Rangendingen Immer schön auf die Bänkle achten!

Da ist ein Plätzle frei. Wer auf einem der neuen Rangendinger Mitfahrbänkle sitzt, der signalisiert allen Vorbeifahrenden: Ich will mitgenommen werden!
Da ist ein Plätzle frei. Wer auf einem der neuen Rangendinger Mitfahrbänkle sitzt, der signalisiert allen Vorbeifahrenden: Ich will mitgenommen werden! © Foto: Alis Janz
Rangendingen / Ernst Klett 22.08.2018
In Rangendingen hat die Gemeinde jetzt Mitfahrbänkle aufgestellt. Dasist Bürgerservice und schont die Umwelt.

Wer heutzutage an der Straße steht und den Daumen raushält, gehört zu den Dinosauriern: Trampen ist so was von aus der Mode gekommen! Dabei war es doch überaus praktisch. Den Geldbeutel hat’s geschont, man kam zu jeder Tages- und Nachtzeit weg von daheim und wieder zurück – und wer einen mitgenommen hat, der erhielt zum Dank nette Gesellschaft; meistens jedenfalls. Aber diese Zeit ist eigentlich passé – oder eben nicht.

Denn es gibt einen Nachfolger, der vor allem auch die ältere Generation anspricht: Die sogenannten Mitfahrbänkle sind das Trampen von heute. Im Hohenzollerischen macht wieder einmal Rangendingen den Vorreiter in Sachen Innovation und Bürgerservice. Seit voriger Woche sind mehrere Mitfahrgelegenheiten in allen drei Ortsteilen aufgestellt. Wie die Resonanz ist, da muss die Gemeinde verständlicher Weise derzeit noch passen. „Es ist zu früh, wir machen erst noch Werbung dafür“, sagt Ordnungsamtsleiter Oliver Freiberg.

In einer stattlichen Flächengemeinde wie Rangendingen mit weiträumigen Neubaugebieten, die teilweise ziemlich markant  entfernt sind vom Ortskern und den Einkaufsmöglichkeiten, noch dazu mit zwei Ortsteilen, die nicht gleich ums Eck liegen, da sollte diese ganz neue Art von Bürgerservice eine Erfolgsgarantie eingebaut haben. Denn nicht jeder hat ein Auto griffbereit, und der ÖPNV hat sich im Gegensatz zu früheren Jahren zwar mächtig ins Zeug gelegt, aber auf den Bus wartet man auch heute noch oftmals ewig oder vergeblich.

Die Rangendinger Mitfahrbänkle sind ganz so, wie es sich gehört und wie sie es in etlichen Gemeinden in Baden-Württemberg bereits gibt: Sie liegen an gut frequentierten Stellen, sind schon von weitem zu sehen, und sie haben sogar Täfele, auf denen der Mitfahrwunsch angegeben werden kann. Die Bänke selbst machen einen durchaus komfortablen Eindruck – und sind bestens erkennbar am ausgereckten Daumen im Wind.

In der Ortsmitte ist die Tramperstelle von heute neben dem Gasthaus „Rössle“ installiert worden. Ein weiteres Bänkle steht im Neubaugebiet „Hätzgert“ an der Lehmgrubenstraße. Dort kann man mit Täfelehilfe wählen zwischen „Ortsmitte“ und „Einkaufsmärkte“. Die beiden Ortsteile sind ebenfalls versorgt worden. In Bietenhaussen wie in Höfendorf hat der Bauhof der Gemeinde ganze Arbeit geleistet an den beiden Hauptstraßen. Klar, dass an den Ortsteil-Bänken die Kerngemeinde auf dem Täfele steht. In Bietenhausen findet sich außerdem der Grenzübertritt mit „Hirrlingen“ auf dem Schildle, in Höfendorf kann man auch „Haigerloch“ wählen.

Jetzt braucht es nur noch die ersten Mutigen, die sich auf ein Bänkle setzen. Die Erfahrung zeigt, dass die Autofahrer flott dabei sind, wenn es darum geht, jemand mitzunehmen. Vor allem dann, wenn man sich sowieso kennt. Vorteile haben durch die Bänkle nicht nur die Mitgenommenen: Fahrgemeinschaften entlasten bekanntlich die Umwelt!

Das ist reguliertes Trampen!

Total einfach Wie geht das eigentlich genau mit den neuen Rangendinger Mitfahrbänkle? Kein Problem: einfach draufsetzen! Das signalisiert allen Vorbeifahrenden: Hier ist ein Mensch, der würde gern mitgenommen werden. Spannend wird sein, wer sich das in Rangendingen, Bietenhausen und Höfendorf so alles traut. Aber nur nicht verzagen: Die Erfahrungen in anderen Gemeinden zeigen, dass es nach einer kleinen Anfangszeit schon funktionieren wird.

Alles freiwillig Das Mitfahrbänkle beruht auf gegenseitigen Freiwilligkeiten: Jedem Fahrer steht es frei, jemanden, der da einsam vor sich hinsitzt oder schon fröhlich winkt, mitzunehmen oder eben nicht. Selbiges gilt für den potenziellen Mitfahrer („Zu dem setz ich mich nicht ins Auto!“).

Und die Sicherheit? Das Mitfahrbänkle-Modell ist eine Vereinbarung zwischen Fahrer und Mitfahrer. Die Gemeinden übernehmen keine Haftung. Ein Unfall, auch mit Personenschaden, muss über die Kfz-Haftpflichtversicherung der Fahrer abgedeckt sein.

Keine Kinder! Zum Thema Sicherheit gehört unbedingt der Hinweis, dass die Autofahrer gebeten werden, keine Kinder unter 14 Jahren mitzunehmen. Deren Eltern wiederum sind aufgefordert, ihre Kinder zu informieren, dass sie sich weder auf ein Mitfahrbänkle setzen, noch in andere Autos einsteigen sollen.

Grüße aus dem Steinlachtal Was Rangendingen im Hohenzollerischen vormacht, gibt es seit diesem Sommer in Dußlingen. In der 6000-Einwohner-Gemeinde an der B 27 stehen mittlerweile acht (!) Mitfahrbänkle. In der sehr weit verzweigten Ortschaft können sich die Autofahrer mithilfe einer Plakette, die an die Windschutzscheibe geklebt wird, als Teilnehmer des Projekts kenntlich machen. In Dußlingen hat man außer Bürgerservice und Umweltschutz einen weiteren Aspekt entdeckt: Die Aktion dient ebenfalls dem Zusammenwachsen – die Leute kommen miteinander ins Gespräch! kle

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