Rund 300 Vertreter aus Industrie und Handel dreier Landkreise sowie Gäste aus der Politik nahmen am Herbstempfang der IHK Reutlingen in der Stadthalle „Museum“ teil – in Hechingen, wo, wie Bürgermeister Philipp Hahn in seiner Begrüßung versicherte, es aufgrund einer guten Infrastruktur Freude bereite, Betriebe zu führen und auch zu gründen. Er habe, fiel ihm ein, noch einen Gewerbe-Bauplatz frei, im Nasswasen: 1,5 Hektar, mit Blick auf den Hohenzollern, günstigerweise „am Stück zu erwerben“. Wenn also jemand von den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern Interesse hätte...

Der Scherz des Bürgermeisters erntete Gelächter, ebenso wie der von IHK-Vizepräsident Dr. Thomas Lindner, der die Anwesenden in seiner Willkommensrede aufforderte, in kommenden Wochen die heimische Wirtschaft „im Rahmen des Weihnachtsshoppings kräftig zu unterstützen“.

Konjunkturabschwung hat die Region erreicht

Der Scherz hatte natürlich aufgrund einer sich abschwächenden Konjunktur einen ernsthaften Hintergrund. Die Auswirkungen der wirtschaftlichen Unsicherheiten auf internationaler Ebene – etwa der USA-China-Konflikt – seien inzwischen in der Region und im Zollernalbkreis angekommen, sagte Lindner. Die Konjunktur lasse nach, die Exportumsätze ebenfalls. Zu spüren sei das besonders unter den Automobilherstellern und -zulieferern. Andere Branchen stünden derzeit noch besser da. (Was man als Zuhörer freilich auch so interpretieren konnte, dass auch sie bald betroffen sein könnten.)

Die vergangenen zehn Jahre, bedauerte Lindner, habe die Politik „leider nicht genutzt, um ihre Hausaufgaben bei der Digitalisierung, beim Infrastrukturausbau oder im Bildungswesen zu machen.“ Hier sei möglichst schnell möglichst viel nachzuholen.

Unternehmer müssen ihrer Verantwortung gerecht werden

Zugleich erinnerte er an die Verantwortung der Unternehmer und an ihre Pflicht, als gestalterische Kräfte ihre Erfahrungen und Visionen in die Politik einzubringen. Und zugleich auf Missstände hinzuweisen.

Was die Zukunft aus seiner Sicht und nach heutigen Erkenntnissen für die Automobilindustrie bringen wird, führte als Festredner Dr. Stefan Wolf aus, Vorsitzender des Vorstands der Elring Klinger AG. Das Unternehmen ist der weltweit führende Produzent von Zylinderkopfdichtungen, arbeitet aber längst auch an der Erforschung und Entwicklung von Brennstoffzellen und Batterietechnologie.

Brennstoffmotoren wird es auch in Jahrzehnten noch geben...

Wolf gab sich in seinem Festvortrag überzeugt, dass es den Brennstoffmotor noch über das von Bundeskanzlerin Merkel proklamierte Jahr 2030 hinaus geben wird. Er zeigte sich weiter davon überzeugt, dass der Dieselmotor bei der geforderten Verringerung von Abgaswerten unverzichtbar bleibt

... doch der Elektromobilität gehört die Zukunft

Wolf ließ andererseits keinen Zweifel an seiner Überzeugung, die Zahl der mit Brennstoffzellen und Batterien betriebenen Fahrzeuge werde unaufhaltsam steigen. „Heute laufen rund 90 Millionen Verbrennungsmotoren in Fahrzeugen auf der ganzen Welt. In zehn bis 15 Jahren wird sich die Zahl halbiert haben.“

Natürlich sei noch viel entwicklungstechnische Arbeit zu leisten. Und vor allem fehle es an entsprechenden EnergieVersorgungsstellen. Doch der Wandel sei nicht aufzuhalten.

Im gleichen Maße, so sagte er voraus, würden sich die Produktionsverhältnisse ändern. Ein Verbrennunsmotor bestehe aus 3000 Teilen, ein Elektromotor aus rund 100. Folglich würden im Bereich der Fertigung und Montage Arbeitsplätze wegfallen, während allerdings in der Forschung und Entwicklung neue entstehen. Ob im gleichen Maße? Da meinte man Zweifel aus den Worten Wolfs heraus zu hören.

Wie hält man Schritt? Durch Flexibilität und mit permanenter Innovation!

Wie können Zulieferbetriebe diesen Herausforderungen begegnen? Indem sie sich auf Neues einlassen, flexibel bleiben, so die Antwort des Referenten. Für einige, räumte er ein, sei es aber wohl schon zu spät. Wer glaube, Elektrofahrzeuge würden sich nie auf breiter Ebene durchsetzen, der werde von der Entwicklung hinweg gefegt.

Wie sein Vorredner sah auch Wolf die Politik gefordert. Sie müsse das ihre dazu tun, damit Deutschland bei Innovationen an der Spitze bleibt. Andernfalls werde man vom asiatischen Raum auf dem Gebiet der Elektromotoren (vollends) überholt.

Abschließend forderte er nochmals auf, neue Antriebstechnik ebenso wie neue Mobilitätskonzepte und die Digitalisierung als Chance zu begreifen.

Thomas Lindner, der Wolf für sein spannendes Referat mit einem Präsent dankte, forderte das Publikum seinerseits auf. Nämlich, sich an vorbereiteten belegten Broten im Foyer gütlich zu tun. IHK-Präsident Christian Erbe habe sie samt und sonders für die Gäste geschmiert. Das war dann nochmal einen Lacher wert.

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