Hechingen Herzen tanzen im UV-Licht

EBERHARD WAIS 31.10.2014
Johannes der Täufer starb für seinen Glauben. Sein Leben und sein Tod sind Thema des neuesten Adonia-Musicals, das im "Museum" Premiere hatte.

Geradezu grandios, begeisternd ist das, was die vielen Mitglieder des Adiona-Musicalcamps nach nur vier Tagen gemeinsamer Probe vor gut besuchten Rängen auf die Hechinger Bühne brachten. Eingängige Lieder und mitreißende Rockrhythmen, gefühlsame Balladen und treibender Rap, engagierte Sänger und Musiker, ein Chor in stetem Fluss - das Musical von Markus Heusser, Larissa Leuschner, Rebekka Steil und Thorsten Rheinschmidt charakterisierte in gut einer Stunde Leben und Sterben des Johannes in sehr überzeugender Weise. Das am Lukas-Evangelium angelehnte Singspiel war hochmodern, hatte Platz für pfiffige Ideen und lustige Einsprengsel. All dies hat auch das Leben des Johannes gekennzeichnet. Der war ein unbeugsamer Verfechter seines Glaubens, auch gegenüber Herrscher Herodes, was er mit dem Leben bezahlte.

Das Bühnenbild war spärlich. Man konnte den Orient allenfalls erahnen, das Tal des Jordan war nur angedeutet, die Farben schwelgten überwiegend in lichtem Grün und Blau - durchaus beabsichtigt, denn die Geschichte des Johannes ist bis heute aktuell und könnte überall spielen. Die sechsköpfige Band war ebenfalls auf der Bühne platziert.

Am Anfang steht, ganz in Brechtscher Tradition, ein Sprechgesang mit der Forderung der Herodias (Herodes Frau) nach Johannes Kopf. Zu sehr hatte der ihr ehebrecherisches Verhältnis kritisiert. Dann der Schnitt, die Rückblende mit der Erscheinung des Gabriel und der Geburt des Johannes. Szenen, die sich eng an die Bibel anlehnten, wurden aber schnell gekontert mit heutigen Ingredienzien - wenn etwa Zacharias seinen Namen auf einem elektronischen Tablet schreibt.

Eher ein lustiger Einfall ist es, den weiteren Fortlauf der Geschichte von zwei sprechenden Dattelpalmen erzählen zu lassen, die natürlich die Sache aus heutiger Sicht sehen und Johannes Beliebtheit an seinen Likes bei Facebook und Klicks auf Youtube messen.

Der sich beschleunigende Fortgang wurde durch die härtere Musik gekennzeichnet, harter Rock dominierte. Mittlerweile hatten die Akteure ihre anfängliche Nervosität, verständlich bei der Premiere nach nur viertägigen Proben, abgelegt und brachten deutlich mehr Gefühl in ihre Lieder und Songs. Steuereinnehmer, Soldaten und Prediger traten auf, mancher wurde im Jordan getauft, dessen Wasser andere Akteuren unter einem blauen, fließenden Tuch symbolisierten, Herzen schwenkten im UV-Licht. Das Für und Wider des neuen Messias und dessen Wirken wurde ausgiebig diskutiert und mündete in gesungenen Glaubensbekenntnissen.