Die gestandenen Musiker Hans Günter Kölz am Akkordeon und Matthias Anton am Saxophon sind bei den Veranstaltungen des Kulturvereins „Hechingen/ Villa Eugenia“ schon verschiedene Male engagiert worden. Jüngst gaben sie mit Philipp Moehrke am Klavier erneut ein Konzert in der Rotunde der Villa. Und da stimmte einfach die Chemie.

Die drei Musiker waren derart aufeinander eingestellt, dass sie sich letztlich stets gegenseitig ergänzten. Das müssen wohl schon viele in der Region gewusst haben. Jedenfalls war die Veranstaltung sehr gut besucht, worüber das Vorstands-Duo des Kulturvereins, Christoph Schanze und Margret Kipp-Lenkeit, bei der Gästebegrüßung ihre Freude ausdrückten.

Die Musiker waren nicht nur in Hochform, sondern auch bester Stimmung. Immer wieder mischten sie mit Scherzeinlagen die Stimmung in der Rotunde zusätzlich auf. So meinte Matthias Anton mal über den quirligen Mann am hauseigenen Flügel der Villa: „Normalerweise hat der hier absolutes Redeverbot, aber da er heute Geburtstag hat, lassen wie ihn mal.“

Das Publikum stimmte zum Ehrentag denn auch ein „Happy Birthday“ an und Pianist Philipp Moehrke bedankte sich mit einem Eigenwerk, das in Klassik-Art erklang – doch nur eine Weile lang. Denn prompt gingen die im ruhigen Tempo gespielten Melodien in einen Improvisationsteil über, der ganz dem Jazz verpflichtet war.

Mit Eigenkompositionen wartete jede der drei Musikkoryphäen auf. Das ist einerseits ihr Metier, doch zeigte sich hier auch ihre Kunstfertigkeit der Improvisation, aus gehörten oder gerade gespielten Melodien und Themen ganz neue Stücke zu erschaffen.

Wer Schüler respektive Student bei Kölz und Anton ist (die beide am Hohner-Konservatorium und der Musikhochschule in Trossingen unterrichten), hat Glück. Denn sie erhalten nicht nur die klassische Ausbildung, sondern können bei entsprechender Begabung die Impulse ihrer Lehrer umsetzen – und aus einem bestehenden, notierten Werk ein ganz neues und somit eigenes kreieren.

„Jazz geht‘s los“, und das funktionierte in der Villa so: Gegen Ende eines durchkomponierten Werks erklang drei Mal „so zwischendurch“ eine Dreiertonfolge aus dem Saxophon. Die nahm Hans Günter Kölz auf, und auf einmal erklang Akkordeonmusik in Musette-Manier – die zeitlich aber auch keinen Bestand hatte, weil das Thema von Matthias Anton aufgenommen wurde, um in ganz andere Melodiereigen überzugehen. Sodann mischte sich zu Saxophon und Akkordeon das Klavier – und so weiter. Derartige Trios oder aber Duos erklangen mehrfach und hießen etwa „Para una despedida“, was „für einen Abschied“ heißt, oder „Walz for Betty“, vom Akkordeonvirtuosen der Ehefrau gewidmet. Oder auch „Libertango“ von Astor Piazzolla, das hier in ganz neuer Weise erschien – und dessen Grundthema wie alle Stücke des Konzerts durch die Improvisation lebte. Mal in der Duo-Version oder mit dem Klavier im Trio.

Das Publikum war begeistert und konnte schließlich noch Zugaben erwirken, bei denen alle drei Musiker am Piano sechshändig den „C Jam Blues“ spielten, was für geradezu frenetischen Applaus sorgte, aber auch das Ende des Konzerts einläutete.