Fusion HzL: Eigenständigkeit weg, Arbeitsplätze garantiert

Hechingen / Hardy Kromer 24.07.2017

Diese Nachricht tut Eisenbahnromantikern und hohenzollerischen Traditionalisten gleichermaßen weh: Die 1899 gegründete Hohenzollerische Landesbahn (HzL) wird bald kein eigenständiges Unternehmen mehr sein – und Hechingen nicht länger seine Sitzgemeinde. Die unternehmerischen Weichen werden künftig vom südbadischen Lahr aus gestellt. Denn dort ist der große Partner daheim, unter dessen Dach die kleine HzL schlüpft: die Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft SWEG. Die beiden Verkehrsunternehmen (die schon lange ein und denselben Vorstand haben und gut zusammenarbeiten) wollen zum 1. Januar 2018
fusionieren.

Aber kommen wir doch gleich zu den guten Nachrichten, bevor zu viel Wehmut ausbricht. Die HzL-Busse und -Bahnen werden auch in Zukunft in Hohenzollern und weit darüber hinaus unterwegs sein, denn die Marke „HzL“ erhält im abzuschließenden Konsortialvertrag ebenso eine Bestandsgarantie wie die annähernd 300 HzL-Arbeitsplätze. Sämtliche Beschäftigte sollen auch in der Region bleiben können. „Keiner muss weg, der nicht will“, versprach HzL-Vorstand Johannes Müller im Gespräch mit der HZ. Wer freilich in der Zentrale des künftig 1300 Mitarbeiter zählenden SWEG-Unternehmens Karriere machen wolle, sei in Lahr herzlich willkommen.

Wichtig für die Region ist, dass die hohenzollerischen Unternehmensstandorte erhalten bleiben. Hechingen wird zwar nicht mehr Sitz der Hauptverwaltung sein, aber Betriebsleitung für die HzL-Verkehre. Außerdem ist zugesagt, dass der Güterverkehr des Gesamtunternehmens SWEG künftig von Hechingen aus gemanagt wird. Gammertingen behält das Bahnbetriebswerk und die Buswerkstatt, Immendingen bleibt ebenfalls Werkstattstandort.

Landrat Günther-Martin Pauli ist stolz darauf, dass auch die Landkreise Zollernalb und Sigmaringen Mitbesitzer bleiben und ein Mitspracherecht behalten. Beide Landkreise bekommen je 2,5 Prozent der Anteile an der fusionierten Gesellschaft. 95 Prozent werden dem Land Baden-Württemberg gehören. (Bislang sind die beiden Landkreise zu je 14 Prozent an der deutlich kleineren HzL beteiligt; das Land hält 72 Prozent der HzL und 100 Prozent der bisherigen SWEG.)

Das Mitspracherecht der Kommunalpolitiker hielt sich bei der jetzt vollzogenen Fusionsentscheidung freilich in engen Grenzen. Während die Landräte tapfer und erfolgreich verhandelten, blieb den Kreistagen in Balingen und Sigmaringen am Montag nur noch die Wahl der Zustimmung, von der sie einstimmig und ohne großes Murren Gebrauch machten. Von wie langer Hand die Fusion eingefädelt war, haben sie nämlich erst jüngst erfahren, als die Weichen im Stuttgarter Verkehrsministerium und im Kabinett längst gestellt waren.

Sachliche Gründe für die Notwendigkeit des Zusammenschlusses lieferte HzL-Vorstand Johannes Müller immerhin reichlich nach: Die HzL habe zwar eine lange Tradition und ein „sehr gutes Image“, das „infrastrukturelle Defizit“ betrage jedoch Jahr für Jahr anderthalb bis zwei Millionen Euro. Sollte die HzL nicht jahrelang „vor sich hindümpeln“, müssten die Eigentümer schon in diesem Jahr drei Millionen Euro Kapital nachschieben und in vier Jahren weitere drei Millionen. Der Zollernalbkreis wäre jedes mal mit einer halben Million Euro dabei.

Noch ein Dauer-Zuschussbetrieb, noch ein „Fass ohne Boden“ neben dem Zollernalb Klinikum – das konnte in Balingen niemand wollen.

HzL fährt den „Ulmer Stern“

Viel gravierender aber noch: Alleine sei die HzL mittlerweile viel zu klein, um sich erfolgreich an Ausschreibungen im Schienennahverkehr zu beteiligen und insbesondere mit der großen Deutschen Bahn zu konkurrieren. Ein Beispiel: Mit tatkräftiger Unterstützung des Partners SWEG ist es der HzL in diesem Jahr gelungen, den Wettbewerb um den „Ulmer Stern“, den Nahverkehr in und Ulm herum, zu gewinnen – was der HzL ab 2019 rund 35 neue Arbeitsplätze und einen neuen großen Markt beschert. Auf sich allein gestellt, so ließ Müller durchblicken, wäre die HzL in wenigen Jahren nicht mal mehr in der Lage, sich auf ihrer Stammstrecke im Killer- und Fehlatal zu behaupten. Der Zusammenschluss mit der SWEG – davon zeigten sich Müller, Landrat Pauli und alle Redner im Kreistag gleichermaßen überzeugt – sei für die HzL ein großes Plus in punkto Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.

118

Jahre alt ist die HzL. 1899 wurde sie vom Land Preußen, dem hohenzollerischen Landeskommunalverband und der Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft als Hohenzollerische Kleinbahngesellschaft gegründet.

Hohenzollern soll „raus aus dem Dieselloch“

Bestandteil des Fusionsvertrages ist eine mit dem Stuttgarter Verkehrs­ministerium abgestimmte Absichts­erklärung zur Elektrifizierung der Zollernbahnstrecken – sowohl der ZAB 1 von Tübingen über Hechingen nach Sigmaringen als auch der ZAB 2 im Killer- und Fehlatal. Gemeinsames Ziel sei, dass Südwürttemberg und Hohenzollern „aus dem Dieselloch rauskommen“, sagte Sigmaringens Landrätin Stefanie Bürkle vor der Presse. „Die Elektrifizierung“, betonte ihr Kollege Günther-Martin Pauli, „erreichen wir aber nur über die Regionalstadtbahn“. Und in deren Zug soll auch die Zweigleisigkeit auf Teilen der ZAB 1
erreicht werden. hy

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