Jungingen Im Museum wohnen

Jungingen / HORST BENDIX 19.05.2015
Nach sieben anstrengenden Jahren Umbauzeit ist das ehemalige Junginger Handtlehaus in der Bruckstraße zu einem wahren Schmuckstück geworden. Hut ab vor dem Bauherren Wolfgang Blendinger.

Es ist ein Stück Heimatgeschichte und ein absoluter Hingucker außen wie innen, das Gebäude Bruckstraße 7 mittendrin in Jungingen. Zum größten Teil hat es Professor Wolfgang Blendinger in Eigenarbeit fast originalgetreu umgebaut. Das Bauernhaus hat eine 330-jährige Historie. Hut ab also Wolfgang Blendinger, dem Umbaumeister.

"Vielleicht gibt es noch ein Einweihungsfest, das könnte ich mir gut vorstellen, der Hofraum eignet sich hervorragend dafür", sagt der kernige Franke. Seit rund 30 Jahren ist die Familie Blendinger, die einst von Clausthal hergezogen ist, im Killertal zuhause. Seine Frau Dr. Eva Blendinger ist stellvertretende Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Jungingen.

Ganz viel Herzblut hat der Geologe in den Umbau des 1735 errichteten Bauernhauses gesteckt. Jetzt ist es ein Vorzeigeobjekt geworden. Das Ehepaar hat das Anwesen damit vor dem definitiven Verfall gerettet. Menschen wie Wolfgang Blendinger braucht das Dorf also unbedingt. Er geht seinen Weg geradeaus, und das hat ihm auch in Jungingen viel Sympathie eingebracht.

Der Wissenschaftler hat vor sieben Jahren damit begonnen, in der Bruckstraße die Ärmel hochzukrempeln. Es hat ihm unheimlich Spaß gemacht, ein altes Gebäude wieder zu neuem Leben zu erwecken. Fast jede freie Minute hat der Geologe, der an der Technischen Universität Clausthal einen Lehrauftrag hat, in den Umbau gesteckt und geschafft ohne Ende. Die Außenwände waren schadhaft, Risse gab es in den tragenden Teilen, undichte Fugen, mangelhaften Wandputz und teils abgefaulte Holzbalkenköpfe. Die Holzdielen waren durchgetreten, das Dach hatte Schäden, Fliesen- und Plattenbeläge waren gerissen, Türbeschläge waren defekt, Holzrahmen undicht und verzogen, es gab nur Einfachfenster, dafür Schädlinge an Holzteilen, um nur einmal die Mängel im Groben festzuhalten. Das alles fand der Geologe vor, als er dieses Eindach-Bauernhaus vor 27 Jahren kaufte.

Zunächst wurde gebuddelt: Schubkarre um Schubkarre musste herausgekarrt werden, und um die 160 Tonnen waren es. Die Lehm-Flechtwerke aus den historischen Holzkonstruktionen wurden freigelegt. Es wurde gehämmert, gezimmert, gemalt. Alles schaffte der Bauherr aber nicht in Eigenregie. Auch Fachfirmen, die sich mit historischen Gebäuden auskennen, waren miteinbezogen.

Fenster mit Schiebeflügeln, auch Gucklöcher genannt, entsprechend den Originalen neu hergestellt, bilden jetzt putzige Gebilde. Die gemauerten russischen Kaminzüge mit Lüftungsschächten in fast jedem Raum bis unters Dach stellen etwas wirklich nicht Alltägliches dar. Etwas Besonderes sind ebenso die drei Kachelöfen mit handgefertigten Kacheln. Auf Beton und Plastik wurde beim Umbau komplett verzichtet, betont Wolfgang Blendinger.

In den wohlig-warmen Räumen stehen zum Teil restaurierte Erbstücke, auf die der Besitzer ebenfalls stolz ist. Den ältesten Gebäudeteil des Anwesens bildet die Scheune, die 1687 als freistehendes Areal errichtet wurde. Das Bauernhaus ist vielen Jungingern als Handtlehaus bekannt, weil der ehemalige Besitzer, der Handtle-Matheis, von 1842 bis 1930 darin wohnte. "Ich würde das immer wieder so machen", bekräftigt Wolfgang Blendinger.

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