Bürgermeister – lieber nicht: So lautete am Dienstag eine Schlagzeile in der HZ. Der Artikel handelte davon, wie unattraktiv der Job des Rathauschefs in kleinen Gemeinden geworden ist. Gelesen hatte ihn auch Matthias Miklautz, der Leiter der Geschäftsstelle Zollernalbkreis der Industrie- und Handelskammer (IHK). Für seine Moderation des IHK-Wahlpodiums zur Junginger Bürgermeisterwahl nutzte er den Beitrag als Einstieg. In Jungingen, so Miklautz, sei das ganz anders. Hier gebe es „drei diplomierte, hochmotivierte, absolut ernst zu nehmende Kandidaten“. Das hielt er aber auch nicht für verwunderlich. Schließlich sei die Killertalgemeinde schuldenfrei, habe einen intakten Gemeinderat, tolle Unternehmen und ein Einpendler-Plus. „Wer“, so fragte Miklautz rhetorisch, „möchte da nicht Bürgermeister werden?“

Fast 30 Unternehmer bei Ridi

Annähernd 30 der tollen Junginger Unternehmer hatten sich am Dienstagabend im schicken neuen Ausstellungsgebäude von Ridi Leuchten versammelt, um die drei Männer zu erleben, die ganz dezidiert Junginger Bürgermeister werden wollen: Michael Stehle, Jürgen Kleinmann und Oliver Simmendinger. Waren beim HZ-Podium vor Wochenfrist die vielen Fragen des großen Publikums im Mittelpunkt gestanden, so ging es in der vergleichsweise kleinen Runde speziell um Wirtschaftsthemen. Und da gab es welche, zu denen es unter den drei Bewerbern keine zwei Meinungen gab: vorneweg die Gewerbesteuer. Seit 1998 liegt diese in Jungingen konstant bei (unterdurchschnittlichen) 330 Prozentpunkten. Und das soll auch so bleiben. Diese Zusage rang Matthias Miklautz allen Bewerbern ab. Allein die Wortwahl variierte. „Es gibt keinen Grund zur Erhöhung“, sagten die beiden Junginger Kleinmann und Simmendinger unisono, während der Weildorfer Michael Stehle die Chance nutzte, den versammelten Geschäftsleuten ein dickes Kompliment zu machen: „Nur weil Sie alle so gut gewirtschaftet haben, steht Jungingen so gut da.“

Perfekt, Perle, wie im Urlaub

Ja, Jungingen steht gut da. Das rühmten alle Bewerber wortreich, als sie nach ihrem Rezept gegen den Fachkräftemangel gefragt wurden. „Wir sind eine perfekte Gemeinde“, sagte Oliver Simmendinger, „unser Gewerbe ist so innovativ“. Darauf müsse die Aufmerksamkeit mehr gelenkt werden, wenn es darum gehe, Fachkräfte anzulocken. Bessere Werbung also? Da hatte Michael Stehle eine Idee: „die Homepage der Gemeinde aufhübschen“. Damit sei es aber nicht getan: „Wenn sich jemand in der Perle des Killertales niederlassen will, dann braucht er auch Bauland.“ Und die vorhandene Infrastruktur müsse bewahrt werden – samt günstiger weicher Faktoren. Nur so könne es gelingen, zum Beispiel eines Tages eine Nachfolge für die Arztpraxis zu finden.

„Die Gemeinde muss für alle Altersgruppen attraktiv sein“, befand Jürgen Kleinmann. Wohnqualität und Landschaft, schwärmte er, seien „wie im Urlaub“. Was aber fehle, sei ein Seniorenzentrum. Und außer einem neuen Baugebiet könnte die Gemeinde auch mit einer Baulücken- und Leerstandsbörse beim Vermitteln helfen.

Kaum unterschieden sich die Auffassungen der Bewerber von einer „wirtschaftsfreundlichen Verwaltung“. Stehle sah sich, wäre er Bürgermeister, als „erster Ansprechpartner und Vertrauensperson“ für die Unternehmer, Kleinmann als „Wirtschaftsförderer“, der vor allem „lösungsorientiert denkt“ und „Strippen zieht“. Simmendinger betonte derweil die Willen, vorhandene Defizite aufzudecken. Sein Eindruck ist, dass manches im Junginger Rathaus in der jüngeren Vergangenheit „nicht so lief, wie man es sich vorstellt“. Da will er „die Qualität der Arbeit verbessern“ und sich dafür auch die Digitalisierung zunutze machen.

4G oder E auf dem Handy?

Für eine digitale Zukunft braucht es gute Bandbreiten. Die will jeder, doch die Einschätzung des Status quo fiel unterschiedlich aus. Während Simmendinger meinte, Jungingen stehe nicht so schlecht da („Ich hab’ 4G“), sah Stehle enormen Handlungsbedarf. „Ich habe gerade E“, stellte er mit Blick auf sein Smartphone fest. Dennoch will er die jüngst beim Regionalverband verbreitete Einschätzung, dass die Zollernalb in Sachen 5G „in Jahrzehnten denken“ müsse, nicht hinnehmen, denn: „Ich bin ein Macher.“ Also wolle er wissen, was der „Masterplan“ des Landratsamtes für Jungingen vorsehe.

Dass das Gewerbegebiet „An der Sägmühle“ in Richtung Schlatt ausgedehnt werden soll, ist für alle drei Bewerber unstrittig. Doch das wird dauern. Deshalb wollte Moderator Miklautz wissen, was die erste Amtshandlung des neuen Bürgermeisters sei, von der Unternehmen merklich profitieren. Der erfahrene Verwaltungsmann Stehle kündigte an, er werde mit den Nachbarbürgermeistern in der Verwaltungsgemeinschaft, Hahn und Widmaier, sprechen, um die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes und damit die Ausdehnung des Gewerbegebietes fix zu machen. Simmendinger kündigte an, eine Gewerbeschau samt Karrieretag initiieren zu wollen. Kleinmann fand diese Idee so gut, dass er sich ihr gleich anschloss.

Hochwasserschutz nach Kassenlage?

Noch Differenzen gefällig? Die traten auf, als der Hausherr, Ridi-Chef Manfred Diez, nach dem Hochwasserschutz fragte. Während Kleinmann und Simmendinger davon sprachen, die Machbarkeitsstudie für ein Rückhaltebecken oberhalb von Jungingen abwarten zu wollen, um dann darüber zu diskutieren, ob ein solches finanzierbar wäre, schüttelte Stehle heftig mit dem Kopf: „Hochwasserschutz“, verkündete er, „ist Investitionsschutz“. Da könne man „nicht nur nach Haushaltslage agieren“. Seine erste Amtshandlung werde sein, zusammen mit dem Feuerwehrkommandanten den Katastrophenschutzplan fertig zu stellen.

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Jungingen

Wiedersehen am kommenden Montag


Die dritte Runde mit allen drei Kandidaten steigt am kommenden Montag, 9. Dezember, um 19 Uhr in der Festhalle. Dann ist die offizielle Kandidatenvorstellung der Gemeinde. Gewählt wird am Sonntag, 15. Dezember.