Hechingen Im Internet wird am meisten gemobbt

Hechingen / Melanie Steitz 08.11.2018
Die Sechst- und Siebtklässler des Gymnasiums Hechingen erlebten einen Anti-Mobbing-Tag. Es gab auch Workshops.

Ganz schön harter Stoff war das für die Sechst- und Siebtklässler beim Anti-Mobbing-Tag 2018 des Gymnasiums Hechingen. „Romeo @dded Julia reloaded“ hieß das Theaterstück, das Ulla Guhl und Juliane Meckert von „Bühnengold“ am Donnerstag in der Aula aufführten.

Es ging dabei um Cyber-Mobbing – in Anlehnung an den dadurch verursachten Selbstmord der 15-jährigen Amanda Todd aus der Nähe von Vancouver. Im Theaterstück ist Romeo der Täter und Julia die Gepeinigte. Sie wird in der Geschichte aber am Ende von Max, dem wahren Freund, gerettet.

Wolfgang Nägele, Lehrer des Organisationsteam des zum fünften Mal stattfindenden Anti-Mobbing-Tags, weiß, dass das keine leichte Kost war. Nach der Darbietung kamen die Schauspieler mit den Schülern daher darüber ins Gespräch. Es sei genau das passende Alter, in dem die Kinder mit solchen Themen in Berührung kommen. Kaum einer lese die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), bevor eine App von Instagram oder WhatsApp benutzt wird. „Das Internet ist der Ort, wo am meisten gemobbt wird“, urteilt Nägele.

Ein Rap-Song für Julia

„Das war ein Stück, das die Schüler absolut berührt hat“, erzählt Nägele. Vertieft wurde Mobbing dann durch anschließende Workshops, deren Ergebnisse um die Mittagszeit vor allen in der Aula präsentiert wurden. Die Klasse 6c rappte zum Beispiel und 7b sowie 7c erklärten auf Plakaten, was in den AGBs der sozialen Netzerwerke von Instagram bis Snapchat tatsächlich steht.

Schulleiterin Melanie Dreher über Mobbing generell: „Klar, das geht auch an unserem Gymnasium nicht vorbei.“ Vor allem im Netz wird beleidigt, weiß auch sie. „Da ist die Hemmschwelle niedriger“, so Dreher. Obwohl sich Fünft- und Sechstklässler erst ab 14 Jahren bei WhatsApp anmelden dürfen, chatten sie trotzdem schon dort und bilden dann Läster-Gruppen.

158 Kinder machen mit

Ziel des Anti-Mobbing-Tags war laut Dreher daher: „Die Schüler müssen sensibilisiert werden, wie man richtig miteinander umgeht.“ Auch Empathie sollen sie entwickeln, um zu verstehen, was jenes Verhalten bei anderen auslöst. Die zwölfjährige Vivien aus der 6c findet es gut, dass die Gymnasiasten auf die Problematik hingewiesen werden, der Tag habe Spaß gemacht. Mitschülerin Melek ergänzt: „In unserer Klasse wird niemand gemobbt.“ Nur kleine Hänseleien gebe es manchmal.

Einen ganzen Werkzeugkasten gaben die Lehrer und Referendare den 158 Schülern am Donnerstag mit auf den Weg. Neun Betreuer, vor allem Referendare, weil 25 Mitglieder des Kollegiums beim Lions-Quest-Fortbildungsprogramm „Erwachsen werden und erwachsen handeln“ geschult wurden, managten das Projekt, das vom Förderverein der Schule zur Hälfte finanziert wurde. Der Anti-Mobbing-Tag war einer von vier besonderen pädagogischen Tagen, die heute ihr Ende finden.

Wie die Schüler sich nun in Zukunft anderen Gleichaltrigen gegenüber verhalten und die erlernten „Utensilien“ einsetzen, haben die Lehrer aber nicht in der Hand.

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