Hechingen/Hirrlingen Hirrlingen profitiert von Auftragsboom

In den Hirrlinger Reinräumen von Maquet Cardiopulmonary werden Reservoire für die Herzchirurgie produziert. Die Produktion soll bis Ende des Jahres in das Maquet-Werk in Antalya verlegt werden. Foto: Maquet
In den Hirrlinger Reinräumen von Maquet Cardiopulmonary werden Reservoire für die Herzchirurgie produziert. Die Produktion soll bis Ende des Jahres in das Maquet-Werk in Antalya verlegt werden. Foto: Maquet
ANDREA SPATZAL 06.04.2013
Ein Auftragsboom bei Maquet Cardiopulmonary wirkt sich auch positiv auf den Standort Hirrlingen aus. Mit dem Umzug von 70 Mitarbeitern nach Hechingen wird es in diesem Jahr nichts mehr werden.

"Wir kommen mit der Produktion nicht nach", beschreibt Marketingdirektor Marcus Felstead den Auftragsboom bei Maquet Cardiopulmonary. Die Nachfrage nach künstlichen Lungen, sogenannten Oxygenatoren, ist so hoch, dass an einen Umzug von Hirrlingen nach Hechingen derzeit nicht zu denken ist. Eigentlich sollten schon im Laufe des vergangenen Jahres etwa 70 Mitarbeiter aus dem Maquet-Werk in Hirrlingen in das erweiterte und inzwischen zum "Kompetenzzentrum für Oxygenatoren" ausgebaute Werk 2 an der Rottenburger Straße in Hechingen wechseln. Rund 40 weitere Maquet- Mitarbeiter in Hirrlingen sollten Mitte dieses Jahres in eine Transfergesellschaft entlassen werden. Ihre Arbeitsplätze in der Produktion von Blut-Reservoiren für die Herzchirurgie fallen weg. Das nach Nachfolgemodell wird jetzt schon im neuen Maquet-Werk im türkischen Antalya produziert. Aber beide Terminplanungen sind passè.

"Wir fahren die Produktion in Antalya langsam hoch", erklärt Felstaed. Die Arbeitsplätze der zirka 40 betroffenen Mitarbeiter in Hirrlingen blieben zunächst "bis Ende des Jahres" erhalten, wobei Felstaed nicht mehr ausschließt, dass, sollte die gute Auftragslage anhalten, sie auch danach bei Maquet Cardiopulmonary weiterbeschäftigt werden können. Bis auf weiteres bestehen bleibt laut Marcus Felstead auch das Fertigwarenlager im sogenannten "Campus" im Hechinger Gewerbegebiet Lotzenäcker, den Maquet Cardiopulmonary zuvor komplett angemietet hatte.

Das sind neue Töne aus dem Hause des Medizintechnikunternehmens. Erst im Juli 2011 musste Maquet Cardiopulmonary als Folge der Verlagerung des Firmensitzes nach Rastatt ein "finales Konzept" vorlegen, das die Maquet-Standorte Hechingen und Hirrlingen rund 200 Arbeitsplätze kostete. Begleitet war dieser Prozess von langen und schwierigen Verhandlungen zwischen der Geschäftsleitung und der Arbeitnehmervertretung.

Wegen der guten Auftragslage hat Maquet Pulmonary zwar etwa 100 Arbeitsplätze nach Rastatt verlagert. "Aber wir konnten ganz auf Kündigungen verzichten", betont Marcus Felstead. Das sei eine "sehr, sehr erfreuliche Entwicklung". Stolz verweist der Marketingdirektor auch auf das Maquet-Kompetenzzentrum für Oxygenatoren in Hechingen. "Hier sprechen wir von Kompetenz weltweit, hier ziehen wir alles zusammen", so Felstead. In dem Kompetenzzentrum (Werk 2) in Hechingen mit derzeit 229 Mitarbeitern wurde ein neues Labor für Qualitätsmanagement eingerichtet und der bestehende Reinraum erweitert. Seit wenigen Wochen hat das Werk sogar eine eigene Kantine.

Produziert werden an der Rottenburger Straße Oxygenatoren, arterielle Filter, Herz-Lungen-Sets, Wärmetauscher und Zentrifugalpumpen. Den Auftragsboom verdanke Maquet Cardiopulmonary vor allem einer erst vor vier Jahren auf den Markt gebrachten Produktschiene für die Intensivmedizin. Deren "Herzstück" ist die kaum zehn Kilogramm schwere Herz-Lungen-Maschine "Cardiohelp", die in der Notfallmedizin, bei Krankentransporten und Operationen am offenen Herzen zum Einsatz kommt. Die Oxygenatoren in "Cardiohelp" können laut Felstead je nach Ausführung bis zu 30 Tage am Patienten bleiben. "Die Kundschaft will nichts anderes mehr."


Medizinische Systeme

Maquet mit Sitz in Rastatt ist eine Tochtergesellschaft des börsennotierten schwedischen Konzerns Getinge AB, wobei die Marke Maquet den Geschäftsbereich der Medizinischen Systeme repräsentiert und drei Spezialbereiche umfasst: Ausstattung von Operationssälen, Anästhesiesysteme und Arbeitsplätze in der Intensivpflege sowie Medizinprodukte, Geräte und Instrumente für die Gefäß- und Kardiochirurgie.