Boll Im Reich der Wunder

Boll / MATTHIAS BADURA 23.08.2012
Von Wundern und Legenden, die sich auf Maria Zell zugetragen haben sollen, erzählte Peter Beck bei der letzten HZ-Türöffneraktion diesen Jahres am Mittwoch. Andächtige Stimmung? Eigentlich eher nicht.

Ja, man spürte sie, diese eigentümliche Ruhe, diese Kraft, die von dem Platz ausgeht, man ist gebannt vom Ausblick ins weite Land, ist ergriffen, wenn man die Votivtafeln und Heiligenbilder sieht, auf die sich fromme Hoffnungen richteten – und noch immer richten.

Stumme Ehrfurcht? Nur teilweise. Die Leserinnen und Leser, die sich für diese letzte HZ-Türöffneraktion des Sommers 2012 angemeldet hatten, waren blendender Laune. Zwischen den profunden Ausführungen Peter Becks gab es einiges zu lachen. So als er von der Legende berichtete, laut der Maria Zell einst von Engeln auf die Höhe oberhalb Bolls zurück getragen wurde. Die Dörfler, heißt es, hatten das Wallfahrtskirchlein zuvor abgetragen und im Ort neu aufgebaut, weil ihnen der Weg hinauf zu weit war. Das habe aber dem Herrgott nicht gefallen. Daraufhin schickte er seine Heerscharen.

Der Junginger HZ-Leser Kurt Kleinmann ulkte dagegen, die Engel wollten die Kapelle in Wahrheit abstellen, seien aber mit ihr geflüchtet, nachdem sie des Dorfes ansichtig wurden. Beck, nicht auf den Mund gefallen, neckte zurück, Kleinmann als gebürtiger Zimmerner verbreite da ganz offensichtlich Ansichten von „hinter dem Zoller“ (was man als „von hinter dem Mond“ verstehen konnte).

Auf diese Weise – zwischen Gelächter und Gelehrsamkeit – verging die Zeit im Fluge. Vor dem Abstieg gab’s zudem noch zwei Schmankerln: Beck hatte die Monstranz des Hauses mitgebracht, die man sonst kaum zu sehen bekommt. Außerdem durften die Besucher die Glocken läuten. Ursprünglich wollte Beck mit seinen Gästen noch auf den Dachstuhl steigen. Doch der Vorsitzende des Fördervereins Maria Zell verwarf sein Vorhaben: Es sei am heutigen Mittwoch da oben schlichtweg zu heiß. Das war einzusehen. Auch so hatte man viel geschaut, viel gehört und eine Fülle von Eindrücken gewonnen.

Zurück ging es entlang des Kreuzweges, der vor rund 20 Jahren erstellt wurde, nachdem man zufällig dessen Reliefs (wieder-)entdeckt hatte. Jahrzehntelang lagen die Darstellungen von der Passion Jesu im Pfarrhaus. Zwei Kriege hatten das von den Urgroßvätern geplante Kreuzwegs-Vorhaben in Vergessenheit geraten lassen.

Angekommen standen Butterbrezeln, Sprudel, Bier und Säfte bereit. Beck musste noch viele Fragen beantworten, durfte aber auch mehrfach Komplimente für seine Führung entgegen nehmen. Die gab’s auch für die HZ. Die Türöffneraktionen, heiß es, seien ein echtes Sommer-Glanzlicht. So nah komme man sonst an viele Sehenswürdigkeiten nicht heran! Das hören wir natürlich gerne. Aber im Vertrauen: Den Redakteurinnen und Redakteuren haben die Aktionen genauso viel Spaß gemacht. Dass es im nächsten Jahr eine Neuauflage gibt, ist ziemlich sicher.

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