII Bisingen mit Tross, der Alemannengruppen ASK,Tübingen, der Adalar, Schweiz, der Sin Frewen, der Hilaringer, der Gens Lentensis, der Rhi Ems aus Österreich, Amazonen aus dem fernen Kaukasus-Gebirge und andere.

Mit der Vorstellung der Brautleute, dem Eindringen der Alemannengruppe der Eberlinge und den folgenden Streitigkeiten beginnt der Nachmittag. Es folgt ein Überfall auf die von römischen Soldaten bewachte römische Villa. Verwundete werden in einem vom Roten Kreuz aufgebauten Lazarettzelt nach den im dritten Jahrhundert gebräuchlichen ärztlichen Kenntnissen erstversorgt. Ein Augur befragt die Auspizien, zeigt den aus Ägypten importierten Kult der "Isis Verehrung" und anderes. Letztendlich haben sich alle lieb und die Feierlichkeiten können beginnen. . . Das Drehbuch wurde in einer Gemeinschaftsaktion von Stefan Bernau, Marco Zanchini, Italien, und Gerd Schollian geschrieben.

Überraschend hat sich für das Römerfest noch eine Theatergruppe angemeldet, die an beiden Tagen ein Puppentheater vorführt. In einem abgesperrten Gehege kann man auf Eseln reiten. Und nahe des Spielplatzes kann man auf Streitwagen so richtig Römer spielen oder das Exerzieren "echter" römischer Soldaten verfolgen. Zusätzlich wird in der Remise unter Anleitung ein riesiges Mosaik angefertigt, das später an Ort und Stelle bleibt.

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