Ganz tief Luft holen. So richtig weiß Viola Stengel derzeit keine Antwort auf die Frage, wie es mit ihrem Toto-Lotto- und Zeitschriftenladen weitergeht, wenn der Obertorplatz zur Riesenbaustelle wird. „Das lasse ich auf mich zukommen“, sagt die Geschäftsfrau. Und sie räumt ein: Es bleibe ihr ja auch nichts anders übrig. Die neue Zeitrechnung ohne Parkplätze fast direkt vor der Ladentür sollte am kommenden Montag beginnen. Die Ankündigung der Stadt im Rahmen der jüngst anberaumten Anliegerinformation im „Museum“ freilich kann nun etwas relativiert werden: Ganz so schnell sollen die Bautiger offenbar doch nicht alles vereinnahmen. Die aktuelle Sprachregelung: „In den kommenden Tagen.“ Zwar zählt für die Anlieger jede Stunde, in der die gut 90 bisherigen Stellplätze noch genutzt werden können, aber mit der ständigen Unsicherheit, wann’s denn tatsächlich losgeht, ist auch nicht gut zu leben.

Kunden wollen wegbleiben

Unter den vielen Stammkunden des Zeitschriftenladens zwischen dem Hotel-Restaurant „Klaiber“  und dem Eiscafé sind, so bedauert Viola Stengel, verschiedene, die angekündigt haben, fortzubleiben, wenn sie nicht mehr parken können. Das Argument, das Firstgelände sei doch gleich weit weg wie der Obertorplatz, scheint viele nicht zu überzeugen: Der Buckel dazwischen schreckt vor allem ältere Leute ab. Außerdem, so fürchten die Geschäftsleute, dürfte am First sowieso kein Plätzlein mehr frei sein, wenn oben gesperrt ist.

Viola Stengel ist stellvertretend für viele weitere Menschen, die am Obertorplatz ihr täglich Brot verdienen. Sie warten ab und harren der Dinge, die da kommen. Dass der Platz neu gemacht wird, das geht für die Ladeninhaberin absolut in Ordnung  – „der hat das nötig!“ Nur hätten halt auf dem neuen Areal viel mehr Parkplätze sein sollen.

„Wir werden reagieren“

Mit im Zentrum des Baugeschehens wird „Das Buch“ stehen: Der Zugang führt umwegig entweder durch die Baustelle oder daran vorbei. Ein Bauzaun droht ebenfalls, dazu Lärm und Schmutz. Inhaberin Susanne Menholz will jedoch erst einmal abwarten, ob es wirklich so schlimm kommt, wie sie insgeheim befürchtet. Ein Beitrag zum Gegensteuern: Bücher werden portofrei verschickt, und es gibt den Lieferservice. Bricht der Umsatz doch ein, unterstreicht die Buchhändlerin: „Dann werden wir reagieren!“ Die Kundschaft wird seit geraumer Zeit vorsichtig auf die veränderten Umstände vorbereitet. Eine bestimmte Reaktion kommt dann immer, erzählt Susanne Menholz: Die Frage nach dem Parken.

Stadtmarketing will beistehen

Das Stadtmarketing weiß eines ganz gewiss: Die Mitglieder und auch die anderen Geschäfte sollen nicht alleine gelassen werden. Sigfried Wischke, jetzt Pressesprecher des Vereins, kündigt Unterstützung an. Wie die genau aussehen wird, ist noch offen. Zu Weihnachten soll es auf jeden Fall eine Aktion geben.

„Ich warte jetzt ab“, sagt Oliver John Heugel, Chef des Hechinger Friseursalons „Oliver John“. „Wir harren jetzt der Dinge“, betont er. Seine Kunden wissen Bescheid. Oliver  Heugel hat sie bereits seit längerem darüber informiert. „Wir bekommen echt auch viel Zuspruch“, erzählt der Friseurmeister.  Er hoffe nun auf die Treue der Kunden, von denen trotzdem einige weiterhin den Laden trotz wegfallender, zentraler Parkmöglichkeiten besuchen wollen. „Wir hoffen jetzt einfach, dass es schadenfrei abläuft“, betont Oliver John Heugel.

Sorge wegen der Patienten

Wo seine Patienten ab demnächst  parken werden, weiß Dr. Wilfried Gfrörer, Unfallchirurg und Inhaber der gleichnamigen Praxis in der Frauengartenstraße, noch nicht. Täglich behandelt Gfrörer im Schnitt 100 bis 120 Menschen. Die meisten von ihnen sind schwer erkrankt und gehbehindert. „Fast jeder stöhnt“, sagt der Facharzt über seine Patienten. Für Dr. Gfrörer ist es besonders bedauerlich, da er sich schon seit Jahren „gigantische Parkmöglichkeiten“ durch eine Tiefgarage unter dem Obertorplatz gewünscht hatte, die nun aber definitiv nicht zur Verfügung stehen werden.

Adrien Nangoum, Inhaber der Stadtapotheke Hechingen, hat seine Kunden bereits seit vier Wochen mit einem Laufzettel, der auf dem Verkaufstresen liegt, informiert. Er hat ein Kontingent bei den öffentlichen Parkplätzen. Angst, dass diese nun  durch Nicht-Kunden stundenlang besetzt werden, hat er nicht. „Es gab immer schon Falschparker“, sagt er und fügt hinzu: „Wir wollen auf eine halbstündige Parkzeit begrenzen.“ Das Personal ist auch während der Neugestaltung des Obertorplatzes ganz persönlich für die Kunden im Einsatz: Die Rezepte werden bei den Ärzten abgeholt, und die Medikamente werden wird dann schnellstmöglich ausgeliefert.

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Nur noch 27 Parkplätze an der Durchgangsstraße


Verkehrsregelungen Auf Anfrage der HZ hat die Stadt das Szenario „Großbaustelle Obertorplatz“ konkretisiert. Wenn die Arbeiten für Bauabschnitt 1, das ist der Bereich auf der westlichen Seite des Platzes, also beim Buchladen und der Apotheke, starten, ist dieses zu beachten: Das Herrengässle und die zentrale Parkfläche in der Platzmitte werden für den Verkehr vollständig gesperrt. Offen bleiben die Zufahrt zur Frauengartenstraße und zu der kleinen, privaten Tiefgarage an der Westseite des Platzes sowie natürlich der fußläufige Zugang zu den Gebäuden auf der Westseite.

Provisorische Stellplätze Die Stadt bekräftigt: Die bestehenden Parkplätze auf dem Platz und entlang der Frauengartenstraße werden gesperrt. Ein bissle Ersatz gibt es: Entlang der Straße Obertorplatz, also der Durchgangsstraße, werden im Bereich der Bushaltestelle, 27 provisorische Stellplätze hergestellt, die aber zum Teil für die Stadtapotheke reserviert sind. Die Bushaltestelle Obertorplatz West wird weiter nach Norden, also Richtung Kirchplatz,  verschoben.

Auftakt unklar „In den kommenden Tagen.“ Das ist die Terminangabe des Rathauses zum Baubeginn. Der offizielle Startschuss mit symbolischem Spatenstich ist am Dienstag um 16 Uhr. Bislang war der Montag als Baustart genannt worden.