Boll Im Klangfarbengarten des barocken Italien

Das Konzert in Maria Zell war ein Musikerlebnis.
Das Konzert in Maria Zell war ein Musikerlebnis. © Foto: Antonia Lezerkoss
Boll / Antonia Lezerkoss 20.06.2018
Feinste Kammermusik: Spaziergang durch die italienische Geigenmusik in der Wallfahrtskirche Maria Zell.

„Violinissimo“ – virtuose Geigenmusik und klangvolle Namen italienischer Barockkomponisten bestimmten den Auftakt des kleinen Hechinger Kammermusikzyklus unter der Leitung des Geigenvirtuosen Jochen Brusch. Den stimmungsvollen Rahmen für die Eröffnung der  Reihe „Musikerlebnissen an schönen Orten“ bildete am Sonntag die Wallfahrtskirche Maria Zell. Kompositionen bekannter Meister wie Paganini, Tartini und Corelli waren ebenso zu hören wie Werke der weniger bekannten Tondichter Viotti oder Veracini.

Leichtfüßig und tonschön und leitete Francesco Maria Veracini in den blühenden Klangfarbengarten „all’italiano“ ein und schon bei den ersten Tönen faszinierte das exzellente Zusammenspiel des Solisten Brusch mit dem Ensemble Roswitha Bettecken und Steffen Patzold, Violine, Anita Beitel auf der Viola und Martin Dinkel am Cello.

Der Satan selbst habe ihm im Traum die Töne zu seiner „Teufelstriller-Sonate“ beigebracht, so behauptete es Giuseppe Tartini . Eine musikalische Auseinandersetzung zwischen „teuflischem“ Allegro und „himmlischen“ Adagio: Erklang soeben noch Musik von engelszarter Innigkeit, so entführte ein personifiziertes Teufelchen im nächsten Moment mit seinem dämonischen Verzierungswirbel auf schwindelerregende Höhen. Diese spieltechnisch äußerst anspruchsvolle Komposition entschlüsselte Jochen Brusch mit geschliffener Eleganz und überlegener Leichtigkeit. Strahlend und klar in der Höhe, satt und dennoch schlank in der Mitte, am schönsten in der Tiefe: kraftvoll, rund und stattlich. Mit betörendem Geigenklang und der ganzen Bandbreite der spieltechnischen Möglichkeiten seines Instrumentes: rasanten Tonreihen, Kombination von Staccato-, Spiccato- und Legato-Spiel, phänomenalen Doppelgriffkombinationen und kunstvoller Triller-Ornamentik, verlieh er  virtuosem Passagenwerk Präsenz und Klarheit – und pastoralen Passagen lebendige Frische.  Giovanni Battista Viottis „Meditazione in preghiera“ war ein  Augenblick voller Intimität und Kontemplation. Paganini… wie viel Zauber liegt in diesem Wort!  Schon zu seinen Lebzeiten entwickelte sich ein Mythos um den Virtuosen. Mit transparentem Klang, melodiös und elegant musizierendem Solisten und Ensemble erklang das „Adagio E-dur“. Und zur Freude des Publikums. Außerdem das Tanzthema im „Rondo in a-Moll“ – beschwingt im unterhaltenden Tonfall der ­damaligen Zeit, und zeigte damit eine andere Facette des ­Kom­ponisten. Erlesen schön am Ende das „O Sanctissima“ von  Corelli.

Zweites Konzert: Die slawische Seele

Das zweite Konzert im Rahmen des Kleinen Hechinger Kammermusikzyklus findet am Sonntag, 24. Juni, um 11 Uhr in der Villa Eugenia statt.  Alexander Reitenbach ist dieses Mal zusammen mit dem Quartetto Sensa Parole zu hören, das sich  Izabela Wiza-Kochmann und Wolfgang Grosch (Violine), Iryna Schenk (Viola) und Sven Mühleck (Cello) zusammensetzt. Zunächst erklingt mit Dvoraks Quintett eine Perle der Kammermusik, bevor man in Chopins f-moll Konzert einer Musik voller Poesie und Brillanz begegnet. Karten sind für zwölf Euro je Konzert (ermäßigt sechs Euro)  an den Tageskassen erhältlich.

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