Stadtentwicklung Höchste Zeit: ein Konzept für die Hechinger Oberstadt

Leeres Ladengeschäft am Hechinger Marktplatz – ein Bild, das auch die Hechinger Stadtoberen verdrießt. Jetzt will der Gemeinderat mit einem neuen Entwicklungskonzept für die gesamte Oberstadt Ernst machen.
Leeres Ladengeschäft am Hechinger Marktplatz – ein Bild, das auch die Hechinger Stadtoberen verdrießt. Jetzt will der Gemeinderat mit einem neuen Entwicklungskonzept für die gesamte Oberstadt Ernst machen. © Foto: Archiv
Hardy Kromer 20.07.2017

Nachdem etliche von der Hechinger Rathausspitze geplante Großprojekte geplatzt sind, schickt sich jetzt der Gemeinderat an, die Stadtentwicklung voranzutreiben. Schon vor Wochen hatte die CDU-Fraktion auf eine Fortschreibung der einschlägigen „Leitlinien“ gepocht. Jetzt legten die Freien Wähler nach und bescherten der Stadtverwaltung per Antrag den Auftrag, „ein städtebauliches Entwicklungskonzept, einen Rahmenplan für die Oberstadt zu erarbeiten“. Einstimmig, mit Lob von allen Seiten und mit ausdrücklicher Unterstützung des Ersten Beigeordneten Philipp Hahn ging dieser Antrag am Donnerstagabend durch.

Worum es den Freien Wählern geht, erklärte Fraktionssprecher Werner Beck: Durch die Entwicklungen um den Obertorplatz sei „Druck entstanden“, die „Notwendigkeit, zügig voranzugehen“. Es brauche eine „zeitliche Dynamik“. Noch in diesem Jahr soll die Verwaltung in Zusammenarbeit mit einem stadtplanerischen Fachbüro Vorarbeiten leisten, damit im 2018er-Haushalt Geld für das Entwicklungskonzept eingestellt werden könne. Sechs Jahre, so erinnerte Beck, seien jetzt seit dem Projekt Kleinstadtleben vergangen. Sechs Jahre, in denen man „nicht vorangekommen“ sei, weil sich alles auf das inzwischen gescheiterte „Leuchtturmprojekt“ für den Handel und auf die Tiefgarage konzentriert habe. Der geforderte Rahmenplan „für zehn bis 15 Jahre“ solle aber weiter ausgreifen. Er solle alle Aspekte der Themen Wohnen und Handel aufgreifen, Aussagen zu Verkehrskonzept und Parkierung machen, Aufenthaltsqualität definieren, aktive Bodenpolitik (Aufkauf von Grundstücken) ermöglichen und konkrete bauliche Zielvorstellungen definieren. Kurzum: Der Rahmenplan solle als Leitlinie für Bauherren und Investoren sowie für weitere politische Planungsentscheidungen dienen.

Reaktionen? „Die Verwaltung will mitgehen“, signalisierte Philipp Hahn. Almut Petersen (Bunte Liste) freute sich gar sehr über den Antrag der Freien Wähler. Die Bunten hätten schon immer darauf hingewiesen, dass es mit dem Obertorplatz nicht getan sei. Ein Rahmenplan sei nötig und dringend: „Wir sind schon zwei bis vier Jahre zu spät dran.“ Berücksichtigt werden sollten die Erkenntnisse aus dem Projekt Kleinstadtleben, und auch der Stadtmarketing-Verein müsse mitgenommen werden, so Almut Petersen.

„Höchste Eisenbahn, dass wir so was machen“, applaudierte Ingrid Gruler für die SPD, und auch Andreas Ermantraut signalisierte Unterstützung durch die CDU: „Wir sehen das als Stück unseres Antrages zur Fortentwicklung der Leitlinien der Stadtenwicklung“.

Ermantraut: Enttäuscht, von der Bürgermeisterin nichts zu hören

Einen Fahrplan, wie es mit den Leitlinien zur Stadtentwicklung weitergehen solle, hatte die CDU-Fraktion noch vor der Sommerpause gewünscht. Philipp Hahn musste den Entwurf schuldig bleiben. Die Leitlinien, so sagte Hahn, berührten Fragen wie: „Ist Hechingen
Gesundheitsstadt? Europastadt? Zollernstadt?“ Solange die Bürgermeisterin nicht dabei sei, könne die Verwaltung solch grundlegende Fragen nicht behandeln, entschuldigte sich der Beigeordnete.

Bestätigt sah sich da CDU-Fraktionschef Andreas Ermantraut in seiner Auffassung: „Durch die Abwesenheit der Bürgermeisterin bleiben gewisse Sachen liegen. Die Weiterentwicklung der Stadt hinkt.“ Ihm bleibe nichts anderes als „die Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringen“,
dass die Bürgermeisterin auf die – am 1. Juni formulierte – „Anfrage des gesamten Gemeinderates“, wie es weitergehe, bis
heute eine Antwort schuldig geblieben sei. hy