Hechingen / Hardy Kromer  Uhr
Das Hohenzollerische Landesmuseum zeigt Amulette und Talismane aus der Sammlung von Brigitte und Helmut Köstlin. Das Interesse war schon am ersten Abend überbor

Ein Hufeisen bringt Glück. Das weiß ein jeder. Man muss es aber auch richtig herum aufhängen, damit das Glück hineinfallen kann. So steckt denn der Teufel oft im Detail. Was nützt der noch so schön gestickte Haussegen, wenn er schief hängt? Eben!

Der Grat zwischen Glück und Pech ist häufig ein schmaler, so wie Glaube und Aberglaube meist fließend ineinander übergehen. Ist nicht der Rosenkranz das Symbol katholischer Volksfrömmigkeit schlechthin? Mag sein, aber was ist es, wenn seine Perlen aus Schlangenwirbeln oder gar aus menschlichen Schädelknochen hergestellt sind? Schwarze Magie? Heidnischer Hokuspokus? Voodoo?

Über solche Fragen eifrig räsoniert und diskutiert wurde bereits am Eröffnungsabend der Ausstellung „Pech gehabt? Wir haben was dagegen“, die rund 400 Amulette, Talismane und andere Glücksbringer aus der Sammlung des Hechinger Ehepaars Brigitte und Helmut Köstlin zeigt. Der Andrang war zum Auftakt riesig. Mehr als 100 Besucher füllten das Foyer des Hohenzollerischen Landesmuseums restlos, und dessen Leiter David Hendel zeigte sich – passend zum Thema – „beglückt“ über die große Resonanz. „Wir können von den ausgestellten Objekten etwas lernen über die Glaubens- und Vorstellungswerte unserer Vorfahren“, lud Hendel zum aufmerksamen Hinschauen ein, „aber auch viele aktuelle Bezüge sehen“. Denn wer wollte ernsthaft behaupten, dass Aberglaube und magisches Denken im 21. Jahrhundert passé sind?

Dorothee Müllges, Erste Beigeordnete der Stadt Hechingen, übermittelte die Grüße von Bürgermeister Philipp Hahn und zeigte sich „tief beeindruckt“, was die Köstlins in einem langen Sammlerleben an Glücksbringern aus dem süddeutschen und alpenländischen Raum zusammengetragen haben. Erinnert fühlte sie sich an Kindheitsurlaube im Kleinwalsertal, als sie Großmütter traf, die bei Vollmond Warzen besprochen haben – „und es hat funktioniert“. Bewundernd äußerte sich Dorothee Müllges über die gemeinsame Sammelleidenschaft des Ehepaars Köstlin – er der Lehrer, Landvermesser, Graphiker, Hobbyschreiner, der Flohmärkte, Antikläden und Auktionen abklappert und persönliche Kontakte zu Sinti und Roma pflegt, um die Sammlung ständig zu verbessern, sie die Forscherin, die unermüdlich nach Bedeutungen und Zusammenhängen recherchiert.

Helmut Köstlin, in die Ausstellung einführend, bestätigte: „Seit meiner Jugend sammle ich exzessiv Volkskunst.“ Doch mit dem Sammeln ist es nicht getan. „Oft muss man den Stücken erst ihr Geheimnis entlocken.“ Und dabei leistet Ehefrau Brigitte unschätzbare Dienste.

Und dann nahm Köstlin sein Publikum mit in die Welt der Amulette („Je älter, desto wertvoller“), der Fatschenkinder (Wachsfigürchen, die man im Alpenland Säuglingen zum Schutze unters Kopfkissen legt), der Breverl (bayerische Medizinbeutel zur Abwehr von Krankheiten), der Tieramulette (ein Marder­penisknochen am Gürtelbund getragen soll die Potenz des Mannes steigern), der Fraisenketten und Salomonssiegel, der Rosenkränze und Caravacakreuze. „Das Sakrale und das Vorchristliche mischen sich immer wieder“, stellte Köstlin mit Blick auf viele Amulettgattungen fest. „Mal werden die Objekte von der Kirche als Teufelszeug verboten, und dann bricht sich die Volksfrömmigkeit doch wieder Bahn und bündelt magische Kräfte. Ganz sicher jenseits kirchlicher Duldung: das „6. und 7. Buch Mose“ mit allerlei magischen Zaubersprüchen und Anleitungen zum Pakt mit dem Teufel. Wer geduldig darin blättert, verriet Helmut Köstlin, erfährt daraus auch, „wie man seinen Gegner in neun Tagen ins Grab bringen kann“.

Info Zeit zum Blättern bleibt reichlich: Die Ausstellung, deren Eröffnung von einem Streicherensemble der Jugendmusikschule Hechingen umrahmt wurde, ist bis zum 27. Oktober zu sehen, immer mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. An drei Terminen gibt es Führungen durch Helmut Köstlin, zunächst am Sonntag, 21. Juli, um 14.30 Uhr. Ein erstes Glücksbringer-Basteln für Kinder gibt es am Mittwoch, 24. Juli, von 14 bis 17 Uhr.