Mössingen HZ-Leser erforschen die Tabu-Räume der Pausa in Mössingen

Mössingen / SWP 17.08.2012
Die HZ-Leser hatten die einmalige Chance, im Rahmen der HZ-Türöffner-Aktionen mit Museumsleiter Herrmann Berner die sogenannten Tabu-Räume der Pausa in Mössingen zu besuchen.

Als ob gerade erst der letzte Zeichner den Stift hätte fallen lassen - so wirkten die Räume im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Textildruckerei Pausa in Mössingen auf die HZ-Leser. Diese hatten die einmalige Chance im Rahmen der HZ-Türöffner-Aktionen mit Museumsleiter Dr. Hermann Berner die sogenannten Tabu-Räume zu besichtigen, die normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossen bleiben.

"Die denkmalgeschützten Räume müssen genau so erhalten bleiben, wie sie sind", erklärte Berner. Seit 2006, als die Stadt Mössingen das gesamte Areal erwarb, sind Berner und seine Mitarbeiter damit beschäftigt die etwa 60000 Stoffmuster, Entwürfe und Musterbücher der ehemaligen Textildruckerei zu inventarisieren und zu erhalten - noch mit Unterstützung der Wüstenrot-Stiftung.

Gerade noch rechtzeitig stellte die Denkmalpflege das "bedeutendste historische Industriegebäude im Regierungsbezirk Tübingen" sowie die umfangreichen Stoff- und Entwurfsammlungen 2005 unter besonderen Schutz. Ganz andere Pläne hatte die Firma Beck aus Reutlingen-Mittelstadt, die die Pausa nach der Insolvenz 2001 übernahm. Die Besitzer hätten gerne gleich mal die Tonnenhalle abgerissen, in der sich heute die Mössinger Stadtbibliothek befindet.

"Die Pausa hat wegen Managementfehlern in den 1990ern Millionen verloren", erklärte Hermann Berner. Ansonsten könnte es die Textildruckerei noch heute geben, deren Credo "Kontinuität in gutem Geschmack" war. In den 50ern expandierte die Pausa unter Firmenchef Willy Häussler - einem Hechinger - zum Weltunternehmen. Zu den besten Zeiten hatte die Firma 500 bis 600 Mitarbeiter. Einer von ihnen war auch HZ-Leser Hartmut Alber. Er war bis 1981 betriebswirtschaftlicher Leiter der Pausa. Sein Visitenkärtchen von damals hatte er bei der Führung dabei. Nur in sein ehemaliges Büro konnte er nicht mehr hinein. Dort ist heute die Jugendmusikschule untergebracht. An den agilen Chef Willy Häussler erinnert er sich noch gut. "Der wollte morgens, kaum war er da, schon die ersten Entwürfe sehen", erzählte Alber.

Auch in die Wohnung, die sich Willy Häussler im Verwaltungsgebäude einrichten ließ, durften die HZ-Leser einen Blick werfen. Dort sind die erfolgreichsten Druckstoffe der Pausa - nach Entwürfen des dänischen Designers Verner Panton oder des Reutlinger Künstlers HAP Grieshaber ausgestellt. Die Stoffe im Ethno-Look nach Entwürfen des Mössinger Künstlers Andreas Felger, der in der Pausa Musterzeichner lernte, wurden in den 70ern ein "Erfolgsschlager". "Früher waren nur Blümchenmuster auf Vorhängen", erklärte Berner die Vorreiterrolle der Pausa in Sachen Mode.

Den HZ-Leserinnen hatten es besonders die Entwürfe und Stoffsammlungen angetan. "Aus diesem Stoff haben wir damals Vorhänge gehabt" oder: " Das ist ein typischer Pausa-Stoff", hörte man da unisono.

Letzte Station der Führung war die beeindruckende Bogenhalle des Architekten Manfred Lehmbruck. Dank einer Korkputzmischung an der Decke hat die Halle eine fantastische Akustik und dient auch für Aufführungen des Theaters Lindenhof - jetzt wieder beim Kultursommer im September. Fragen an Museumsleiter Hermann Berner hatten die HZ-Leser viele, die sie auch nach der Führung bei einer kleinen Erfrischung noch fleißig stellten.

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