Mit „gemischten Gefühlen“ haben Petra und Gerd Merkel am Montag ihre „Kupferpfanne“ aufgeschlossen. Wochenlang hatten sie einzig über ihren Außer-Haus-Service Kontakt zu den Gästen – und der kam gut an! Wie würde es jetzt sein? Scheuen die Gäste noch den Besuch des Restaurants? Wissen sie um die Auflagen für die Gastwirte – und zeigen sie Verständnis dafür? Petra Merkel bekannte am Morgen ganz offen: „Ich bin nervös.“ Nicht, weil sie und ihr Team nicht alle verordneten Hygiene- und Schutzvorkehrungen getroffen hätten, sondern weil sie, die „Kupferpfanne“-Chefin, nicht einzuschätzen weiß, wie ihre Kundschaft beispielsweise auf die Aufforderung reagiert, ihre Daten im Lokal zu hinterlassen – für den Fall, dass eine Corona-Infektion zurückverfolgt werden müsste. Ziehen die Gäste da mit oder gibt das Ärger?

Schon bald werden es die Merkels wissen. Wie all ihre Branchenkollegen haben sie am Montag Neuland betreten. Was ist erlaubt und was nicht? All das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen aus dem laufenden Betrieb ergeben.

Auf Kerzen und Salzstreuer am Tisch wird verzichtet

In jedem Fall, das weiß man längst, gilt es Abstand zu halten. Petra und Gerd Merkel haben deshalb aus ihrem Nebenzimmer und von der Terrasse Tische und Stühle entfernt. Zwei Meter Abstand zum Gast am Nachbartisch sind damit gewahrt. Schwieriger entpuppte sich die Umgestaltung des Lokals an sich. „Wir haben kleine Nischen“, erklärt Petra Merkel – hat aber auch dafür eine Lösung gefunden: Gäste, die es sich dort gemütlich machen möchten, müssen nebeneinander Platz nehmen. Damit ist deren Abstand zur benachbarten Nische gegeben. So aufwändig dekoriert wie üblich ist die „Kupferpfanne“ in Zeiten von Corona auch nicht. Auf den Tischen stehen keine Kerzen mehr, ebenso wenig Salz- und Pfefferstreuer – und auf der Terrasse wird auf die Sitzkissen verzichtet. Parallel dazu steht das Desinfektionsmittel griffbereit, nicht nur für die Speisenkarten, die nach jedem Gast-Studium desinfiziert werden müssen. Schon am Eingang wird solches für die Gäste zur Verfügung gestellt – zu nutzen, während sie auf die Zuweisung ihres Tisches warten.
Ja, es sind ganz außergewöhnliche Zeiten. Und so hoffen Petra und Gerd Merkel auf „verständnisvolle Gäste“, die ihren Besuch in der „Kupferpfanne“ gerne anmelden dürfen, aber auch ohne Reservierung willkommen sind – so das Lokal denn nicht ausgebucht ist. Das ist aktuell noch nicht wieder der Fall.

Hofgut Domäne ab Dienstag wieder am Start

Thomas Lacher, Chef des Hofguts Domäne, hat am Montag nochmal selbst den Putzlappen geschwungen, ehe er an diesem Dienstag seinen Biergarten und das Restaurant öffnet (noch geschlossen bleiben das Laz Paz und der Veranstaltungssaal Lui). Aus dem Biergarten haben er und sein Team die Hälfte aller Tische und Stühle entfernt. 600 Gäste finden auf dem Domäne-Areal unter freiem Himmel in „normalen“ Zeiten Platz, aktuell nur noch 300. Und Thomas Lacher will persönlich dafür Sorge tragen, dass es nicht mehr werden – beispielsweise am bevorstehenden Feiertag Christi Himmelfahrt, für den bestes (Biergarten-) Wetter angekündigt ist.
Weitere zirka 70 Gäste (anstatt der sonst 150) kann der Domäne-Chef im Restaurant bewirten. „Klar, wir halten uns an die Spielregeln“, macht er deutlich, bedauert aber gleichzeitig, dass diese teilweise doch missverständlich seien. Das übertrage sich auch auf die Gäste. „Viele sind unsicher“, weiß er und hofft, dass sich die Lage schnell weiter entspannt. Zum Beispiel mit dem Blick voraus auf den Domäne-Live-Sommer. Der findet üblicherweise in den Sommerferien donnerstags und freitags statt. Gibt es bis dahin weitere Corona-Lockerungen, würde Thomas Lacher seinen Live-Sommer gerne um den Dienstag und den Mittwoch erweitern. Wichtig wäre für seinen Betrieb natürlich auch, wieder Hochzeiten sowie Firmen- und Familienfeiern ausrichten zu dürfen. Für den 1. Juni ist bereits in Aussicht gestellt, dass bis zu 100 Menschen mit- und beieinander sein dürfen – das wäre doch schon mal ein Anfang!

Im Grosselfinger „Stüble“ ist die Küche wieder heiß

Eine ganze Nummer kleiner als das überregional bekannte Hofgut Domäne ist „’s Stüble“ in Grosselfingen. Da gab’s am Montag zur Feier des ersten Tages mit gelockerter Corona-Verordnung den Klassiker schlechthin: Schnitzel mit Pommes und Salat. Aber auch Gulasch, Cevapici sowie die Spezialität Grillhähnchen stehen auf der Speisekarte. Das Ehepaar Manfred und Selvinas Oesterle betreibt das Lokal mitten in Grosselfingen seit drei Jahren und ihr „Stüble“ hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Ein bis zwei Dutzend Stammgäste hatten die Oesterles vor Corona täglich bei ihrem Mittagstisch, jetzt hoffen sie auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Aber Manfred Oesterle lag am Montag mit seiner Vorahnung richtig: „Es wird ein zäher Anfang werden“, hatte er prophezeit – und so kam es auch. Es gab kaum Reservierungen. die Tische im und vor dem Lokal waren nur locker besetzt. „Die Leute sind verunsichert“, sagt Oesterle. Alle nötigen Vorkehrungen für die Wiedereröffnung des Lokals haben die Wirtsleute getroffen. Die 40 Sitzplätze im Gastraum wurden halbiert. Sogar an die Liebe haben die Oesterles in Corona-Zeiten gedacht und einen Tisch für Pärchen reserviert. Sie hoffen, dass die ersten Gäste das Eis brechen: „Wenn der eine sieht, dass der andere einkehrt, traut er sich selber vielleicht auch.“ Am Vatertag gibt’s im „Stüble“ übrigens ab 11 Uhr Weißwürste mit Brezen.

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