Das über 100 Jahre alte, morsch gewordene Feldkreuz auf dem Langwasen wurde jetzt vom Junginger Bauhof abgetragen und durch ein neues, fünf Meter langes und zwei Meter breites Holzkreuz aus Eiche ersetzt. Auch der Korpus, 1,50 Meter lang und 1,30 Meter breit, wurde von Malermeister Bertram Kohler abgeschliffen und neu gestrichen.

Dieses schwere Eichenkreuz wurde 1899 von der politischen Gemeinde errichtet, den Korpus stiftete einst Pfarrer Karl Haiß, der aus Jungingen stammte und Pfarrer in Feldhausen war.

Ortschronistin und Pfarrgemeinderätin Wilma Evers hat sich um die inzwischen fast unleserlichen Zeugnisse und Dokumente, die unter anderem in einer Urkunde in einer Schatulle verschlossenen waren, gekümmert und alles fein säuberlich aufgeschrieben, damit man auch noch in späteren Jahren davon weiß. Außerdem hat sie von verschiedenen Sponsoren Geld erhalten, um die Restaurierung teilweise bezahlen zu können. Die Gemeinde spendete das Eichenholz, wie der stellvertretende Bauhofleiter Frieder Heitzmann erzählt.

Das alte Kreuz hat fast 40 Jahre auf stürmischer Höhe gestanden - und Wind und Wetter standgehalten. Dennoch wurde es nach und nach reparaturbedürftig, weshalb sich einst der damalige Pfarrer Benno Kramer des morschen Kreuzes angenommen hatte. Am Himmelfahrtstag, am 18. Mai 1939, erhielt es erneut seine feierliche Weihe. In der Schatulle wurden eine Urkunde sowie verschiedene Bildzeichen, Reliquien und alte Medaillen beigelegt.

Pfarrer Benno Kramer schrieb dazu: "Möge durch die Fürbitte und den Segen all der nun Genannten von der Höhe dieses Kreuzes herab ein großer, ständiger Gnadensegen herabfließen auf die heutige Gemeinde, für die ja unser Heiland auch gestorben ist, für die sein Kreuz ja auch zum Segensspender geworden ist. Wir haben so traurige Zeiten in denen wir z. Zt. Leben. Von Osten her (Polen) drohen Gefahren eines schrecklichen, alles verheerenden Krieges - eines neuen Weltkrieges. Unsere Religion hat im eigenen Reiche so viele und große Verfolgungen auszustehen, man hat vor nicht zu langer Zeit da und dort Wegkreuze, Feldkreuze umgeworfen und beseitigt. In Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, öffentlichen Vorträgen und Reden, in Bildern wird der heilige Glaube, seine Einrichtungen, Papst, Bischöfe, Priester, Ordensleute verspottet, verächtlich gemacht, verlacht, so dass viele darob wenigstens innerlich abfallen oder sehr kalt werden. Abfall vom Glauben - Austritt aus der Kirche, Wegbleiben vom Gottesdienst und den Sakramenten, nur Zivilehe, Ausgelassenheit, revolutionärer Geist gegen alles Kirchlich-Katholische werden systematisch gefördert. Schlechte fallen ab, Gute schwanken und ganz klein ist die Zahl derer, auf die man sich noch verlassen kann! Und in dieser Zeit errichten wir das Kreuz von Neuem - O Heiland am Kreuze! Erlöser! Gott! Durch dein hl. Leiden und Sterben, durch dein hl. göttliches Blut, durch deine Allmacht, Weisheit und allmächtige Gnade schütze und segne jeden Augenblick diese Gemeinde Jungingen! Halte alles Schädliche und Diabolische von ihr stets fern, erhalte sie im Glauben und in der Treue zu dir, wofür dieses Kreuz das Symbol ist. Jungingen, am Feste Kreuz Auffindung. Benno Kramer, Pfarrer."

Und noch eine Abschrift eines Dokumentes, das Pfarrer Eugen Wessner im Jahre 1974, als das Kreuz erneut renoviert wurde, dem Kreuz beilegte, kündete von der damaligen, schwierigen Zeit: "Dieses Kreuz, das im Jahre 1939 erneuert wurde, ist im März dieses Jahres (1974) durch einen Sturm umgerissen worden, weil der untere Teil des Kreuzes morsch und faul war. Auf mein Bitten hin haben die Gemeindearbeiter das Kreuz in die Malerwerkstätte Emil Kohler transportiert; der morsche Teil wurde abgesägt, und der übrige Teil des Kreuzes, der noch in gutem Zustand ist, neu gestrichen; auch der Corpus wurde neu gefasst und zum Teil vergoldet. Malermeister Emil Kohler, der diese Arbeiten unentgeltlich ausführte, sei dafür ein herzliches Vergelt's Gott gesagt. Am 10. Juni 1974, am Tage nach Dreifaltigkeit, wurde das Kreuz von den Gemeindearbeitern unter Anleitung des derzeitigen Gemeindebaumeisters Karl Lepold im Beisein des Bürgermeisters Norbert King und des Pfarrers Eugen Wessner neu gesetzt und aufgestellt. Damit das Kreuz die entsprechende Länge behielt, wurde es unten durch eine Eisenhülse verlängert und in die Erde einzementiert. Die Aufstellungsarbeiten waren sehr schwer, weil das Kreuz mit dem großen Corpus und dem Eisenuntersatz ein gewaltiges Gewicht hat; ferner zog zu dieser Stunde ein schweres Gewitter über die Gemeinde und das Tal hin, wobei es an mehreren Orten Hagel gab. Weil dieses Kreuz auf eine Stiftung der politischen Gemeinde zurückgeht, hat sie auch jetzt die notwendigen Transport- und Aufstellungsarbeiten kostenlos ausgeführt, wofür der Gemeinde und den Arbeitern herzlich gedankt wird. Das Kreuz erhielt 1939 seine kirchliche Weihe; ich habe daher in aller Stille diese Weihe erneuert. Und nun grüßt es wieder von der Höhe herab auf die Gemeinde und ihre Bewohner, und mahnt sie zur Treue im Glauben und zum Vetrauen auf die Kraft und die Gnade des gekreuzigten Herrn. Im Kreuz ist Heil!"

Einige zeitgeschichtliche Dokumente wurden beigelegt, die Zeit- und Lebensverhältnisse aufgezeigt, Luxus, Lebensstandard, Vergnügungsrummel. . . sind vielfach übertrieben, schreibt Pfarrer Wessner, "aber eigentlich geht es den Menschen gut, der Wohlstand blüht, und trotzdem sind die Menschen unzufrieden. Richtig gesehen, ist es trotz viel Schönem eine schwierige Welt und Zeit!"

Jetzt wartet das große Eichenkreuz noch auf ein Kupferdach, das ebenfalls im Bauhof angefertigt wird, und spätestens im Spätherbst wird es wieder von der Höhe herab Jungingen und seine Bewohner grüßen.