Hechingen Hommage an den „Chopin der Violine“

Clemens Müller am Flügel und Jochen Brusch an der Violine entführten das Publikum in die Klangwelten des polnisch-jüdischen Geigers und Komponisten Henryk Wieniawski.
Clemens Müller am Flügel und Jochen Brusch an der Violine entführten das Publikum in die Klangwelten des polnisch-jüdischen Geigers und Komponisten Henryk Wieniawski. © Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / Antonia Lezerkoss 05.09.2018
Jochen Brusch und Clemens Müller gestalteten anlässlich des Europäischen Tages der jüdischen Kultur ein begeisterndes Konzert.

Storytelling – Geschichten erzählen war das diesjährige Leitthema des Europäischen Tages der Jüdischen Kultur, der seit 1999 europaweit in verschiedenen Ländern und Regionen stattfindet. In dieses Thema passte sich die sonntägliche Matinee in der Alten Synagoge Hechingen mit den beiden Künstlern Clemens Müller, Klavier, und Jochen Brusch, Violine, hervorragend ein.

Jochen Brusch ist nicht nur ein genialer Geigenvirtuose sondern auch ein brillanter Erzähler, der anhand von Lebensdaten, Brief- und Textauszügen ein lebendiges Bild der Künstlerpersönlichkeit Henryk Wieniawski zeichnete. Wieniawski, am 10. Juli 1835 in Lublin in Polen geboren, galt als „Chopin der Violine“ und war ein international gefeierte Konzertgeiger. In den Mittelpunkt seines kompositorischen Schaffens stellte er – natürlich – die Geige.

In akkurat geschliffener klanglicher Eleganz und flexiblem Ton bewegte sich Brusch durch das Treiben der „Legende op 17“. Die teils waghalsigen Tempi wirkten jedoch keinesfalls als inszenierte Selbstdarstellung, sondern waren Bestandteil einer dynamisch zwingenden musikalischen Synthese, die den gesamten Phantasiereichtum der Stimmungsbilder und Figuren vor dem geistigen Auge der zahlreichen Zuhörer plastisch erstehen ließ.

Viel geigerische Seele enfaltete Brusch, vom Pianisten loyal begleitet, im ersten Stück der den beiden „Air Russes varieé“ (Souvenir de Mouscou op 6) – um das zweite dann temperamentvoll in russischer Tanzweise erklingen zu lassen.

Als wahrer Zauberer im Umgang in Klanggebung und Tonformung hörte Brusch bei der charmanten „Chanson Polonaise op 12“ und der rasanten „Scherzo-Tarantella op 16“, besonders bei den Ruhepunkten vor den rasenden Kadenzpassagen ganz genau in die Klänge hinein.

Er adelte sie federnd leicht und technisch brillant mit intensivem, wunderbar vollem Geigenton und makelloser Intonation. In dem hochvirtuosen Allgero moderato aus dem „Konzert Nr. 1 fis-Moll op. 14“ – einem der Bravourstücke Wieniawskis – betörte Brusch mal mit biegsam-geschmeidigen, dann wieder kraftvoll körperlichen Ton und der ganzen Bandbreite der spieltechnischen Möglichkeiten seines Instrumentes: rasanten Tonreihen, Kombination von Staccato-, Spiccato- und Legato-Spiel, phänomenalen Doppelgriffkombinationen.

In vorbildlicher Interpretation haben die Künstler die enge Verflechtung von Solopart und differenziert eingesetzter Klavierstimme erarbeitet und vermittelten den Hörern in der Synagoge eine packende und mitreißende Darstellung der enorm anspruchsvollen Klangrede des Komponisten. Müllers lebendiges, einfühlsam begleitendes Spiel malte einen luftig schwebenden,stimmungsvoll blühenden Klangfarbengarten und schuf die harmonisch-klangliche Grundlage, auf der sich die Violinkünste wunderbar entfalten konnte.

Von exquistem Reiz und als wahre Perlen der spätroman-tischen Violinmusik, mit kammermusikalischen Momenten voller Intimität und Kontemplation erwiesen sich am Schluß des Konzerts die beiden facettenreich ausgesungenen Sätze aus „Preghiera“. Ganz großer Beifall am Schluss!

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